Mit der grünen Ölheizung in die Zukunft

Die Politik will Ölheizungen verbieten. Sie übersieht dabei aber, dass diese nicht nur mit fossilen Brennstoffen, sondern auch mit flüssigen synthetischen Brennstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden können.

Ölheizungen haben nicht den besten Ruf – zu Unrecht. Zum einen hat es in den letzten Jahren bei modernen Heizkesseln enorme Effizienzsteigerungen gegeben. Zum anderen muss eine Ölheizung nicht zwangsläufig mit fossilen Brennstoffen betrieben werden.

Es gibt mittlerweile synthetische Alternativen, so genannte Green Liquid Fuels, die praktisch CO2-neutral verbrennen und damit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Dies wird momentan in zahlreichen Anlagen in Österreich getestet. Die Vertreter der Branche fordern von der Politik für das Gelingen dieses Umstiegs klare Rahmenbedingungen. Derzeit gibt es diese nämlich nicht, weil die Politik Ölheizungen mit fossilen Brennstoffen gleichsetzt – was nicht stimmt.

Ölheizungen spielen gerade in Tirol eine große Rolle. Während der Anteil dieses Heizungssystems im Österreichschnitt bei 20 Prozent liegt, heizen in Tirol 31 Prozent der Haushalte mit Öl. Die Erklärung liegt in der Topografie: Viele Seitentäler und ländliche Regionen sind vor allem mit dem Gasnetz nicht erreichbar – da liegt der Einsatz von Öl nahe.

Dichte der Ölheizungen nach Bundesländern

Während im Österreichschnitt weniger als 20 Prozent mit Öl heizen, sind es in Tirol mit 70.000 Haushalten rund 31 Prozent. Die Topografie unseres Landes bietet sich für dezentrale Heizungsanlagen an. Mit den neuen, nachhaltigen Bioölen könnte dieser Vorteil noch lange genutzt werden – wenn die politischen Rahmenbedingungen passen.

Wechsel auf biologische Öle

Das ist auch in Zukunft eine Gegebenheit, die zu berücksichtigen ist. Darüber hinaus wissen die Tirolerinnen und Tiroler die Vorzüge eines flüssigen Brennstoffes wie dessen Lagerfähigkeit und die sehr hohe Energiedichte zu schätzen. Doch die Politik ist gerade dabei, die Weichen anders zu stellen: Bis 2030 will die Bundesregierung die Zahl der 700.000 Ölheizungen in Österreich halbieren, in Niederösterreich sind Ölheizungen im Neubau bereits verboten, Oberösterreich folgt, ab 2020 soll das Verbot österreichweit gelten.

Für den Obmann des Tiroler Energiehandels, Alexander Gutmann, ist das keine kluge Entscheidung. Ein generelles Verbot von Ölheizungen sei aus guten Gründen definitiv keine sinnvolle Option: „Die Ölheizung liefert seit Jahrzehnten verlässlich Wärme für rund zwei Millionen Menschen in Österreich. Allein schon wegen der exorbitant hohen Umbaukosten wäre es widersinnig, dieses bewährte Heizungssystem grundsätzlich zu verbieten“, so Gutmann. Das beginnt schon bei dem in Österreich verwendeten Heizöl extraleicht, das sehr emissionsarm ist. In den letzten Jahren sind zudem 150 Millionen Euro in die Kesselförderung geflossen, was den Wirkungsgrad um 40 Prozent verbessert hat.

“Es muss das Ziel sein, fossiles Heizöl durch flüssige Brennstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu ersetzen.”
Alexander Gutmann

Diese Investitionen wären bei einem generellen Zurückdrängen von Ölheizungen umsonst investiert. Und für die Privathaushalte würden bei einem Umstieg auf andere Systeme Kosten von 20.000 bis 30.000 Euro entstehen. Über die negativen volkswirtschaftlichen Effekte hinaus zählt für Gutmann aber vor allem, dass Ölheizungen nicht zwangsläufig mit fossilem Öl betrieben werden müssen: „Es muss das Ziel sein, fossiles Heizöl durch flüssige Brennstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu ersetzen. Technisch ist das ohne weiteres möglich – es gibt bereits vielversprechende Lösungsansätze, die zum Teil auch schon intensiv getestet werden.“

Einer dieser innovativen, erneuerbaren und flüssigen Energieträger ist das so genannte „Hydrotreated Vegetable Oil“ (kurz HVO). „HVO ist synthetisches Heizöl, das zum überwiegenden Teil aus Reststoffen – pflanzlichen und tierischen Fetten sowie Abfällen – besteht. Es hat keinen Nachteil gegenüber fossilem Heizöl“, erklärt Martin Reichard vom Institut für Wärme und Öltechnik.

Dieses Bioöl ist ebenso CO2-neutral wie andere feste biogene Brennstoffe, produziert keinen Feinstaub und ist geruchsneutral. Biologische Öle werden bereits im Transportwesen eingesetzt und zur Zeit gerade in ganz Österreich in bestehenden modernen Brennwertkesseln getestet. Der große Vorteil: Öl-Brennwertkessel sind bereits auf einen Umstieg von ausschließlich fossilem Öl auf Bioöl vorbereitet und können dadurch auch mit regenerativen Energieträgern betrieben werden. Die Anschaffung eines neuen Brennwertkessels ist ein aktiver Beitrag zu Ressourceneffizienz und Energieeinsparung.

Umstieg in wenigen Jahren machbar

Die Branche ist zuversichtlich, dass der Umstieg auf synthetische Brennstoffe auf breiter Basis innerhalb weniger Jahre machbar sein wird. Doch die gesetzlichen Vorgaben bereiten dem Energiehandel Kopfzerbrechen. „Die Planungsunsicherheit ist groß und die Konsumenten sind verunsichert, selbst jene, die relativ moderne Heizkessel besitzen“, erklärt Gutmann.

“Gas und Öl haben die gleiche Emissionsklasse und den selben fossilen Ursprung – warum werden sie dann von der Politik unterscheidlich behandelt?”
Martin Reichard

Besonders unverständlich ist für Martin Reichard auch das unterschiedliche Maß, mit dem an dieses Thema herangegangen wird. „Nach wie vor werden Gasheizungen massiv beworben und auch gefördert – obwohl Gas und Öl die gleiche Emissionsklasse und denselben fossilen Ursprung haben.“ Der einzige Unterschied liegt offenbar abseits aller ökologischen Überlegungen: Die Versorgung mit Öl und Ölheizungen erfolgt über den privaten Sektor, die meisten heimischen Gasversorger sind hingegen Landesunternehmen.

Selbst weltbekannte NGOs wie „Greenpeace“ betätigen sich als Lieferanten von Gas. Greenpeace Energy bewirbt „Gas aus erneuerbaren Quellen“, das dabei helfen soll, „die Energiewende voranzubringen“. Doch wenn man genauer hinsieht, handelt es sich um normales fossiles Gas, das einen winzigen Anteil an so genanntem „Windgas“ enthält, das mithilfe des Stroms aus Windrädern erzeugt wird. Im Jahr 2018 waren es exakt 0,86 Prozent Windgas, die bei Greenpeace Energy dem fossilen Gas beigemengt wurden. Und es wird dauern, bis diese Menge nennenswert steigt.

Aufklärung und Lobbying

So schreibt Greenpeace Energy auf der eigenen Homepage: „Unser Ziel ist es, den Windgas-Anteil in den kommenden Jahren nach und nach zu erhöhen. Da die Produktion von erneuerbarem Wasserstoff heute noch recht teuer ist und wir unseren Gaspreis stabil und konkurrenzfähig halten möchten, können wir den Wasserstoffanteil nur langsam steigern.“ Dazu kommen noch technische Faktoren: Windarme Monate bringen weniger Erzeugung und im Sommer kann aus Sicherheitsgründen nur wenig Windgas dazugegeben werden. Bedeutet unter dem Strich: In einem sehr, sehr hohen Ausmaß handelt es sich um fossiles Gas mit einem hübschen grünen Mäntelchen.

Für Gutmann besteht seitens der Politik zwischen Öl und Gas eine Schieflage, die nichts mit ökologischen Gesichtspunkten zu tun hat. Auch energiepolitisch ist es für Gutmann nicht sinnvoll, alles auf elektrischen Strom zu setzen. Schließlich gebe es speziell bei der Erzeugung durch Windräder und Photovoltaik ein massives Speicherproblem und es brauche zur Abdeckung von Energiespitzen Alternativen – von denen eine die genannten Green Liquid Fuels sein können. Die dezentrale Verwendung von E-Fuels in modernen Brennwertkesseln stellt eine wesentliche Entlastung des Energienetzes dar – speziell, wenn man einige Jahre voraus denkt. Schließlich will Tirol fossile Energien bis 2050 ersetzt haben – das würde auch das Aus für Gasheizungen mit fossilem Brennstoff bedeuten.

Die Vertreter des Energiehandels setzen auf Aufklärung und Lobbying: „Wir geben nicht auf – wir haben mit den synthetischen Brennstoffen eine nachhaltige Option für den Betrieb von Ölheizungen“, gibt sich Gutmann kämpferisch und lässt keine Gelegenheit aus, die politischen Entscheidungsträger mit seinen Argumenten zu überzeugen. Er erwartet sich jedenfalls einen sachlichen Zugang und ein positives Signal von der Politik. Schließlich könne nur dann weiter geforscht und die breite Anwendung von E-Fuels vorangetrieben werden.

Während im Österreichschnitt weniger als 20 Prozent mit Öl heizen, sind es in Tirol mit 70.000 Haushalten rund 31 Prozent. Die Topografie unseres Landes bietet sich für dezentrale Heizungsanlagen an. Mit den neuen, nachhaltigen Bioölen könnte dieser Vorteil noch lange genutzt werden – wenn die politischen Rahmenbedingungen passen.

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