Große Trends auf der Interalpin 2019

Die Interalpin in Innsbruck ist mit rund 650 Ausstellern die absolute Leitmesse für die internationale Seilbahnwirtschaft und gibt die Richtung vor. Heuer lassen sich fünf große Trends in der Branche beobachten.

“Wir haben hier Delegationen aus dem Oman, aus Jordanien, von Neuseeland über Australien, Alaska, Chile, Finnland bis Südafrika: die ganze Welt ist da, wir haben Leute aus 90 Ländern hier”, freute sich Projektleiter Stefan Kleinlercher, Cheforganisator der Messe, am Eröffnungstag: “Die Interalpin ist die internationalste Fachmesse Österreichs, und sie ist die einzige Weltleitmesse Österreichs”, sagt Kleinlercher. 27.000 Besucher zeigen den hohen Stellenwert, den die Messe erlangt hat. 650 Aussteller aus aller Welt kamen heuer nach Innsbruck, um ihre Innovationen und Weltneuheiten zu Aufstiegshilfen, Beschneiungsanlagen, Pistenpräparierungs- und Winterdienstgeräten, Zutrittssystemen, digitalen Lösungen, alpiner Sicherheit, Sommerattraktionen und vieles mehr zu präsentieren. “Die Interalpin gibt als Leitmesse den Ton auf der ganzen Welt an”, lobt Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser, und Innsbruck sei der ideale Austragungsort für die Messe, ergänzt Bürgermeister Georg Willi. Für Franka Weissensteiner von der “Außenwirtschaft Austria” ist wesentlich: “Die Messe ist trendbildend.” Fünf große Trends zeigten sich schon am Eröffnungstag.

1. Nachhaltigkeit, Energieeffizienz

“Green Mountain” ist das Motto: Am Berg soll der Einsatz von Energie und Ressourcen so effizient und schonend wie möglich erfolgen. Martin Leitner vom “Südtiroler Seilbahnbauer Leitner, umreißt die Technik-Trends: “Die Seilbahnanlagen werden immer leiser, sparen immer mehr Strom und sonstige Ressourcen: Leitner kam u. a. mit einer schmierfettfreien Tragseilführung. Und getriebelose Antriebe seien ohnehin schon weit verbreitet. Gefragt sind auch umweltfreundliche Verkehrsmittel für Touristen, von Shuttlediensten über Elektromobilität bis hin zu wasserstoffgetriebenen Skidoos.
Kässbohrer präsentierte auf der Interalpin die erste elektrisch betriebene Pistenraupe mit einer Batteriekapazität von 126 Kilowattstunden, die für 2,5 bis drei Einsatzstunden reichen sollte. Batterieladezeit: fünf Stunden. Der Prototyp wird derzeit intensiven Checks unterzogen.

2. Trend zur Digitalisierung

Die Digitalisierung wird z. B. beim Schneemanagement eine große Rolle spielen, sagt Josef Burger, Geschäftsführer der Bergbahn Kitzbühel: Da geht es darum, ressourcenschonend Qualität anzubieten, die Digitaltechnik ermöglicht hier mehr Effizienz. Und bei der Gästebetreuung wird die Digitalisierung ebenfalls viel verändern: Der Gast müsse 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche buchen und Anfragen stellen können: “Im Onlinevertrieb hat die gesamte Branche noch Nachholbedarf”, sagt Burger: “Wir müssen hier näher zum Kunden kommen, um konkurrenzfähig zu bleiben gegenüber anderen Freizeitmöglichkeiten.” Das Pistenerlebnis wird in Zukunft nicht mit dem Einsteigen in den Lift beginnen, der Gast wird vielmehr schon zu Hause Liftkarten, Ausrüstung, Skikurse buchen und Guthaben für den bargeldlosen Urlaub aufladen können. U. a. boten Skidata und Axess dafür Lösungen an.

3. Trend zu mehr Komfort und Qualität

“Auf dieser Messe geht es um Qualität”, betont Messechef Christian Mayerhofer. Seilbahnbauer Martin Leitner: “Gefragt sind Innovationen und ganz individuelle Lösungen. Wir dürfen deshalb nicht einfach einen Einheits-Baukasten liefern, sondern einen Baukasten mit Applikationsmöglichkeiten.” Noch mehr Komfort ist immer wichtiger, es geht ganz klar in Richtung Qualität – in Verbindung mit Energieeffizienz. Ins selbe Horn bläst Seilbahner Anton Pletzer: Komfortsteigerung sei wichtig, um ein Skigebiet für die Zukunft zu sichern.

4. Sicherheit

“Es gibt einen Trend zu mehr Sicherheit im Wintersport”, konstatiert Franka Weissensteiner (Außenwirtschaft Austria). Österreich habe hier schon ein extrem hohes Niveau, andere Länder aber hätten noch Aufholbedarf, nicht nur im Lawinenmanagement, sondern auch bei der Erste-Hilfe-Ausbildung und bei der Anbindung an Krankenhäuser. Sicherheitsinnovationen, die auf der Interalpin vorgestellt wurden, waren u. a. Absturzsicherungen für Sessellifte oder die neue Hubschraubergeneration von Heli Austria, die Schwerlasten bis 4,5 Tonnen fliegen kann. Oder Lawinensprengtechnologie, bei der die Sprengladung erst unmittelbar vor der Sprengung zu Sprengstoff wird.

5. Saisonverlängerung

Das ist weltweit ein großes Thema, sagt Messeorganisator Kleinlercher. Leitner: Im Trend sind Lösungen, die nicht nur dem Wintergast dienen, sagt Seilbahnbauer Martin Leitner. Das geht von Gondeln mit Speziallüftungen für einen komfortablen Sommerbetrieb bis hin zu Technik, die die Verfügbarkeit der Anlagen erhöht: Bei möglichst jedem Wetter und vor allem fast jedem Wind sollen Anlagen sichere Transportmittel sein – eine große Herausforderung, doch die Technik mache hier zügige Fortschritte, sagt Leitner. Winterinfrastruktur soll zunehmend auch zu anderen Jahreszeiten nutzbar werden, um die Auslastung aller Tourismusunternehmen zu erhöhen. So müsse etwa der Frühjahrsskilauf künftig einen höheren Stellenwert haben, meint Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich. Dazu trägt die neueste Beschneiungstechnologie bei, wie sie etwa Demaclenko und TechnoAlpin präsentierten. Gezeigt wurden auf der Interalpin aber auch pfiffige Mountaincarts und Sommerschlitten, die den Seilbahnen Impulse fürs Sommergeschäft geben können. Auch der jahreszeitenübergreifende Einsatz von Fahrzeugen zum Schneeräumen wie auch zur Grünlandpflege war Thema auf der Interalpin.

Gute Investitionsstimmung

Die Stimmung auf der Messe war ausgesprochen gut, nicht zuletzt wegen der vergangenen sehr gut verlaufenen Rekordsaison. Mit über 54 Millionen Skier-Days setzte sich Österreich abermals vor Frankreich und USA als weltweiter Marktführer durch, freut sich Seilbahnerchef Hörl: Dieser Erfolg zeigt, dass Österreichs Seilbahnbrache richtig investiert hat, und die Investitionsfreude sei ungebrochen groß. Investitionen in neue Technologien helfen auch dem Klima, denn neue Technologie spart Energie und Ressourcen. Hörl in Richtung von Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi: “Möge der Spirit der Interalpin die Stadt und den Gemeinderat erleuchten.”

Auch Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf mahnt: “Wir müssen aufpassen auf die Stimmung im Land. Wenn Menschen gegen alle touristischen Ausbaupläne eintreten, dann stellen sie Dinge in Frage, die zu den Säulen unseres Landes gehören.” Es gelte daher, das Bewusstsein für die Bedeutung des Tourismus auch für viele andere Branchen in Tirol zu wecken. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser brachte es auf der Interalpin auf den Punkt: “Ohne den Tourismus und die Seilbahnwirtschaft wäre Tirol nicht das, was es heute ist.”

Mehr Infos auf www.interalpin.at

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