Tiroler Bautag 2019

Bereits zum 12. Mal ging am Mittwoch, den 27. März 2019, der Tiroler Bautag über die Bühne. Im Congress Innsbruck diskutierten Experten der Branche über mögliche Wege aus der Baukostenexplosion.

Der derzeitige Bauboom treibt die Kosten in die Höhe. Gründe für die gestiegenen Preise gibt es viele, wie etwa die hohe Nachfrage nach Bauleistungen, steigende Personal- und Materialkosten sowie technische und behördliche Auflagen. Aber auch das schwache Produktivitätswachstum kann als Ursache genannt werden. Welche Wege es gibt, um die Produktivität zu verbessern, stand im Fokus des Tiroler Bautages, der seit zwölf Jahren Impulse setzt und wichtige Themen der heimischen Branche aufzeigt.

Gemeinsam an Lösungen arbeiten

Eröffnet wurde die Veranstaltung von WK-Präsident Christoph Walser, der in seiner Rede das vom Land Tirol vorgestellte Wohnpaket thematisierte: „Grundsätzlich sind Maßnahmen begrüßenswert, die einen Beitrag zum leistbaren Wohnen bringen, aber es muss auch Platz für den privaten Wohnbau geben. Wir haben das Gespräch mit der Politik gesucht und arbeiten gemeinsam an Lösungen, von denen gewerbliche und gemeinnützige Bauträger profitieren.“

Im Anschluss begrüßte DI Anton Rieder die Vertreter der Bauwirtschaft. Der Landesinnungsmeister sieht die größte Herausforderung im Facharbeiter- und Lehrlingsmangel: „Wir arbeiten intensiv daran, dieser Entwicklung entgegen zu steuern und das Image zu verbessern. Wir sehen unsere Aufgabe nicht primär in der Erhaltung des Status Quo, sondern auch im Aufzeigen neuer Entwicklungen. Nur der ständige Blick nach vorne wird die Zukunft der Bauwirtschaft sichern.“

Kostenreduktion dank Systembau

Die Baukosten gehen in eine klare Richtung, nämlich nach oben. Trotz gesteigerter Umsätze konnten die Ergebnisse nicht signifikant verbessert werden. Statt die Ursachen zu erforschen, beleuchteten Experten im Rahmen der Veranstaltung mögliche Ansätze, um aktiv erschwinglichere Preise zu erziehlen. Lars Luderer, Geschäftsführer der Goldbeck GmbH Bielefeld, gab in seinem Impulsreferat interessante Einblicke in die Welt des Systembaus. Das Familienunternehmen beschäftigt 6.200 Mitarbeiter und umfasst 48 Standorte in Europa. Der Stahlbauer bietet eine industrielle Serienproduktion als Kernkompetenz und realisiert Büros, Parkhäuser, Schulen, Wohnungen und viele andere Gebäude. Unter dem Firmennamen GOLDBECK Rhomberg ist das Unternehmen mit 130 Mitarbeitern auch in Österreich und in der Schweiz präsent. „Dank unserer systematisierten Prozesse können wir beispielsweise 1.000 m2 Bürofläche im Rohbau in nur einer Woche realisieren. Trotz der hohen Geschwindigkeit kommt Qualität bei Goldbeck immer vor Umsatz“, betont Luderer. Die einzelnen Elemente der Systeme sind dabei so flexibel aufeinander abgestimmt, dass sie ein hohes Maß an planerischer Freiheit gewähren. „Häufig werden Kunden mit dem jeweiligen Gebäude alleine gelassen. Wir bieten unseren Klienten ein im Preis inbegriffenes Gebäudemanagement und begleiten sie ein Jahr nach der Fertigstellung. Zusätzlich bekommen sie von Anfang an einen wöchentlichen Bericht und werden über die Entwicklungen am Laufenden gehalten. Diese Maßnahmen werden besonders geschätzt“, so Luderer.

Digitalisierung ist eine Chance

Das zweite Impulsreferat präsentierte Univ.-Prof. Gottfried Mauerhofer, der sich als Professor für Baumanagement an der Technischen Universität Graz seit vielen Jahren mit der Entwicklung mittelständischer Bauunternehmen beschäftigt. Der Professor ist sich sicher, dass die Digitalisierung nicht auf die Baubranche zukommen wird, sondern sie längst erreicht hat. Komplexe Anforderungen an Gebäude erfordern neue Methoden und Prozesse. Neben Building Information Modeling, kurz BIM, sieht Mauerhofer enorme Vorteile im Lean Management. Neben einem Mehrwert für die Kunden können dadurch Verschwendungen reduziert, Prozesse stabilisiert und die Produktivität erhöht werden. Hindernisse werden zudem frühzeitig erkannt und beseitigt und die Schnittstellenkoordination optimiert. „Erkenntnisse aus der Praxis zeigen, dass ein partnerschaftlicher Umgang der Schlüssel zum Erfolg ist. Wöchentliche Abstimmungen zur Produktion sind zwingend notwendig, um am Puls des Projektes zu bleiben. Transparenz schafft Vertrauen und Sicherheit im Projekt. Ziel ist ein sich selbst kontinuierlich verbesserndes Team zu schaffen“, betont der Professor für Baumanagement und ergänzt: „Mittelständische Unternehmen müssen die Digitalisierung als Chance sehen.“

Podiumsdiskussion im Anschluss

Im Anschluss an die Vorträge fand unter der Leitung von Ronald Barazon eine Podiumsdiskussion mit den beiden Referenten, Landesinnungsmeister Anton Rieder und Architekt Hanno Vogl-Fernheim statt. Letzterer agiert als Präsident der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Tirol und Vorarlberg und sieht im Systembau vor allem Vorteile für die Umsetzung von leistbarem Wohnraum: „Trotzdem ist es wichtig, dass die Individualität nicht verloren geht.“ Anton Rieder betont die Notwendigkeit, sich mit alternativen Geschäftsmodellen auseinanderzusetzen: „Planung und Ausführung müssen wieder näher zusammenrücken.“ Der Landesinnungsmeister erhält hierfür auch Zuspruch von Mauerhofer: „Es wäre empfehlenswert, diese beiden Bereiche auch in der Ausbildung zusammenzuführen. Der gesamten Baubranche würde es generell gut tun, wenn mehr Jugendliche und auch Frauen in dieses Segment einsteigen.“

Im Bild oben (v.l.): Moderator Ronald Barazon, LIM Anton Rieder, Lars Luderer, Architekt Hanno Vogl-Fernheim, Univ.-Prof. Gottfried Mauerhofer und GF der Landesinnung Bau Matthias Marth beim Tiroler Bautag 2019.

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