Lösungsforderungen beim Neujahrsempfang in Lienz

Beim Neujahrsempfang in Lienz fordert WK-Präsident Christoph Walser mehr Sachlichkeit. Für Bezirksobmann Michael Aichner sind 2019 Themen wie die voranschreitende Digitalisierung und der anhaltende Fachkräftemangel vorrangig.

In der öffentlichen Debatte werden zentrale Herausforderungen für Tirol häufig nur sehr kurzsichtig betrachtet. Die Folge: Einseitige Blickwinkel und fehlende Perspektive führen zu falschen Schlüssen. Präsident Christoph Walser ist es ein Anliegen, gemeinsam mit allen Beteiligten, Themen gerade zu rücken, die in der öffentlichen Debatte unsachlich diskutiert werden und daher eine Schieflage haben. „Vom Verkehr über den Tourismus bis hin zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie − nur wer die ganze Realität überblickt, schafft ehrliche Lösungen, die für alle gut sind“, erklärt Walser.

Gerade beim heiß diskutierten Thema Verkehr fehlt Walser die gebotene Sachlichkeit. Es ist praktisch, auf den Lkw-Verkehr zu schimpfen. Dabei wird häufig ausgeblendet, dass ein großer Teil der Transporte der Versorgung der Tirolerinnen und Tiroler dient. Und dass es auch andere Verursacher gibt − wie Pkw-Verkehr oder Hausbrand. „Wenn die Politik wirklich die Luftqualität verbessern will, dann muss sie ehrlich diskutieren und alle Verursacher im Auge haben“, fordert der Präsident.

Auch die aktuelle Tourismusdebatte im Land hat eine negative Schlagseite. Tirol und Tourismus − das ist eine Erfolgsgeschichte. Nur ein florierender Tourismus hält Tirol bis in die kleinsten Seitentäler lebendig und bringt Arbeit und Wohlstand vor Ort. „Daher gilt es, statt bloß dagegen zu sein, die goldene Mitte zu finden. Dafür braucht es das Zutun beider Seiten − auch der Touristiker selbst. Denn: Kein Tourismus ohne Tourismusgesinnung“, erklärt Walser.

„Diese Ehrlichkeit und Offenheit brauchen wir auch bei den anderen großen Zukunftsthemen im Land“, wünscht sich Walser für 2019, „gute Lösungen lassen sich nicht mit Populismus und Patentrezepten erzielen, sondern brauchen den Mut, der ganzen Wahrheit ins Auge zu blicken.“

Digitalisierung schreitet voran

Das abgelaufene Jahr hat der Osttiroler Wirtschaft erneut einen starken Aufwind beschert. Seit 2017 liegt im Bezirk Lienz die Erwerbsquote sowohl bei Männern als auch bei Frauen höher als im österreichischen Durchschnitt. „Die Arbeitslosigkeit – eines unserer gravierendsten Problemfelder in der Vergangenheit – ist in den letzten drei Jahren Monat für Monat permanent gesunken. Wir können derzeit sogar davon ausgehen, dass die durchschnittliche Arbeitslosenquote auf einen historischen Tiefststand, vermutlich unter 7,5 Prozent, absinkt“, zeigt Bezirksobmann Michael Aichner auf. Da eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze geschaffen wurde, konnte im Juli 2018 mit 20.824 unselbstständig Beschäftigten der höchste jemals erzielte Beschäftigtenstand erreicht werden. Im abgelaufenen Jahr gab es eine Reihe von Betriebserweiterungen, verteilt über den ganzen Bezirk, und auch darüber hinaus eine rege Bautätigkeit, die viele Handwerksbetriebe an ihre Kapazitätsgrenzen brachte. „Unsere Ausgangsposition für 2019 und auch für die nächsten Jahre ist gut, selbst wenn die Konjunktur tatsächlich abschwächen sollte. Es ist aber unumgänglich, dass wir uns den globalen und regionalen Herausforderungen gleichermaßen stellen. Denken wir etwa an die Digitalisierung, die zu enormen Veränderungen, ja sogar Umbrüchen in Wirtschaft und Gesellschaft führen wird“, macht Aichner deutlich.

Das Land Tirol hat diesem Umstand mit dem neuen Digitalisierungs-Förderprogramm Rechnung getragen, welches vor allem Klein- und Mittelbetrieben hilft, zukunftsfit zu werden. Vorbildlich unterwegs ist Osttirol außerdem im Bereich ultraschnelles Internet, wobei der Lienzer Talboden mit dem 15 Gemeinden umfassenden Regionet besonders weit fortgeschritten ist und auch der notwendige Lückenschluss im Pustertal und Iseltal vorbereitet wird. Weitere wichtige Digitalisierungs-Projekte werden von der Innos begleitet, so etwa der Verein Industrie 4.0 Osttirol, der künftig ein sehr breit gefächertes Aktionsprogramm abarbeiten wird. Ganz aktuell wurde heute der erste Co-Working-Raum „Inkubator S3“ auf dem ehemaligen Glöckelturm-Gelände eröffnet. „Mit diesen Initiativen und den attraktiven Fördermodellen sollte es gelingen, ganz vorne dabei zu sein, wenn es gilt, die Chancen der Digitalisierung für unsere periphere Region zu nutzen. Das Projekt Inkubator S3 ist auch deshalb besonders interessant, weil es auch bei uns eine Startup-Szene anstoßen soll, wie dies an anderen Universitätsstandorten bereits gelungen ist“, so der Bezirksobmann.

Initiativen gegen den Facharbeitermangel

„Ein weiteres Thema, dem wir uns proaktiv stellen, ist der Facharbeitermangel, der unseren Bezirk – wenn auch mit einer gewissen Zeitverzögerung – erreicht hat“, ist sich Bezirksobmann Michael Aichner bewusst. Ein Ansatzpunkt ist das Zurückgewinnen von Auspendlern für den regionalen Arbeitsmarkt. Daher wird erstmals von der Innos eine Auspendlermesse organisiert, welche die attraktiven Arbeitsmöglichkeiten in Osttirol aufzeigt. Denn die Meinung, als Osttiroler könne man mit einer guten Ausbildung nur außerhalb des Bezirks erfolgreich sein, hält sich immer noch hartnäckig. Parallel dazu wird erstmals eine Werkverkehrsstudie durchleuchten, wie Verbesserungen für die Menschen, die aus ihren Wohnorten zu den Arbeitsplätzen im Bezirk pendeln müssen, erzielt und Mobilitätseinschränkungen abgebaut werden können. „Es geht auch nicht nur darum, den Individualverkehr einzudämmen, sondern durch verbesserte Verkehrsangebote der Abwanderung aus den Ortschaften außerhalb des ,Speckgürtels‘ entgegenzuwirken“, erklärt Aichner.

Regionale Themen

In vielen Bereichen ist Osttirol auf einem sehr guten Weg, zur „alpinen Modellregion“ zu werden, wie es bereits der Kulturgeograf und Alpenforscher Professor Bätzing postulierte. „Dies haben wir in erster Linie allen Unternehmerinnen und Unternehmern sowie deren leistungsfähigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verdanken, aber natürlich auch den Entscheidungsträgern, die für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgen“, betont Bezirksobmann Aichner. Es zeigte sich aber auch, dass die wirtschafts-, bevölkerungs- und institutionenübergreifende Zusammenarbeit, die mit dem Prozess „Vordenken für Osttirol“ begonnen und mittlerweile institutionalisiert wurde, ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor ist. „Letztlich sind es die von gegenseitigem Respekt, Wertschätzung und Vertrauen getragenen persönlichen Beziehungen, die für das Gelingen unseres gemeinsamen Ziels, Osttirol stark und lebenswert zu erhalten, ausschlaggebend sind“, so Aichner.

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