Ofenbau Kiechl gibt Flammen einen Rahmen

Moderne Heizanlagen, Wärmepumpen und Klimawandel konnten dem Holzofen wenig anhaben. Der Hafnerbetrieb Ofenbau Kiechl bildet nicht zuletzt deshalb mit beherztem Einsatz qualifizierten Handwerkernachwuchs aus.

Der gute alte Holzofen. Freund in eisigen Winternächten, Meeting-Point der gesamten Großfamilie, Trockenstelle für schneedurchnässte Winterbekleidung und Schlafplatz von Kind, Opa und Hund. Dem Ofen habe das letzte Stündchen geschlagen, glaubte man vor einigen Jahrzehnten noch zu wissen. Gegen moderne Möglichkeiten des Heizens würde er sich nicht durchsetzen können, war man überzeugt. Doch Totgesagte leben länger und heute ist der Ofen – ob gekachelt oder gemauert – so beliebt wie selten zuvor.

Christoph Kiechl, Gründer von Ofenbau Kiechl in Rinn und Mitglied im Landesinnungsausschuss der Hafner, kann das bestätigen. Er kennt sein Handwerk wie die eigene Westentasche. Nach der Ofensetzerlehre in Thaur und der Meisterprüfung machte er sich selbstständig und gründete 2006 sein Unternehmen. Es habe ihn gereizt, seine eigenen Vorstellungen umzusetzen, erzählt er. Bis heute hat er diesen Schritt nicht bereut. Der Beruf sei abwechslungsreich und kreativ, man könne gestalten. Den direkten Kontakt mit Kunden mag er sehr.

„Im Vergleich zu früher sind die Anforderungen an Ofensetzer gestiegen”, so Kiechl. Die Produktpalette habe sich erweitert, sie reicht vom Kachelofen über Heizkamine bis hin zu Ganzhausheizungen. Technische und elektronische Neuerungen würden fundiertes Wissen und höhere Qualifikationen erfordern. Auch soziale Kompetenzen seien für die Kundenbetreuung unerlässlich.

Kiechl steht für lange Hafnertradition

Das Hafnerhandwerk hat in Tirol Tradition. Hierzulande gibt es kaum eine Bauernstube, in der nicht ein Kachelofen steht. Holz zum Beheizen der Öfen war immer schon zuhauf vorhanden, und das Klima derart, dass eine intensive Beheizungsmöglichkeit notwendig war. Die jahrhundertelange handwerkliche Erfahrung der Hafner, von Generation zu Generation weitergegeben, macht die Tiroler Ofenbaubetriebe zu ausgesuchten Qualitätsunternehmen.

Seit 2010 hat Christoph Kiechl drei Lehrlinge ausgebildet und sein Know-how an sie weitergegeben. „Lehrlinge auszubilden, ist eine wichtige Investition in die Zukunft”, ist er überzeugt, „auch wenn es mit großem Einsatz verbunden ist.” Lehrlinge bräuchten eine ständige Begleitung und Wissensvermittlung. Eine gute Kommunikation zwischen Unternehmen, Ausbildner und Lehrling sei dafür die Basis. Genauso wichtig seien aber Ruhe und Geduld, denn „ein junger Mensch muss Zeit zum Wachsen haben”, so der Unternehmer.

Manuel Plazza ist Hafner-Staatsmeister

Einer der Lehrlinge von Ofenbau Kiechl sorgte Ende Januar 2019 für einen besonderen Erfolg. (wirtschaft.tirol berichtete: Österreichs bester Jung-Hafner kommt aus Tirol) Als einer von sieben in einer Vorentscheidung ermittelten Jung-Hafner nahm er im Rahmen der internationalen Fachmesse für Kachelofen und Keramik (KOK Austria) in Wels an der Österreichischen Staatsmeisterschaft der Hafner teil. Bei dem dreitägigen Wettbewerb mussten die Nachwuchstalente einen Ofen nach vorgegebenen Plänen setzen. Für die Bewertung ausschlaggebend waren neben dem Gesamtbild des Ofens auch die Genauigkeit der Ausführung, die Sauberkeit am Arbeitsplatz und die Arbeitssicherheit. Manuel Plazza überzeugte mit seinem Können und sicherte sich mit seiner Arbeit den Staatsmeistertitel. Bei der Europameisterschaft der Hafner auf der KOK Austria 2021 wird er Österreich vertreten.

Wichtig bei einem Lehrling seien Auftreten und Persönlichkeit, vor allem aber das Interesse und der Wille. „Er muss entschlossen an seine Ausbildung herangehen”, so Kiechl. Größtenteils findet die Lehre praxisorientiert im Betrieb statt. Der Lehrling wird mit Materialien und Arbeitsabläufen vertraut gemacht, es gibt betriebsinterne Übungen. In der Berufsschule wird dann das theoretische Fachwissen gelehrt, wie technisches Zeichnen oder berufsspezifische Berechnungen. „Es ist ein Geben und Nehmen: Was ich einem Lehrling an Wissen weitergebe, bekomme ich von ihm als hochqualifizierten Facharbeiter wieder zurück”, meint Kiechl. Und er ist sich sicher: „Wenn letztendlich die Freude am Beruf mehr motiviert als das Gehalt am Ende des Monats, dann war es der richtige Weg!”

Über nachkommende topausgebildete Hafnergenerationen wird man sich also keine Sorgen machen müssen, wenn es mehr Ausbildner wie Christoph Kiechl gibt. Und damit auch nicht über den Fortbestand des guten alten Ofens.

 »Weitere Informationen: Ofenbau Kiechl

Ofenbau Kiechl

Der Holzofen mit seiner gemütlichen Wärme ist aus unserem Leben nicht wegzudenken. Mehr denn je schätzt man seine wohligen Effekte auf Seele und Körper.

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