“Für dieses Handwerk braucht es viel Herz und Liebe”

Silvia Pfister hat mit Jahresbeginn das Traditionsgeschäft „Gläserkastl“ in der Innsbrucker Altstadt übernommen. Von Glasgravuren über Glasmalerei bis hin zur Glasbläserei bietet die 27-jährige Wattenerin alles, was das Glas- und Designerherz höherschlagen lässt.

Blicken wir in die Fensterauslagen am Domplatz 4, eröffnet sich uns ein Geheimtipp für Glasliebhaber aller Art – wir entdecken kreativ gravierte Gläser, mit Feingefühl geblasene Glaskugeln und bunt bemalte Vasen im Osterhasen-Motiv. Seit 43 Jahren gibt es das „Gläserkastl“ am Domplatz in Innsbruck, seit 1. Jänner neu ist die Geschäftsführung: Silvia Pfister hat mit dem neuen Jahr das Traditionsgeschäft von Alfred Ecker übernommen. Auf einer Verkaufsfläche von rund 40 Quadratmetern ist das „Gläserkastl“ zu einer Innsbrucker Institution geworden, welche vom Glasdesign, der Glasbläserei, dem Sandstrahlen bis hin zur Glasgravur und Glasmalerei keinen Wunsch offenlässt.

Die Erfüllung eines Traumes

Ihre Ausbildung und kreative Laufbahn begann Silvia Pfister mit dem Gestalten und Veredeln von Glasobjekten in der Glasfachschule Kramsach. Nach einem erfolgreichen Abschluss mit Matura im Aufbaulehrgang für „Kunsthandwerk & Objektdesign“ studierte sie noch ein Jahr Produktdesign an der Fachhochschule Joanneum in Graz. „Ich mag es, meine Ideen auf unterschiedliche Weise in der Glasbearbeitung umzusetzen. Im Studium fehlte mir das Handwerkliche und es zog mich wieder mehr in die Praxis“, so die Neubesitzerin des „Gläserkastl“. Nach einer sechsjährigen Zwischenstation als Einrichterin in einem großen Möbelhaus in Oberösterreich, zog es Pfister wieder zurück in die Heimat.

Durch reden kommen ja bekanntlich die Leute zusammen und so ergab es sich zufällig, dass Silvia und der damalige Noch-Besitzer des „Gläserkastl“ sich kennenlernten und von Anfang an gut verstanden. „Die Gelegenheit hier von einem Meister seines Fachs lernen zu dürfen und einen eigenen Handwerksbetrieb aufbauen zu können, ist für mich nun die Erfüllung eines lang gehegten Traums“, so Pfister strahlend.

Im August 2018 begannen der Altbesitzer und die Neubesitzerin des „Gläserkastl“ mit der Betriebsübergabe. Eine persönliche Eigenschaft, die Pfister hier sehr zu Gute kam wie sie selbst sagt, war die Geduld: „Die ganze Bürokratie und Papierflut hat mich viele Nerven gekostet. Mit gegenseitigem Verständnis und Motivation haben wir das aber sehr gut gemeistert und über die Bühne gebracht. Mein Vorgänger hat so viel Herz ins „Gläserkastl“ gesteckt, das will ich unbedingt erhalten.“ Einen Monat vor der Übergabe hat Pfister dem Vorbesitzer Ecker intensiv über die Schulter geschaut und mitgearbeitet.

Faszination Glas

Der 1. Jänner 2019 war ein großartiger Moment für die 27-Jährige: „Den Schlüsselbund in die Hand zu bekommen, war schon ein besonderer Augenblick. Ich bin froh diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich versuche, jeden Tag besser zu werden, der Beruf und das Material Glas haben mich immer schon fasziniert und ich fände es schade, wenn dieses alte Handwerk verloren ginge.“ Denn viele Glasfirmen gravieren nicht mehr selbst. Vereine lassen ihre Pokale und Gläser von Silvia Pfister verschönern, aber auch Privatpersonen. Bis zu 120 Gläser pro Tag können zu den Hochzeiten unter der Schleifmaschine bearbeitet werden. Auch das Bemalen von Glas ist ein eigenes Kunstwerk und braucht seine Zeit: „Ich bereite die Farbe mit der Spachtel vor, durchmische sie gut und bringe sie relativ flott mit dem Pinsel aufs Glas. Sonst trocknet die angemachte Farbe sofort wieder ein.“

Eine heiße Angelegenheit ist auch das Glasschmelzen, das in der Werkstatt, die ans „Gläserkastl“ anschließt, gemacht wird. Mit größter handwerklicher Kunstfertigkeit wird im Ofen bei 600 Grad nicht nur die Glasfarbe eingebrannt, sondern auch das Glas geformt und zu einem einzigartigen Werk weiterverarbeitet. „Das Glasschmelzen ist ein Jahrhundert altes Handwerk, das eine eigene Magie versprüht. Das Glashandwerk ist einfach ein eigenes Mysterium und unglaublich wandelbar“, so Pfister fasziniert.

Schritt für Schritt in die Zukunft

Vielseitig sind die Produkte, vielseitig sind die Kundenwünsche – so kann neben Glas auch mal nach Schmuck- oder Metallgravuren gefragt werden: „Das Ausgefallenste war hier, dass ein Kunde kürzlich einen Degen graviert haben wollte. Hatte ich vorher auch noch nie in der Hand“, so die Glas-Künstlerin schmunzelnd. Ihre Inspiration holt sie sich aus der Natur oder von Ideen, über die sie sich selber freuen würde.

Ihre Zukunft plant Silvia Pfister Schritt für Schritt. „Ich stehe noch ganz am Anfang und es wartet ein großes Abenteuer auf mich. Wenn eine neue Idee zeitlich in mein neues Konzept passt, setze ich es um. Ich und das „Gläserkastl“ werden noch viele schöne Zeiten miteinander verbringen, tolle Momente erleben und großartige Erinnerungen aufbauen – da will ich nichts überstürzen. Jeden Tag lege ich Herzblut in mein neues Unternehmen und ich werde mich bemühen, es ehrenvoll weiterzuführen.“

» Mehr über das Unternehmen: Gläserkastl

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