Garnelen made in Tirol: Die Alpengarnele

In Hall in Tirol, fern von jedem Meer, betreiben Daniel Flock und Markus Schreiner die erste und bislang einzige Garnelenaufzucht Österreichs – die Alpenaquafarm. Das Interesse nach den Alpengarnelen, die ohne Medikamente und Chemie produziert werden, ist groß – vor allem in der Gastronomie.

Vier 35 bis 38 Meter lange Wasserbecken mit 28 Grad Wassertemperatur. Wohlig-warme Luft mit hoher Luftfeuchtigkeit, stetiges surren und blubbern, es riecht nach Meer. Markus Schreiner und Daniel Flock ziehen langsam ein großes Sieb aus dem bräunlichen Wasser. Kaum an der Oberfläche angekommen, beginnt das große Wuseln: zahlreiche White Tiger Garnelen hüpfen hektisch umher. „Die Garnelen können bis zu einem Meter springen und sind kaum zu fassen so glitschig sind sie“, erklärt Jungunternehmer Daniel Flock schmunzelnd und versucht eine der Zehnfußkrebse zu schnappen.

Erste Garnelenfarm Tirols

574 Meter über dem Meeresspiegel – in Hall in Tirol – wachsen die Alpengarnelen in reinem Tiroler Quellwasser heran. Die Anfänge der Garnelenaufzucht liegen bei den Großcousins Daniel Flock und Markus Schreiner rund vier Jahre zurück. Hauptberuflich als Konstrukteure tätig, haben die Garnelenzüchter mit den ersten Proben im Keller der ehemaligen Straubkaserne angefangen: „Das Wasser muss immer richtig aufbereitet werden, deshalb haben wir uns eine Testanlage gebaut, Wasser eingelassen und die ersten Garnelen eingesetzt“, erklärt Schreiner enthusiastisch.

Die beiden Männer teilen von Kindheit an die Leidenschaft für Aquaristik und auch den feinen Gaumen für Meerestiere. „Garnelen werden fast überall angeboten, wir haben jedoch nie die Qualität gefunden, die wir gerne hätten. Bei den Aufzuchtbedingungen in Asien vergeht einem jeglicher Gusto und wir wollten das ohne Chemie und Antibiotika machen.“

Erst kürzlich sind die beiden Unternehmer mit ihren geliebten Mehrfüßlern in eine neue, 1.300 Quadratmeter große, Produktionshalle mit vier großen Salzwasserbecken mitten in den Thaurer Feldern, übersiedelt. Pro Becken haben rund 30.000 White Tiger Garnelen Platz. „Durch ein ausgeklügeltes Kreislaufsystem zur Aufbereitung des Wassers wird kein Abwasser produziert. Man gibt dem Wasser Zeit, sich selbst zu generieren. Dies geschieht in eigens dafür errichteten Tanks und voll automatisiert“, erklärt Markus Schreiner den technischen Ablauf. Neben dem Wasserkreislauf braucht es noch ein Labor zur Kontrolle von Qualität und Wasserwerten, ein Futterlager und ein Büro um auch dem immer größer werdenden Verwaltungsaufwand Herr zu werden.

Beliebt auf heimischen Menükarten

Die erste „Ernte“, wie die beiden Krustentier-Liebhaber es nennen, war eine große Überraschung. „Wir wussten ja nicht, ob das wirklich so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Der Stolz war übermächtig, als wir die erste eigens aufgezüchtete Salzwasser-Garnele in der Hand hielten. Und es war auch ein Beweis, dass die Garnelenzucht in Tirol funktioniert. Das Interesse war enorm und die Nachfrage hat uns dann auch motiviert hier weiter zu machen.“

Die zwei bis drei Tage alten Larven beziehen die Tiroler per Express-Luftpost von einem Züchter aus Übersee mit Stammbaum und Zertifikat. Vom Einsetzen bis zur Ernte dauerte es rund sechs Monate bis die White Tiger Garnele ein Gewicht von 20 bis 30 Gramm erreicht. Die Nachfrage aus der Gastronomie ist riesig. „Derzeit bleiben kaum Garnelen für uns übrig“, erzählt Schreiner lachend. „Mit unserer biologischen Herstellung eines für das Binnenland Österreich exotischen Produkts treffen wir den Nerv der Zeit. Regionalität und Nachhaltigkeit sind im Trend und nicht nur uns persönlich, sondern auch dem Konsumenten von Heute wichtig“, ist Schreiner überzeugt.

Mit der neuen Anlage wollen die Garnelenzüchter heuer die acht Tonnen-Marke bei der Ernte knacken um die Gastronomie konstant beliefern zu können. „Qualitätsmerkmale der Alpengarnele sind der sehr gute Geschmack und die gute Konsistenz des Fleisches. Zudem gehen sie beim Braten nicht zusammen“, erklärt Markus Schreiner. Derzeit liegt der Preis für ein Kilogramm Tiroler Alpengarnelen bei rund 66 Euro. „Dafür bekommt man ein absolutes Qualitätsprodukt, nie tiefgefroren und aus rein biologischer Herstellung“, so Flock.

Künftig Ab-Hof Verkauf

Künftig wollen die Garnelenliebhaber jedenfalls motiviert weitermachen: „Wir wollen die Produktion unserer Alpengarnelen stabilisieren um die fixen Abgabemengen garantieren zu können. Geplant ist ein Onlineshop, dann wollen wir künftig auch einen Ab-Hof Verkauf anbieten, wo wir den Kunden zeigen können, wie die Garnelen aufgezogen werden.“

Daniel Flock und Markus Schreiner (r.) von der Alpenaquafarm in Hall in Tirol.

Daniel Flock und Markus Schreiner (r.) von der Alpenaquafarm in Hall in Tirol. Stolz präsentieren Sie ihre “Alpengarnele”.

» Mehr über das Unternehmen: Alpenaquafarm

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