Der Brexit als bittere Geisterbahnfahrt

Während die entscheidenden Brexit-Fragen nach dem wann und wie unbeantwortet bleiben, häufen sich zu den Folgen die harten Fakten. Die Einkommensverluste werden die ganze Union treffen, Unternehmer versuchen sich zu wappnen und Barbara Thaler, Kandidatin bei der EU-Wahl 2019, weiß: „Der Austritt schmerzt.“

Diese Karussell-Fahrt verursacht Schwindel. Täglich scheinen sich die Vorzeichen zum Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, zu ändern und wer angesichts dessen das Gefühl hat, sich nicht mehr auszukennen, ist nicht allein. Rund 1.000 Tage nach dem Referendum, an dem 51,9 Prozent der Briten für den Austritt stimmten, gibt es kaum Fixes und die Erkenntnis, dass der britischen Premierministerin Theresa May die Kontrolle völlig entglitten ist, hilft nicht wirklich weiter. Der von ihr verhandelte Brexit-Deal wurde zwar von den Mitgliedstaaten der EU am 25. November 2018 unterschrieben, das britische Parlament stimmte jedoch am 15. Januar 2019 gegen den Deal. Ohne ihn zu verändern, darf das Parlament nicht noch einmal darüber abstimmen, ein harter Brexit – ohne Vertrag – wurde greifbarer und der jüngste Vorstoß Mays, den Brexit nicht am kommenden Samstag, dem 30. März 2019, sondern erst am 1. Juli 2019 zu vollziehen, schaffte nur noch mehr Verunsicherung und schickte die Chaostage in die Verlängerung.

Trotz der Skurrilität der britischen Politpossen ist die Verunsicherung viel zu groß, um darüber schmunzeln zu können. Die zahlreichen rechtlichen Unsicherheiten machen es auch den Tiroler Unternehmen schwer, sich auf den Brexit – hart oder weich – vorzubereiten.

Unsicherheit unter Unternehmern

Um die Folgen eines noch ungeregelten Brexit für die rund 1.520 britischen Bürger in Tirol abzumildern, hat das Land das „Brexit-Begleitgesetz“ beschlossen und die Abteilungen Außenwirtschaft und Arbeitsrecht der WK Tirol sind für Fragen zur Beschäftigung britischer Mitarbeiter nach dem Brexit gewappnet. Tiroler Touristiker machen sich beispielsweise Sorgen um die Zukunft des Modells der britischen Tour Operators, die mit ihren Gesamtpaketen und den Saisonarbeitskräften umsatzrelevant sind und in Großbritannien tätige Tiroler Unternehmen setzen sich gezwungenermaßen damit auseinander, welche Auswirkungen Grenzen und Zölle, aber auch der sich verändernde Status nicht-britischer Mitarbeiter auf das Wirtschaften haben könnten.

All die teuren Konjunktive, welche die Regie vor allem bei den Vorbereitungen auf einen harten Brexit führen, wurden jüngst durch harte Prognosen ergänzt. Forscher der Bertelsmann Stiftung haben berechnet, mit welchen Einkommensverlusten Bürger in Großbritannien und in den EU-Ländern rechnen müssen, sollte der Austritt ohne Vertrag passieren. Wenig überraschend wäre Großbritannien am stärksten betroffen, müssen die Briten doch mit Einkommensverlusten von jährlich 57 Milliarden Euro rechnen, was einem jährlichen pro-Kopf-Minus von 873 Euro entspricht. In Deutschland würde der harte Brexit durch ein Einkommensminus von fast 9,5 Milliarden Euro spürbar werden und für Österreich errechnete die Bertelsmann Stiftung einen jährlichen Einkommensverlust in Höhe von 83 Euro pro Kopf oder 700 Millionen Euro gesamt.

Mitten in den Turbulenzen des britischen Bye bye aus der Europäischen Union findet der Wahlkampf zur EU-Wahl statt, die am 26. Mai 2019 über die Bühne gehen wird. WK-Vizepräsidentin Barbara Thaler geht als Tiroler Spitzenkandidatin in diese Wahl. Im Interview mit der Tiroler Wirtschaft erläutert sie ihren Blick auf den Brexit und seine Strahlkraft.

INTERVIEW mit WK-Vizepräsidentin Barbara Thaler
Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!