Funktionierender Verkehr steht und fällt mit den Schnittstellen

Die Wirtschaft steht zu ihrer Verantwortung beim Thema Verkehr und unterstützt die Verlagerung von der Straße auf die Schiene. Dazu braucht es allerdings moderne Angebote und leistungsfähige Verladeterminals seitens der Bahn. Lkw-Fahrverbote alleine sind noch keine Verkehrspolitik.

Der Langstrecken-Verkehr gehört auf die Bahn. Dort hat dieser Verkehrsträger seine größten Stärken”, erklärt der Obmann der Sparte Transport und Verkehr, Gottfried Strobl. Die Wirtschaft Tirols bekennt sich zur Verlagerung von der Straße auf die Schiene und nützt den unbegleiteten kombinierten Verkehr schon seit vielen Jahren. Was die Möglichkeiten des Bahntransportes anlangt, besteht allerdings zwischen Traum und Wirklichkeit eine große Diskrepanz: Das Angebot der Bahn entspricht nicht den aktuellen Anforderungen. „Von fehlenden einheitlichen europäischen Regelungen über mangelnde Pünktlichkeit bis hin zu unökonomischen Tarifen – da ist noch jede Menge zu tun”, so Strobl.

Zudem gibt es kaum mehr Bahnhöfe, an denen auch Güter umgeschlagen werden können. Anstatt diese dringenden Hausaufgaben zu erledigen, ist die ÖBB in den letzten Jahren zum größten Lkw-Transporteur Österreichs aufgestiegen. „Wir brauchen dringend die Unterstützung der Politik, um die Schiene zu einer echten Transport-Alternative zu machen”, fordert Strobl.

Schiene für Verkehr modernisieren

Die Tiroler Wirtschaftskammer hat zu den Plänen der Landesregierung zur Ausweitung der Lkw-Fahrverbote auf der Inntalautobahn eine umfassende Stellungnahme abgegeben. Vorgesehen sind Verschärfungen bei den Lkw-Euroklassen, dem Nachtfahrverbot und dem Sektoralen Fahrverbot. Gottfried Strobl: „Für uns steht der Wirtschaftsstandort Tirol im Fokus. Es darf keine Benachteiligung unserer heimischen Unternehmen geben.” Die Pläne der Landesregierung gehen grundsätzlich in eine positive Richtung – wenn man aber die Details und ihre Auswirkungen auf bestimmte Regionen oder Branchen anschaut, gibt es noch einigen Verbesserungsbedarf.

Was die Modernisierung des Lkw-Verkehrs betrifft, so haben die Tiroler Betriebe in den letzten Jahren bewiesen, dass ihnen die Umwelt ein großes Anliegen ist. Die heimischen Unternehmen verfügen mittlerweile über den modernsten Fuhrpark Europas. Die von der Landesregierung angedachte Verschärfung des Euroklassen-Fahrverbotes würde hauptsächlich kleine Tiroler Betriebe mit Spezialfahrzeugen betreffen. Das heißt im Klartext: großer Schaden für die heimische Wirtschaft, kaum messbare Verbesserung bei den Grenzwerten.

Unerwünschte Effekte

Einige der geplanten Maßnahmen würden zudem den Verkehr nicht verhindern, sondern ihn lediglich von der Autobahn auf Landes- und Bundesstraßen verlagern. Ein Beispiel dafür ist die Lieferung von Mineralölerzeugnissen, die vor allem aus dem bayerischen Raum bzw. aus Wien-Schwechat kommen. Durch die geplante Änderung des Sektoralen Fahrverbotes dürften solche Güter in Zukunft nicht mehr über die Inntalautobahn transportiert werden. Die Versorgung des Bezirkes Landeck müsste daher über den ohnehin schon hochbelasteten Fernpass erfolgen. „Wenn der Schwerverkehr statt auf der Autobahn durch die Dörfer rollt, ist niemandem geholfen. Solche unerwünschten Effekte müssen auf jeden Fall vermieden werden”, erklärt Gottfried Strobl.

Ähnliches gilt auch für Abfall – oder genauer gesagt Abfallholz. Ein namhafter Industriebetrieb im Tiroler Unterland fertigt aus Abfallholz Platten, die höchste Qualitätsstandards erreichen und in alle Welt geliefert werden. Dieser Betrieb würde durch das Sektorale Fahrverbot von seinen Lieferanten abgeschnitten werden – eine massive Nebenwirkung, die verhindert werden muss.

„Es gilt, das Augenmerk auf die Details zu legen und dafür zu sorgen, dass unsere leistungsfähigen Tiroler Unternehmen nicht zu den Leidtragenden der Verkehrsdiskussion werden”, gibt Strobl zu bedenken. Tirol braucht eine gut überlegte Gesamtlösung und darf nicht mit aus der Hüfte geschossenen Einzelmaßnahmen den eigenen Wirtschaftsstandort mit seinen Arbeitsplätzen schwächen.

Ö3-Verkehrsaward für wegweisendes Konzept
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