Starkes Haus, starke Familienbande

Nicht nur optisch sticht das Gasthaus Post in Strass hervor. Hier pulsiert das Leben, hier freut sich der Gaumen und Wirt Alois Rainer weiß: „Meine Familie und mein Team arbeiten mit viel Gefühl und sehr viel Herz.”

Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen”, war Johann Wolfgang von Goethe überzeugt. Das Beispiel des Gasthofes Post in Strass im Zillertal zeigt, wie recht der Dichter doch hatte. Ein verheerendes Feuer legte der Familie Rainer im Jahr 2008 einen richtig großen Stein in den Weg. „Das war schon ein Schlag ins Gesicht”, erinnert sich Post-Wirt und Obmann der Fachgruppe Gastronomie der WK Tirol Alois Rainer, „wir hatten das Haus gerade komplett saniert und renoviert, dann kam es einen Tag vor der Eröffnung zum Dachstuhlbrand.”

Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Der materielle Schaden aber war riesig, das prächtige Innere des Hauses war komplett zerstört, doch ganz ähnlich wie seine so ungewöhnliche und schier unzerstörbare Natursteinfassade zeigte auch die Familie Stärke. „Wir sind zusammengestanden und haben den Mut gefasst, das Haus mit einem guten Schwung wieder aufzubauen”, sagt der Hausherr. Die Wiedereröffnung konnte schon elf Monate später gefeiert werden, was auch daran lag, dass die einheimischen Handwerker, die schon vor dem Brand ihr Können unter Beweis gestellt hatten, den Wiederaufbau in die Hand genommen und das ihre dazu beigetragen haben, dass die Familie Rainer wieder ihrer Berufung nachgehen konnte.

Entwicklung über Generationen

„Wir sind Vollblut-Gastgeber, wir führen das jetzt in fünfter Generation”, stellt Alois Rainer fest. In seiner heutigen Form – mit der schon erwähnten Fassade aus Natursteinen – gibt es den Gasthof Post seit etwa 1840. Hier in Strass, am Fuße des eindrucksvollen Brettfalls, dieser nahezu senkrecht abfallenden Felsenflucht am Übergang zwischen Inn- und Zillertal, ist „die Post” ein Orientierungspunkt. „Wenn man in Strass etwas sucht, sagt man nicht gegenüber vom Bahnhof, sondern gegenüber von der Post”, weiß Rainer. Schon im Alter von 21 Jahren hat er den Familienbetrieb übernommen: „Mein Vater ist sehr früh gestorben. Ich war damals 17 Jahre alt und mir war wichtig, nach der Schule meine Mutter so schnell wie möglich im Gastronomiebereich zu unterstützen.”

Einen Plan B gab es nie. Im jüngsten der drei Rainer-Geschwister hatte schon immer ein Gastwirts-Herz geschlagen und das Einvernehmen mit seiner Mutter Sophie bezeichnet er als entscheidend für die weitere Entwicklung des Hauses zum ersten ***Superior Hotel im Zillertal. „Wenn ich versucht habe, Veränderungen in den Betrieb einzubringen, hat sie das immer befürwortet und unterstützt. Für mich als jungen Wirt und Unternehmer war das extrem wichtig und dafür muss ich meiner Mutter Rosen streuen”, sagt Rainer und betont: „Meine Mama ist die Perle des Hauses. Sie hilft uns nach wie vor im Betrieb, unterstützt uns mit unseren Kindern und ich kann zudem kostenlos auf 50 Jahre Gastronomieerfahrung zurückgreifen. Das sind schon Sachen, die man wertschätzen muss.” Das tun Alois und seine Frau Christine gleichermaßen. „Auch meine Frau hat eine gastronomische Ausbildung genossen und nachdem wir uns kennengelernt haben, ist das Feuer neu entfacht worden. Sie ist Wirtin mit Leib, Seele, Herz und Hirn”, verrät Rainer ein weiteres Geheimnis hinter dem Erfolgsweg des Traditions-Hauses.

Gasthof Post bei Einheimischen beliebt

Wertschätzung ist dabei ein gutes Stichwort. „Im Restaurantbereich haben wir zirka 85 Prozent einheimische Gäste. An den Abenden kommen die Mitglieder der Landjugend, am Sonntag nach der Messe sitzen die älteren Mander mit Hut in der Stub‘n und spielen Karten. Das macht Freude und Spaß. Wenn der einheimische Gast kommt, ist das eine gewisse Wertschätzung gegenüber der Arbeit, die der Wirt und seine Mitarbeiter leisten”, verweist Rainer auch auf den Stellenwert eines Gasthauses im Leben eines Dorfes und hält fest: „Am Ende des Tages geht es immer darum, dass man redet. Wenn man die Leute an einen Tisch bringt, wo sie reden, werden oft vernünftigere Entscheidungen getroffen als in einem sterilen Sitzungsraum ohne Gefühl.”

Als er noch ein junger Wirt war, unterstützten ihn zwischen sieben und acht Mitarbeiter dabei, den pulsierenden Rahmen zu füllen. Heute sind im zwischenzeitlich stattlich gewachsenen Gasthof Hotel Post 24 Mitarbeiter beschäftigt, viele davon schon viele Jahre lang: „Mit unserem Küchenchef haben wir letztes Jahr sein 25-jähriges Jubiläum gefeiert.” Die Küche ist eine der entscheidenden Säulen im a la carte-Haus, das sich – vom Wert bester Regionalität überzeugt – nicht nur den strengen Qualitätsvorgaben der Tiroler Wirtshauskultur, des AMA-Gastrosiegels oder der Qualität Tirol unterwirft, sondern gleich eigene Maßstäbe setzt. „Mein Bruder führt die Landwirtschaft der Familie, aus der wir Rind- und Kalbfleisch beziehen. Dann haben wir auch die Milch, aus der wir das Joghurt machen und bei Produkten, die wir selbst nicht produzieren können, schauen wir darauf, dass sie so wenig Reisekilometer wie möglich auf dem Buckel haben, bevor sie bei uns in der Küche veredelt werden”, erklärt Alois Rainer. Rundum schön ist es geworden, was die Familie da aus den Steinen gebaut hat, die ihr in den Weg gelegt wurden. So hatte es Goethe wohl gemeint.

Bild oben: Die Familie Rainer als Gastgeber mit Leib und Seele: Alois Rainer und seine Frau Christine mit den gemeinsamen Kindern Madeleine und Alois Junior sowie seiner Mutter Sophie.

»Weitere Informationen: Gasthof Post in Strass

Ein Haus mit Tradition. Vor etwa 200 Jahren erbaut, bildet der Gasthof Post in Strass bereits seit vielen Generationen eine beliebte Bleibe für Einheimische und Gäste am Eingang des Zillertals.

Ein Haus mit Tradition. Vor etwa 200 Jahren erbaut, bildet der Gasthof Post in Strass bereits seit vielen Generationen eine beliebte Bleibe für Einheimische und Gäste am Eingang des Zillertals.

Funktionärssteckbrief: Alois Rainer
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