Dance your brain: Tanzen hält Geist und Körper fit

Tanzen kann viel mehr als allseits angenommen. Der Verein für gesundheitsfördernden Gesellschaftstanz hat es sich zum Ziel gesetzt, die positive Wirkung des Tanzens auf Geist und Körper bewusst zu machen und intensiver für die Gesundheitsprävention zu nutzen.

Die einen lieben ihn, die anderen mögen ihn weniger. Beim Gesellschaftstanz scheiden sich die Geister. Ist er für die einen Möglichkeit zum Feiern, zum sozialen Stelldichein oder sinnliche Ausdrucksform, so ist er für andere Sinnbild strenger Regeln, Normen und Konventionen. Entstanden an den europäischen Fürstenhöfen der Renaissance, wurde er viele Jahrhunderte streng nach höfischer Etikette getanzt. Erst mit dem Walzer befreite sich der Gesellschaftstanz Ende des 18. Jahrhunderts von allzu strikten Zwängen. Gesellschaftstänze wurden zu den Massenvergnügungen, die sie bis heute sind, und haben kaum an Beliebtheit eingebüßt, auch wenn das Tanzen für jüngere Menschen nicht mehr den Stellenwert hat, den es einst hatte.

Gesundheitsprävention mit Spaßfaktor

Dass Tanzen im Sinne sportlicher Betätigung zu körperlicher Fitness und damit zu Gesundheit und Wohlbefinden beiträgt, ist nicht neu. Weniger bekannt ist aber, in welchem Ausmaß und in welcher Komplexität Tanzbewegungen auf Körper, Geist und Seele wirken. Beim Pressegespräch am Montag stellten Mediziner, Psychologen und Tanzprofis die Initiative „Tanzen hält gesund!“ vor, die der Verein für gesundheitsfördernden Gesellschaftstanz rund um Ferenc Polai, Inhaber der gleichnamigen Innsbrucker Tanzschule, ins Leben gerufen hat. Es gehe vor allem darum, der Bevölkerung die gesundheitlichen Effekte des Tanzens bewusst zu machen, so Polai. Prävention funktioniere nur, wenn es ein Bewusstsein dafür gebe. Tanzen sei als Möglichkeit zur Vorbeugung von Krankheiten sehr “volksnah“, eine Präventionsmöglichkeit mit Spaßfaktor sozusagen, sind sich die Projektbetreiber einig. Deshalb liege es nahe, den Gesellschaftstanz zur Gesundheitsförderung einzusetzen. LR Bernhard Tilg begrüßt die Initiative. Es freut ihn, dass renommierte Tiroler Wissenschaftler das Projekt mit ihrer Expertise begleiten.

Tanzen ist Multi-Tasking

Dass sich Tanzen vor allem auf neurologische Hirnstrukturen sehr positiv auswirke, sei durch Studien mehrfach bewiesen, so Neurologe und Universitätsprofessor Thomas Berger. Koordinierte Schrittabfolgen zu erlernen, diese im Rhythmus der Musik in Sekundenschnelle umzusetzen und zugleich auf das Verhalten des Tanzpartners zu reagieren, sei eine enorme kognitive Leistung, erörtert der Mediziner. „Die Komplexität eines Tanzes ist einzigartig. Der Tänzer wird zu einem echten Multi-Tasker, weil er vieles zugleich tun muss. Er muss ein theoretisches Modell des Tanzes im Gehirn aufbauen und dann umsetzen.“ Durch diese Leistungen trainiere ein Tänzer seine kognitive Fitness – eine der Grundsäulen unserer Gesundheit. Gerade in Zeiten, in denen die Bevölkerung immer älter werde, sei dies eine wichtige präventive Arbeit, um neurologischen Erkrankungen wie der Demenz vorzubeugen.

Tanzen bewegt

Auch Sportmediziner Wolfgang Schobersberger unterstreicht den enormen Nutzen des Tanzens für den Körper: „Tanzen ist in jedem Alter gesundheitsfördernd.“ Durch die Tanzbewegungen würden der gesamte Stützapparat sowie das Herz-Kreislauf-System gestärkt. Regelmäßiges Tanzen führe zu Verminderung der Körperfette und Verbesserung der Knochenmineralisierung. So könne das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt werden. Tänzer seien kräftiger, ausdauernder und auch weniger sturzgefährdet, da sie beim Tanzen ihr Gleichgewicht und ihre körperliche Flexibilität optimieren.

Psychisches Wohlbefinden ertanzen

Die körperliche Bewegung, die Musik, der soziale Austausch mit Tanzpartnern und der Gruppe, das beschwingte Gemeinschaftsgefühl – als Therapieform wird der Tanz schon lange bei psychischen Erkrankungen eingesetzt. Tanzen stabilisiere und beeinflusse die psychische Gesundheit positiv, so Sportpsychologin Mirjam Wolf. Durch Tanzen werde Stress ab- und eine bessere Körperwahrnehmung aufgebaut. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen steigen, Bewältigungsstrategien könnten entwickelt und psychische Krisen leichter abgefangen werden.
Selbst zwischenmenschliches Konfliktpotential zwischen Partnern könne beim Tanzen auf konstruktive Weise abgebaut werden, erklärt Tanzschulenbesitzer Polai schmunzelnd.

Der Verein für gesundheitsfördernden Gesellschaftstanz plant neben geförderten Tanzkursen und Veranstaltungen zum Thema auch eine einschlägige, zertifizierte Ausbildung von Tanzlehrern und Tanzschulen. Polai hofft, dass sich auch Großbetriebe an der Initiative beteiligen und beispielsweise Tanzstunden für die Mitarbeiter anbieten: „Die Welt beneidet Österreich um seine Ball- und Tanzkultur. Nun hat Österreich die Chance, auch bei der Gesundheitsförderung durch Gesellschaftstanz eine Vorreiterrolle einzunehmen.“

 

Ferenc Polai bei der Vorstellung der Initiative "Tanzen hält gesund!" (c) WK Tirol

Ferenc Polai bei der Vorstellung der Initiative “Tanzen hält gesund!”
(c) WK Tirol

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