Wirtschaft startet Offensive zu trialer Berufsbildung

WKÖ-Mahrer: „Die Fachkräfte von morgen werden heute ausgebildet. Wir müssen jetzt in die Offensive gehen und die Bildung neu ausrichten.“

„Zukunft bilden” ist die Antwort auf die Herausforderungen, vor denen unsere Betriebe Tag für Tag stehen. Innovationskraft, Fachkräftesicherung, Digitalisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Kundennähe – all das ist eine Frage der richtigen Aus- und Weiterbildung. Und genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, den Startschuss zu geben und die Berufsbildung in Österreich neu aufzusetzen. Aus der Wirtschaft für alle, die an Wirtschaft beteiligt sind“, betonte heute, Dienstag, WKÖ-Präsident Harald Mahrer in der Auftaktpressekonferenz zur Bildungsoffensive der Wirtschaft „Wir bilden Zukunft“. Damit verbinde die Wirtschaft auch einen klaren Auftrag an sich selber: „Wir haben es als Wirtschaftskammer-Organisation und als größter privater Bildungsanbieter in Österreich selbst in der Hand, der Berufsbildung eine neue Dimension zu geben und tun dies in Form eines umfassenden Reform- und Innovationsprozesses. Wir gestalten die Lehre neu und erweitern sie um digitale Kompetenzen zu einer trialen Ausbildung, wir schaffen einen Campus der Wirtschaft als generationenübergreifenden Workspace für alle, wir entwickeln virtuelle Lernplattformen und bieten mit 1000 Bildungspfaden lebenslange Karriereperspektiven“, so Mahrer.

Meilensteine in der heimischen Bildungslandschaft setzen

„Um heute die Fachkräfte von morgen auszubilden, benötigen wir eine klare Strategie. Wir wollen Meilensteine in der heimischen Bildungslandschaft setzen und dafür investieren wir in die Zukunft dieses Standortes und damit in die Zukunft unserer Jugend. Wir haben die Hebel in der Hand, die Berufsbildung am Standort Österreich neu auszurichten“, unterstrich Mahrer. Bereits jetzt wenden die Wirtschaftskammern Österreichs pro Jahr rund 380 Millionen Euro für Bildungsmaßnahmen auf. Mit der neuen Bildungsoffensive werden es ab 2030 – also in rund 10 Jahren – rund 500 Millionen Euro sein. Zusätzlich werden für Einzelmaßnahmen wie etwa dem Aufbau des Campus der Wirtschaft rund 100 Millionen Euro investiert. Ein weiteres Ziel ist es, die Zahl von derzeit 900.000 Teilnehmern an Bildungsaktivitäten der Wirtschaftskammern bis 2025 auf 1,2 Millionen zu steigern.

Dauernde Weiter- und Höherqualifizierung wird Alltag

In fünf bildungspolitischen Handlungsfeldern wurden in den vergangenen Wochen und Monaten in einem Konsultationsprozess in der WKO mit Landeskammer und Sparten gemeinsam wesentliche Leitlinien zur Ausrichtung der Bildungsoffensive erarbeitet. Bereits jetzt leiden 75 Prozent der heimischen Unternehmen unter starkem Fachkräftemangel. Durch die Veränderungen der Digitalisierung bis 2030 wird sowohl bis zu 30 Prozent an bisher geleisteter Arbeit wegfallen, es werden aber auch bis zu 33 Prozent an neuen Jobprofilen entstehen. „Wer heute als BekleidungsverkäuferIn tätig ist, wird den Kunden künftig digital beraten und Schnittmuster maßgeschneidert und online in Auftrag geben können. Wer heute MalerIn ist, wird künftig Malroboter bedienen und 3D-Aufmaße erstellen. Die Berufswelt ist einem drastischen Wandel unterworfen, die dauernde Weiter- und Höherqualifizierung wird für jeden von uns Alltag. Deshalb müssen wir im Bildungssystem umfassend aber auch umsichtig Maßnahmen setzen, damit Bildung und Digitalisierung unsere Standortvorteile im internationalen Wettbewerb sind“, unterstrich der WKÖ-Präsident.

Mehr Wirtschaftskompetenzen ins Schulsystem bringen

Mit den Maßnahmen der Bildungsoffensive zielt die Wirtschaft auf unterschiedliche Handlungsfelder. Diese sind etwa das Etablieren virtueller Lernplattformen mit virtuellen Betriebsbesichtigungen für Jugendliche und der Online-Berufsinformation BIC.at auch für Erwachsene. Es sind aber auch digitale Lernwelten für Lehrlinge, Online-Tools zur Planung und Dokumentation der Lehrlingsausbildung und eine digitale Aus- und Weiterbildungsplattform für Ausbilder als Bausteine der trialen Berufsbildung. Die „Lehre neu“ für Erwachsene, Campusse der Wirtschaft als rund um die Uhr erreichbare Orte der Aus- und Weiterbildung sowie einer Stärkung der MINT-Kompetenzen in der Schule und einer Neudotierung der Innovationsstiftung für Bildung. „Wir als Wirtschaft haben in einer ausgezeichneten Form der Zusammenarbeit eine starke Basis für die Bildung der Zukunft gelegt und ich bedanke mich bei allen, die diese Bildungsoffensive möglich gemacht haben. Nun geht es darum, auch im politischen Prozess, die Forderungen der Wirtschaft an eine Bildung der Zukunft zu verankern und diese als Partner zu gewinnen“, betonte Mahrer. Neben einer Sicherung der Grundkompetenzen am Ende der Pflichtschule zielt die Wirtschaft auch auf eine stärkere Ausbildung von IT-Fachkräften für die Unternehmen und auf verstärkte Kooperationen mit dem Bildungsministerium um mehr Wirtschaftskompetenzen ins Schulsystem zu bringen.

„Mit der Bildungsoffensive ermöglichen wir allen Beteiligten, Bildung am Puls der Wirtschaft zu erleben und pushen unsere Berufsbildung zur Weltklasse. ´Wir bilden Zukunft´ ist mein Credo für die Menschen, für die Wirtschaft und den Standort. Es ist unser Beitrag, den heimischen Bildungsstandort bunter zu gestalten und es ist unser Beitrag, den wir für die Jugend und die Zukunft in Österreich leisten und damit ist die Bildungsoffensive unsere Antwort an die Zukunft“, so Mahrer abschließend.

Nähere Informationen: https://www.wirbildenzukunft.at

 

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