Skigebietsverbindung Kühtai – Hochoetz: Details vor Ausarbeitung

Die geplante Verbindung der beiden Skigebiete Kühtai und Hochoetz wird kontrovers diskutiert. Einmal mehr stehen ökonomische Argumente ökologischen gegenüber. Die Bergbahn-Betreiber der beiden Orte wollen behutsam vorgehen und haben das Projekt mehrfach prüfen lassen.

Seit zehn Jahren gibt es bereits einen Kartenverbund zwischen den beiden Skigebieten Hochoetz und Kühtai, auch eine Verbindung mittels Liftanlagen steht als Idee der Bergbahnbetreiber schon seit einigen Jahren im Raum. Aus mehreren anfänglichen Varianten kristallisierte sich ein Vorprojekt heraus, das 2017 für ein erstes freiwilliges Gutachten beim Land Tirol eingebracht wurde. Nach einem positiven Bescheid und Gesprächen mit Grundbesitzern und Gemeinden wurde nun ein Umweltverträglichkeitskonzept erstellt, welches derzeit neuerlich ein freiwilliges gutachterliches Verfahren durchläuft.

Sorgfältige Prüfungen sind unumgänglich

Erst nach Stellungnahme der Gutachter wird ein konkretes Detailprojekt für die Umweltverträglichkeitserklärung nach UVP-Gesetz ausgearbeitet werden. Da dieses erst zwei Jahre später eingereicht werden kann, stehe die Umsetzung noch nicht unmittelbar bevor, betonen die Projektverantwortlichen. Sie stellten am Dienstag den aktuellen Projektstand der Öffentlichkeit vor und wollen damit Missverständnisse sowie kursierende Gerüchte aus dem Weg räumen und Behutsamkeit demonstrieren. „Wir wollen das Projekt auf Herz und Nieren prüfen“, so der einhellige Tenor aller Beteiligten. Alle gutachterlichen Schritte, die bisher unternommen wurden, seien nicht verpflichtend gewesen, sondern auf freiwilliger Basis erfolgt. „Mit der Verbindung Kühtai – Hochoetz zerstören wir keine Felder und Böden, sondern arbeiten an einem sinnvollen Projekt“, so Hansjörg Falkner, Bürgermeister von Oetz und Aufsichtsratsvorsitzender der Bergbahnen Hochoetz.

3 Seilbahnen, Aussparung der Feldringer Böden & keine Sommernutzung

Konkret sieht die aktuelle Projektstudie für den Zusammenschluss der beiden Skigebiete Kühtai und Hochoetz drei Aufstiegsanlagen vor: die Seilbahn Marlstein ab Ochsengarten/Hochoetz, die Seilbahn Grieskogel ab Kühtai und die Seilbahn Schafjoch (siehe Abbildung). Das Naturjuwel der Feldringer Böden würde bei dieser Variante gänzlich unberührt bleiben. Auch eine Nutzung durch Skifahrer abseits der gesicherten Pisten sei hier nicht möglich, da dies die Topographie des Geländes nicht zulassen würde, so die Bergbahn-Betreiber. Der Pirchkogel würde laut aktuellem Plan südseitig umfahren werden, eine Talabfahrt nach Ochsengarten ist dabei nicht vorgesehen.

Der Knotenpunkt der Gesamtanlage befindet sich im Gebiet des Schafjochs. Hier ist auch die Errichtung eines Restaurants geplant. Dabei würde es sich ausschließlich um einen Speisebetrieb handeln, den Betrieb von Diskotheken oder Bars schließen die Bergbahn-Betreiber dezidiert aus. Es komme so zu keinen Lärmbelästigungen auf dem Berg. Im Projekt werde auf Bedürfnisse der Anrainer Rücksicht genommen. Dass im Sommer die Liftanlagen nicht genutzt werden, sei auf Wunsch der Grundeigentümer im Projekt berücksichtigt worden. In den Sommermonaten stehe das Gebiet ausschließlich der Almwirtschaft zur Verfügung.

Das Skigebiet Kühtai umfasst momentan eine Fläche von rund 116 Hektar, Hochoetz knapp 60 Hektar. Mit den geplanten Lift- und Pistenanlagen würde eine zusätzliche Fläche von insgesamt 38 Hektar zum Skigebiet umfunktioniert werden.

Abb.: In der aktuellen Projektstudie ist der Zusammenschluss der Skigebiete Kühtai und Hochoetz durch drei Anlagen verbunden.

In der aktuellen Projektstudie ist der Zusammenschluss der Skigebiete Kühtai und Hochoetz durch drei Anlagen verbunden.

Tourismus im Kühtai notwendig wie das tägliche Brot

„Ein Drittel der Bevölkerung des Landes Tirol lebt direkt oder indirekt vom Tourismus“, so Philip Haslwanter, Geschäftsführer der Bergbahnen Kühtai. Da Skigebiete mit einem Anteil von 0,8 Prozent an der Gesamtfläche des Bezirks Imst seiner Meinung nach nur wenig Fläche beanspruchen, sieht er hier Handlungsspielraum und fordert: „Wir brauchen Gebiete für den Tourismus!“. Genauso sieht es auch Mario Gerber, Landtagsabgeordneter und selbst Hotelier im Kühtai: „Wir brauchen den Tourismus im Kühtai wie das tägliche Brot“. Allerdings habe sich der Qualitätsfamilientourismus bewährt, deshalb plane man keinen Massentourismus: „Wir wollen eine qualitative Erweiterung und kein ,Immer-mehr‘.“ Mit dem Zusammenschluss der beiden Skigebiete Kühtai und Hochoetz könne man einen behutsamen Impuls für die Wirtschaft setzen und Zukunftsperspektiven schaffen, von denen nächste Generationen noch profitieren könnten. Diese Absicherung sei für einen Tourismusort wie Kühtai von großer Wichtigkeit.

Kühtai selbst steht jedenfalls voll hinter dem geplanten Projekt. Zuletzt hatten sich alle Kühtaier Wirtschaftstreibenden in einer gemeinsamen Erklärung einstimmig dafür ausgesprochen.

Präsentierten den aktuellen Projektstand (v.l.) Hansjörg Falkner (BM Oetz und Aufsichtsratsvorsitzender Bergbahnen Hochoetz) Mario Gerber (Landtagsabgeordneter und Unternehmer im Kühtai) und Philip Haslwanter

Präsentierten den aktuellen Projektstand (v.l.): Hansjörg Falkner (BM Oetz und Aufsichtsratsvorsitzender Bergbahnen Hochoetz), Mario Gerber (Landtagsabgeordneter und Unternehmer im Kühtai) und Philip Haslwanter. Bild: Bergbahnen Kühtai/Bergbahnen Hochoetz.

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