Vilser Bergbräu: Bier gut, alles gut!

2013 begann für Vils, die fast 700 Jahre alte und einzige Stadt im Außerfern, eine neue Zeitrechnung. Mit der Gründung der Privatbrauerei Vilser Bergbräu wurde das Stadtleben lustiger und die Bierwelt geschmackvoller.

Bier gut, alles gut!“ So knapp wie treffsicher fasst Brauereichef Andreas Hiby-Durst eine kleine Wahrheit in Worte, die nicht nur für hingebungsvolle Bierliebhaber gilt. In Vils, der kleinen Stadt im Außerfern, nur einen Steinwurf von jener Grenze entfernt, wo das heilige Land Tirol das heilige Bierland Bayern trifft, wurde diese kleine Wahrheit vor kurzem erst in voller Strahlkraft spürbar. Und das nicht nur wegen des – zugegeben – doch recht üppigen Alkoholgehaltes.

Anfang März trafen sich die Vilser und viele mit Rang und Namen zum bereits traditionellen Starkbieranstich im ebenso bereits traditionell vollbesetzten Stadtsaal. Als Ehrengast wurde EU-Diplomat Klemens Fischer an das Fass gebeten, um den Hahn geschickt zwischen die Dauben zu schlagen und sich dabei nicht durch wild spritzenden Schaum zu blamieren. WK-Vizepräsidentin und Tirol-Kandidatin für die Europawahl Barbara Thaler war dabei, als gebürtige Vilserin selbstverständlich auch Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und Nationalrätin Elisabeth Pfurtscheller gab sich ebenso die Ehre.

Der rundum heiterfeierliche Rahmen erinnerte nicht von ungefähr an den Starkbieranstich am Nockherberg, wo bayerische Politiker grinsende Haltung bewahren müssen, wenn sie auf der Bühne hemmungslos „derbleckt“ beziehungsweise kabarettistisch aufs Korn genommen werden. Auch das gehört in Vils dazu, doch während die bayerische Tradition des Starkbieranstichs zu Beginn der Fastenzeit eine ins 18. Jahrhundert zurückreichende Geschichte auf dem Buckel hat, sticht Vils damit hervor, diese Tradition in Lichtgeschwindigkeit auf die Beine gestellt zu haben. Erst vor knapp sechs Jahren wurde mit der Gründung des Vilser Bergbräu der Grundstein dafür gelegt.

Bier im Blut

„Schwarzer Krampalar“ heißt das Starkbier, das seit dem Festabend genossen werden darf. Wie es sich gehört, wird mit diesem Bier der sonst doch eher freudlosen Zeit zwischen Faschingsende und Ostern ein Schnäppchen geschlagen. Mit einem Alkoholgehalt von acht Volumenprozent macht die nach dem Krampus benannte Süffigkeit recht rasch recht lustig.  „Ja, das stimmt“, lacht Andreas Hiby-Durst und erklärt: „Der Krampalar ist unser Bockbier für die Fastenzeit. Dann haben wir noch das Lechweg-Bier, das Zugspitz-Bier, unser Hefeweizen und das Helle.“

Mit dem Hellen ging es los, nachdem der deutsche Unternehmer eine gebrauchte Bierbrau-Anlage erworben und sich dazu entschlossen hatte, zusammen mit dieser Anlage auch die Brauereigeschichte der Stadt Vils wiederzubeleben.
Schon im 15. Jahrhundert war hier Bier gebraut worden, doch ist diese Tatsache mehr eine schöne Episode als die Triebfeder für den Standort. Die Jagdleidenschaft hatte den deutschen Bierexperten schon viele Jahre zuvor als Jagdpächter nach Vils gebracht und ihn zusammen mit seiner Frau Juliane Hiby-Durst ein paar Wurzeln abseits ihrer Heimat schlagen lassen.

In Bruchsal-Heidelsheim, einer Stadt im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg, hat die von Bier geprägte Unternehmens-Geschichte der Familie Hiby-Durst begonnen. Mit der Gründung des Unternehmens „Durst Malz“ im Jahr 1824. Malz ist eine der wichtigsten Zutaten beim Brauen von Bier und das mit den Jahren zum Malz-Konzern gereifte Unternehmen wurde zu einem wichtigen Player in dieser Branche.

Dass die Familie Bier im Blut hat, ist keine übertriebene Feststellung. 2011 wurde „Durst Malz“ an die französische Soufflet-Gruppe verkauft, bis 2017 kümmerte sich Andreas Hiby-Durst um die erfolgreiche Integration des Unternehmens in die Gruppe und seither konzentriert er sich auf das Bierbrauen. Als zweiter geschäftsführender Gesellschafter der Mannheimer Eichbaum-Brauerei etwa, die jährlich rund 1,9 Millionen Hektoliter Bier produziert. „Das sind natürlich andere Dimensionen“, sagt Hiby-Durst und stellt zur Relation klar: „In Vils machen wir derzeit rund 2.500 Hektoliter im Jahr.“ Diese 2.500 Hektoliter mögen im Vergleich wie ein Tröpfchen klingen, doch sie haben es in sich.

Die Erfolgsgeschichte

„Das Vilser Bergbräu ist eine Erfolgsgeschichte für die ganze Region“, stellt etwa Wolfgang Winkler, Außerferner Bezirksstellenleiter der WK Tirol, fest und meint: „Das Bier wird sehr gut angenommen – nicht nur von der Gastronomie sondern auch vom Endkonsumenten. Mit ihrem eigenen Bier setzt die Grenzregion klare Fronten zum Bierland Bayern. Die schöne Geschichte des Brauereigasthofes macht sie zudem zu einem Paradebeispiel wirtschaftlicher Belebung.“

Was Winkler da anspricht, ist wirklich eine Geschichte mit Reiz. Einst war die kleine Grenzstadt mit insgesamt zwölf Gasthäusern richtig gut bestückt gewesen. Über die Jahre sperrte eins nach dem anderen zu und zuletzt war fast nur noch der Gasthof Krone übrig geblieben, der zwar beliebt, für größere Gesellschaften oder Hochzeiten aber ungeeignet ist. Derart vom Untergang von  Gastlichkeit und Lebendigkeit bedroht, ging eine Handvoll entschlossener Vilser her und hauchte dem Gasthof Schwarzer Adler mitten im Ort neues Leben ein. „Es war eine legendäre Rettungsaktion“, weiß Wolfgang Winkler. Eine Aktion, die nicht nur ein Mosaikstein für die städtische Geselligkeit, sondern auch für ein schönes Stück Zukunft der Stadt wurde. Und hier kommt wieder das Bier ins Spiel.

2013 startete die Vilser Privatbrauerei mit der Produktion. „In Deutschland hätte es nichts gebracht, für Österreich war es aber ein guter Moment“, weiß Hiby-Durst. Mit viel Können, Wasser aus den Vilser Bergen und nach den strengen Regeln des bayerischen Reinheitsgebotes aus dem Jahr 1516 gebraut, traf das Helle bei den Konsumenten gleich jenen Geschmacksnerv, der im Gasthaus oder am Bierregal entscheidend ist. Bald wuchsen mit der Fangemeinde, den Biersorten und den produzierten Mengen auch die Pläne. „Wir sagten, eine Brauerei braucht auch einen Brauereigasthof und als wir hörten, dass der Schwarze Adler zur Disposition steht, sagte ich, super, dann kann ich da die neue Brauerei bauen und das ganze ist eine Einheit“, erzählt der Brauereichef.

Problematische Logistik

Der Gasthof „Schwarzer Adler“ verwandelte sich zum einladenden Schmuckstück und im Juni 2016 wurde die neue Brauerei, die seither mit ihrem verglasten Sudhaus neben Kirche, Brunnen und Gasthaus das Bild des Stadtkerns prägt, eingeweiht. Feierlich, mit viel Prominenz, Gottes Segen und allem Drum und Dran.

„Es geht sukzessive voran. Wir haben uns bis Innsbruck schon gut etabliert. Unser Ziel ist, dass wir in der Region bis Innsbruck und in die Seitentäler hinein bekannt sind und dass die Leute das regionale Bier schätzen“, so Hiby-Durst, „Die Logistik ist noch problematisch. Wir fahren viel selber aus und sind gerade dabei, uns da was zu überlegen.“ Im Endausbau könnte die Brauerei bis zu 10.000 Hektoliter im Jahr produzieren, weswegen dem weiteren Eroberungsfeldzug der geschmackvollen Bierkreationen vorerst keine Grenzen gesetzt sind.

„Jenseits des Klischees der Piefke Saga, wo der Jagdpächter als Retter der Nation dargestellt wird, sieht man hier, dass die ganze Region dahinter gestanden ist“, weist Wolfgang Winkler etwa darauf hin, dass sich die Regionalentwicklung Außerfern (REA) dafür stark gemacht hat, damit die in die neue Anlage integrierte Schaubrauerei entsprechende Förderungen erhalten konnte. „Die lokalen Händler haben die Chancen längst erkannt und das Lechweg-Bier ist sowieso eine Erfolgsgeschichte von A bis Z“, schwärmt der Bezirksstellenleiter, der die Entwicklung auch als Kommunalpolitiker begeistert verfolgt.

„Die Symbiose des Vilser Biers mit dem zwischenzeitlich verstorbenen Pfarrer war legendär. Er war ein super Geschäftsmann, von dem sich wirtschaftlich viele eine Scheibe abschneiden hätten können“, schmunzelt Winkler, der auch Bürgermeister der Gemeinde Ehenbichl ist, in Erinnerung an Pfarrer Rupert Bader, einen waschechten Bayern, der die Platzkonzerte für Gäste aber vielmehr noch für Einheimische erfolgreich revitalisiert und die Brauerei direkt neben „seiner“ Kirche herzlich willkommen geheißen hat. „Wir hatten große Unterstützung durch den Pfarrer und den leider ebenfalls verstorbenen Bürgermeister Günther Keller. Das hat sehr gut geklappt“, betont auch Andreas Hiby-Durst. Es steckt wohl doch ein größeres Stück Wahrheit darin, wenn er sagt: „Bier gut, alles gut!“

» Weitere Infos: Vilser Privatbrauerei

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