Nordische Ski-WM: Turbo für Seefeld

Von 19. Februar bis 3. März 2019 ist Seefeld der globale Hotspot für die nordischen Könner und ihre Fans. Die Nordische Ski-WM wird das Highlight im konsequenten Erwachen der Olympiaregion aus dem Dornröschenschlaf. „Es hat sich brutal viel Positives getan“, weiß Bürgermeister Werner Frießer.

REPORTAGE

Das Prickeln ist spürbar und auch ein wenig ansteckend. Wer dieser Tage mit Menschen des Seefelder Plateaus spricht, beschleunigt den Redefluss und passt sich automatisch dem Stakkato des Gegenübers an. Vor dem Saisonstart, der in der Olympiaregion Seefeld rund um den 20. Dezember „passiert“, ist so gut wie alles eine Frage der Zeit.

„Ich bin mitten in der Bauphase meines Hauses“, erklärte Martin Schwenninger, Gemeinderat und Hotelier in Seefeld, am Nikolaustag – warum. Atemlos und doch freudig erregt blickte der Hotelier nicht nur der Fertigstellung der Bauarbeiten in und an seinem Haus entgegen, sondern auch einer dynamisch rosigen Zukunft: „Wenn Sie sich Seefeld anschauen, wie der Ort heute dasteht – das ist ein Wahnsinn. In den letzten zehn Jahren haben wir einen großen Schwung gemacht und seit der Vergabe für die Nordische Ski-WM geht es richtig ab. Die Buchungslage ist sensationell.“ Knapper und treffsicherer können die wichtigsten, das Plateau bewegenden Fakten wohl kaum zusammengefasst werden.

Ski-WM ist touristischer Defibrillator

Auf die Zeiten, in denen Seefeld ein glamouröser Olymp der High Society war, in denen sich die Pelzmäntel gekrönter Häupter und Staatsmänner an den Garderoben stapelten, wenn Stars wie Udo Jürgens oder Josephine Baker auftraten, waren lange Jahre der touristischen Tristesse gefolgt. Die Zahl der Übernachtungen war sukzessive gesunken, der wirtschaftliche Leidensdruck verkehrt proportional dazu gestiegen und erst nach der Jahrtausendwende konnte das Ende des Dornröschenschlafes eingeleitet werden. 2004 wurde Werner Frießer zum Bürgermeister Seefelds gewählt und er personifiziert in gewisser Weise die neue Seefelder Generation, die daran ging, dem Ort selbst und bald dem ganzen Plateau den touristischen Defibrillator anzusetzen. „Wir versuchten, eine Strategie zu erarbeiten, um den Ort zu verjüngen. Der hatte so ein verstaubtes Image“, blickt Werner Frießer zurück.

Die olympischen Winterspiele der Jahre 1964 und 1976 waren ebenso verstaubte Geschichte wie die Nordische Ski-WM 1985, doch war das Ziel des großen  Entstaubens klar. Es galt, die nordische Kompetenz der Region auszubauen – durch eine Modernisierung der Sportstätten, der Loipen und mit hochkarätige Veranstaltungen. Frießer: „Irgendwann hat das Radl zum Schwingen angefangen, ein neues Image entstand und plötzlich hieß es, Seefeld sei der beste WM-Veranstalter in der Nordischen Kombination.“ Im Juni 2014 wurde das bestätigt. Beim FIS-Kongress in Barcelona erhielt Seefeld (auch Innsbruck ist mit Bewerben auf der Bergiselschanze dabei) den Zuschlag, die FIS Nordische Skiweltmeisterschaft 2019 auszutragen. Seither geht es Schlag auf Schlag.

Seefeld ist Hotspot der Nordischen

Mit der feierlichen Eröffnung des neuen Seefelder Bahnhofes erfolgte am 10. Dezember 2018 ein richtig großer Streich. An fahrgastfreundlichen, verkehrstechnischen sowie e-mobilen Finessen reich ist dieser Streich – und rund 23 Millionen Euro schwer. Im Rahmen der Eröffnung wies Landeshauptmann Günther Platter darauf hin, dass es ohne die Nordische Ski-WM wohl lange keinen Umbau des Bahnhofes gegeben hätte. Mit der WM aber konnte ein neuer Dreh- und Angelpunkt für Seefeld geschaffen werden, wo Gäste mit ICE-Zügen beispielsweise direkt aus Hamburg oder Dortmund anreisen und Einheimische sich über den verbesserten Takt der Züge und deren reibungslosere Eintaktung in die Busfahrpläne freuen können. „Der Bahnhof und die Fußgängerzonen-Erweiterung sind wunderschön geworden. Das sind alles neue Konzepte basierend auf denen sich brutal viel getan hat. Da ist richtig was weiter gegangen“, spricht Frießer nicht nur die Rundumerneuerung des Ortes sondern auch die Strahlkraft der weltmeisterlichen Dynamik an, die zu großen Investitionen – sowohl der „öffentlichen Hände“ als auch seitens der Hoteliers geführt hat.

Temporär beschränkt sind diese unternehmerischen Investitionen genauso wenig wie jene in die Sportanlagen. Nachhaltigkeit ist das Schlüsselwort, das über den nordischen Weltmeisterschaften schwebt und das – Nomen est omen – weit über die zwei Wettkampfwochen hinaus das touristische Wirtschaften am Plateau prägen soll. „Die Sportanlagen, das Leistungszentrum, die Beschneiung – all das gibt es auf der ganzen Welt noch nicht. Das ist einzigartig“, weiß Frießer.

Während der neue Seefelder Bahnhof am 10. Dezember eröffnet wurde, laufen die Vorbereitungen für die am 19. Feber startende Nordische Ski- WM planmäßig auf Hochtouren.

Während der neue Seefelder Bahnhof am 10. Dezember offiziell eröffnet wurde, laufen die Vorbereitungen für die am 19. Feber startende Nordische Ski-WM planmäßig auf Hochtouren.

Überdauernde Maßnahmen

28 Millionen Euro wurden für den Bau der Sportanlagen veranschlagt. Frießer rechnet damit, dass die geplanten Kosten um knapp vier Prozent sanft überschritten werden. Als der Landesrechnungshof im Sommer 2018 im Zusammenhang mit der Rad- und der Nordischen Ski-WM „realistische“ Budgets einmahnte und auch Seefeld kritisierte, hatten sich die Prüfer vor allem auf die Zahlen aus der Zeit der Bewerbung bzw. Vergabe bezogen. Zu dem Zeitpunkt lag  noch kein detailliertes Projekt vor und aus den damals noch eher temporär geplanten Maßnahmen wurden zum überwiegenden Teil solche, die die Zeit der WM überdauern.

Die in die Jahre gekommene WM-Halle etwa erfuhr einen angemessenen Relaunch, im Bereich des Sprungstadions wurde ein WM-Turm errichtet, der bereits als geheimes Wahrzeichen bezeichnet wird, das neue Technical Center wird als Lager und dann als Garage für Ratracs etc. dienen und nur die rund 300  Container, die für die WM angeliefert werden, werden nach der WM wieder verschwunden sein.

Viel Innovation

„Jeder verbaute Zentimeter wird so verbaut, dass man ihn danach zu 100 Prozent für die Gäste nutzen kann“, betont Rennleiter Martin Tauber. Der Seefelder Langlaufheld, der selbst sieben Jahre Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft war, ist beim TVB Olympiaregion Seefeld zuständig für alle nordischen Sachen – von den Loipen bis zum Schneemanagement – und er kümmert sich auch darum, dass die Athleten weltmeisterliche Bedingungen bekommen. Besonders stolz ist Tauber dabei auf die Innovationen, mit denen sich Seefeld von anderen Langlauf-Destinationen abhebt. „Wir haben auf den rund 15 Kilometern WM-Loipenlänge an 77 Punkten die Möglichkeit Schnee-Erzeuger aufzustellen. Das ist in dieser Dimension und Klasse – also dem modernen Stil, wie wir es gebaut haben – weltweit einzigartig. Am Langlaufsektor gibt es das noch nicht“, erklärt Tauber und ergänzt: „Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Noch ist nicht alles abgeschlossen, doch zur WM werden wir fertig sein.“ Wieder ist das Prickeln spürbar. Und auch ein wenig ansteckend.

Weitere Informationen
Alle Infos zur Nordischen Ski-WM 2019 unter www.seefeld2019.com

Wissenswertes rund um die Nordische Ski-WM 2019
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