Kufstein lud zum traditionellen Neujahrsempfang

Beim Neujahrsempfang in Kufstein fordert WK-Präsident Christoph Walser mehr Sachlichkeit. Für Bezirksobmann Martin Hirner steht im kommenden Jahr die anhaltende Verkehrsproblematik und der Fachkräftemangel im Fokus.

In der öffentlichen Debatte werden zentrale Herausforderungen für Tirol häufig nur sehr kurzsichtig betrachtet. Die Folge: Einseitige Blickwinkel und fehlende Perspektive führen zu falschen Schlüssen. Präsident Christoph Walser ist es ein Anliegen, gemeinsam mit allen Beteiligten, Themen gerade zu rücken, die in der öffentlichen Debatte unsachlich diskutiert werden und daher eine Schieflage haben. „Vom Verkehr über den Tourismus bis hin zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie – nur wer die ganze Realität überblickt, schafft ehrliche Lösungen, die für alle gut sind“, erklärt Walser.

Gerade beim heiß diskutierten Thema Verkehr fehlt Walser die gebotene Sachlichkeit. Es ist praktisch, auf den Lkw-Verkehr zu schimpfen. Dabei wird häufig ausgeblendet, dass ein großer Teil der Transporte der Versorgung der Tirolerinnen und Tiroler dient. Und dass es auch andere Verursacher gibt – wie Pkw-Verkehr oder Hausbrand. „Wenn die Politik wirklich die Luftqualität verbessern will, dann muss sie ehrlich diskutieren und alle Verursacher im Auge haben“, fordert der Präsident.

Auch die aktuelle Tourismusdebatte im Land hat eine negative Schlagseite. Tirol und Tourismus – das ist eine Erfolgsgeschichte. Nur ein florierender Tourismus hält Tirol bis in die kleinsten Seitentäler lebendig und bringt Arbeit und Wohlstand vor Ort. „Daher gilt es, statt bloß dagegen zu sein, die goldene Mitte zu finden. Dafür braucht es das Zutun beider Seiten – auch der Touristiker selbst. Denn: Kein Tourismus ohne Tourismusgesinnung“, erklärt Walser.

„Diese Ehrlichkeit und Offenheit brauchen wir auch bei den anderen großen Zukunftsthemen im Land“, wünscht sich Walser für 2019, „gute Lösungen lassen sich nicht mit Populismus und Patentrezepten erzielen, sondern brauchen den Mut, der ganzen Wahrheit ins Auge zu blicken.“

Verkehrsproblematik im Bezirk

Die anhaltenden Grenzkontrollen sowie die Autobahnmaut führen dazu, dass der Verkehr durch das Ortsgebiet von Kufstein laufend zunimmt. Mittlerweile wirkt sich die Situation sowohl belastend auf die Bewohner als auch auf die heimische Wirtschaft aus. Bezirksobmann Martin Hirner ist daher überzeugt: „Wir brauchen endlich ein durchdachtes Konzept zum Wohle der Bevölkerung und aller Wirtschaftstreibenden sowie zur allgemeinen Entlastung des Verkehrsnetzes durchs Ortsgebiet. Denn es stehen längst nicht nur rein wirtschaftliche Interessen wie die Sicherung der Nahversorgung im Mittelpunkt, sondern auch die Gesundheit der Bevölkerung ist ein wesentlicher Punkt. Die medizinische Versorgung wird durch kilometerlange Staus grundlegend gefährdet.“ Letztendlich braucht es eine Lösung, durch die möglichst viele Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn gehalten werden.

Den Bezirk beschäftigen allerdings noch weitere verkehrstechnische Angelegenheiten. Erst vor Kurzem wurden die Pläne der neuen Unterinntalbahn präsentiert. Bei diesem Jahrhundertprojekt sieht sich die WK-Bezirksstelle in der Verantwortung für das Wohl zukünftiger Generationen. „Wir sprechen uns dezidiert für eine unterirdische Lösung aus, auch wenn derzeit eine offene Bahntrasse angedacht ist. Durch den Austausch veralteter lärmintensiver Güterwagons und die Modernisierung der Infrastruktur − beispielsweise eine Brücke in Langkampfen − könnte man außerdem in der Zwischenzeit kurzfristige Verbesserungen erreichen“, appelliert der Bezirksobmann. Zahlreiche Ansiedelungen und stetiges Wachstum der Betriebe führen in Langkampfen und den angrenzenden Gemeinden ebenfalls zu Verkehrsproblemen. „Das positive Wachstum des Industriegebietes Langkampfen spricht für den wirtschaftlichen Standort und die Entwicklung der heimischen Wirtschaft. Doch mit dem steigenden Ziel- und Quellverkehr gehen auch negative Auswirkungen für die Bevölkerung einher, daher wird bereits mit den anliegenden Gemeinden und dem Baubezirksamt Kufstein an einer Lösung gearbeitet. „Eine Anbindung des Industriegebietes Langkampfen an die Autobahn-Anschlussstelle Kufstein-Süd wäre aus unserer Sicht die beste Variante. Das Baubezirksamt Kufstein hat diesbezüglich eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die demnächst fertiggestellt wird“, so Hirner.

Unterland als Standort für Innovation

Im Jahr 2017 wurde die Innovationsplattform Kufstein − i.ku ins Leben gerufen und hat sich von Beginn an zum Ziel gesetzt, das Tiroler Unterland durch regionale Vernetzung und gemeinsames Handeln zukunftsfit zu machen. „Mittlerweile sind eineinhalb Jahre vergangen und in Zusammenarbeit mit unseren Partnern der Plattform haben wir schon sehr viel erreicht. Zwei von der Landesregierung geförderte Leuchtturmprojekte wurden ins Unterland geholt“, berichtet Bezirksobmann Martin Hirner von einem in Österreich einzigartigem digitalen Bildungsprojekt − das im Frühjahr vorgestellt wird − und einem neuen Projekt für autonome Mobilität. Die Möglichkeit, dass bald Busse durch Kufstein rollen, die ohne Fahrer auskommen, rückt durch solche Bestrebungen in greifbare Nähe. „Wir haben großartige Betriebe im Tiroler Unterland und sind stolz darauf, dass aktuell zwei von drei Innovationspreisträgern aus Kufstein kommen und auch der Tiroler Jungunternehmerpreis in der Kategorie „Neue Ideen, neue Produkte“ an ein Unternehmen aus dem Bezirk ging“, zeigt sich Hirner äußert erfreut. Trotzdem gibt es in den kommenden Jahren noch viel zu tun. Kufstein soll als stark vernetzte Bildungs- und Wirtschaftsregion wahrgenommen und neben Innsbruck, Salzburg und Dornbirn zu einem Standort für digitale Innovation werden. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren.

Fachkräftemangel – Neue Wege

Eine jahrelange Forderung der Wirtschaft wurde endlich umgesetzt: Die Meisterprüfung ist im „Nationalen Qualifikationsrahmen“ (NQR) künftig der Stufe 6 zugeordnet und steht damit auf demselben formalen Niveau wie der „Bachelor“. Diese Aufwertung der Meisterqualifikation schafft die Möglichkeit, dass mit einer berufspraktischen Ausbildung ebenso die höchste Bildungsstufe erreicht werden kann. Damit wird das Image der dualen Lehrausbildung angehoben und endlich auf Augenhöhe mit der Schulausbildung gebracht. Die Schaffung von mehr Transparenz und Verständlichkeit von Qualifikationen ist aber nicht nur auf nationaler Ebene wichtig – sie ist vor allem für eine bessere Vergleichbarkeit auf europäischer Ebene von großer Bedeutung. „Die duale Ausbildung in Österreich ist ein Erfolgsmodell, um das wir von vielen Ländern beneidet werden und wir tun alles, um den jungen Leuten eine Lehre schmackhaft zu machen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass man Karriere mit Lehre machen kann“, so der Obmann.

Die WK Bezirksstelle setzt bereits seit Längerem gezielte Maßnahmen − beispielsweise das Berufsfestival, welches Anfang Februar erneut in den Kufstein Galerien und im Inntalcenter stattfindet, um das Image der Lehre aufzuwerten. „Auch mit dem WIFI Kufstein möchten wir in diesem Bereich verstärkt kooperieren und die erfolgreiche gemeinsame Arbeit weiterführen. Nächstes Jahr werden zusätzliche Berufsausbildungsmöglichkeiten angeboten: die Elektrotechniklehre im zweiten Bildungsweg, Quereinsteigerkurse für Spediteure sowie Kurse zur Attraktivierung der IT-Lehrberufe und vieles mehr. Wir wollen das WIFI Kufstein als starke Säule am Bildungsstandort positionieren und auch Synergien mit anderen Bildungseinrichtungen wie der FH Kufstein nutzen. Außerdem lade ich natürlich auch die Sozialpartner im Bezirk ein, bei diesem Thema mitzuarbeiten“, ruft der Bezirksobmann dazu auf, dem Fachkräftemangel gemeinsam den Kampf anzusagen.

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!