Temperaturen der Bergwinter seit 50 Jahren unverändert

Untersuchung widmet sich außerdem der Frage, ob es wirklich immer später schneit und zeigt einen markanten Temperaturanstieg der Bergsommer seit Anfang der 1980er-Jahre auf.

Wie haben sich die Temperaturen und Schneemengen in den Tiroler Bergen seit Beginn der Datenerfassung entwickelt? Dieser Frage sind Skitourismusforscher und Schneehistoriker Günther Aigner, Meteorologe Christian Zenkl und der ehemalige Leiter des Hydrographischen Dienstes Tirol, Hofrat Wolfang Gattermayr, nachgegangen und haben dafür die Daten amtlicher Institutionen analysiert. Das Ergebnis: Über die vergangenen 50 Jahre sind die Wintertemperaturen in Tirols Bergen statistisch unverändert geblieben, auch ein späterer Beginn des Einschneiens gegenüber früheren Jahrzehnten lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten. Tirols Seilbahnvertreter Franz Hörl und Reinhard Klier bezeichnen die Analyse als „sachlichen und unaufgeregten Beitrag in einer emotionalen Diskussion“ und ziehen dabei zugleich Rückschlüsse für die eigene Arbeit.

Für Wolfgang Gattermayr ist die Analyse der vorhandenen Daten der „einzig seriöse Weg, um die Entwicklung sachlich zu bewerten“. Der Meteorologe und Hydrologe sowie langjährige Leiter des Hydrographischen Dienstes Tirol erklärt dazu: „In Tirol werden Schneedaten seit 1893 statistisch erfasst. Jede Aussage über die Zeit davor ist somit reine Spekulation.“ Auf diese wollten sich Skitourismusforscher und Schneehistoriker Günther Aigner sowie Meteorologe Christian Zenkl nicht einlassen und haben daher die vorhandenen Daten des Hydrographischen Dienstes Tirol (HD Tirol), der Österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Lawinenwarndienstes Salzburg und von MeteoSchweiz ausgewertet.

Die Ergebnisse im Detail: “Über die letzten 50 Jahre sind die Wintertemperaturen auf Tirols Bergen statistisch unverändert. Betrachtet man lediglich die letzten 30 Jahre, so sind die Winter in diesem Zeitraum sogar deutlich kälter geworden – um 1,3 Grad Celsius“, so Günther Aigner. Die längsten Schneemessreihen aus den Tiroler Wintersportorten zeigen über die vergangenen 100 Jahre insgesamt keine signifikanten Trends. Vielmehr bestätigt sich, dass die winterlichen Schneeverhältnisse primär vom Auftreten der entscheidenden Großwetterlagen abhängen und nur mäßig mit dem Temperaturniveau korrelieren. Im Mittel von zehn Tiroler Skigebieten konnte man innerhalb der letzten 25 Jahre an durchschnittlich 141 Tagen pro Saison Ski fahren. Der lineare Trend ist leicht ansteigend, die positive Entwicklung wird auch durch die technische Beschneiung gefördert.

"Über die letzten 50 Jahre sind die Wintertemperaturen auf Tirols Bergen statistisch unverändert", so Meteorologe Günther Aigner Foto:WKT

“Über die letzten 50 Jahre sind die Wintertemperaturen auf Tirols Bergen statistisch unverändert”, so Meteorologe Günther Aigner Foto:WKT

Festlegung des untersuchten Zeitraums von großer Bedeutung

Blickt man auf die vergangenen 30 Jahre, so sind die Winter auf den Bergen Tirols im Mittel von sieben amtlichen Bergwetterstationen deutlich kälter geworden. Im linearen Trend sank die Temperatur von minus 3,4 auf minus 4,7 Grad Celsius – das heißt um 1,3 Grad. Seit der Pionierzeit des alpinen Skisports Mitte der 1890er-Jahre sind die Wintertemperaturen auf den Bergen Tirols im linearen Trend um 1,4 Grad Celsius gestiegen. Bei Diskussionen über den Verlauf der Wintertemperaturen in Tirol ist also die Festlegung des Zeitraumes von großer Bedeutung.

Auch bei der Frage „Schneit es immer später?“ machten sich die Forscher auf die Suche nach Antworten. Dafür wurden aufgrund der verfügbaren Daten die drei Wintersportorte Waidring, Ladis und Lech am Arlberg ausgewertet. “Der Beginn der Winterdecke zeigt vor allem eine Gemeinsamkeit: Die jährliche Variabilität kann durchaus als extrem bezeichnet werden. Die Spannweite kann bis zu 91 Tagen betragen. Das heißt, dass der Beginn der Winterdecke um bis zu drei Monate variieren kann“, analysiert Aigner. Doch stimmt es nun, dass es zunehmend später einschneit? „Nein, die Daten zeigen keinen Trend zu veränderten Einschneizeitpunkten. Diese über die Jahrzehnte kaum erkennbaren Veränderungen werden von der sehr hohen Variabilität der Einzeljahre überlagert und sind deshalb ohne statistische Signifikanz“, so Aigner. Wissenschaftlich korrekt ist somit die Aussage, dass der Beginn der Winterdecke statistisch unverändert ist. Weder schneit es „früher“, noch „später“ ein als im langjährigen Mittel.

Voreilige Prognosen auf Basis von Klimamodellen sind unverantwortlich

Zenkl betont, dass für die nächsten Jahrzehnte – bis etwa zur Jahrhundertmitte – jede, meist auf nachweislich mangelhaften Klimamodellierungen basierende Absage an den Wintersport übereilt und unverantwortlich erscheint. „Relativ milde Winter sind also nicht pauschal mit Schneearmut zu verbinden“, widerlegt Zenkl ein weit verbreitetes Vorurteil. Betrachtet man die in dieser Studie ausgewerteten amtlichen Messdaten, so ist ein Ende des Skisports in Tirol auf Basis der derzeitigen Kenntnislage nicht ableitbar. Das aktuelle Klima in Tirol bringt noch immer überwiegend schneereiche und kalte Winter. Die Sommer sind so warm und sonnig wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen, bei weiterhin meist ausreichenden Regenmengen. “Für den Ganzjahrestourismus könnte man sich kaum ein besseres Klima vorstellen. Das aktuelle Klima in Tirol ist als sehr günstig zu betrachten“, so die beiden Forscher.

Dennoch wird festgehalten, dass die Bergsommer seit Anfang der 1980er-Jahre einen markanten Temperaturanstieg zeigen. Ein Teil dieser Erwärmung kann über die Häufung bestimmter Großwetterlagen erklärt werden, da auch die Sonnenscheindauer im selben Zeitraum um mehr als 20 Prozent zugenommen hat.

Rückschlüsse für die weitere Zukunft der Tiroler Seilbahnen

Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der österreichischen Seilbahnen, wünscht sich „ein Ende der unklaren Prophezeiungen“. „Umso wichtiger ist der sachliche Blick auf nachweisbare Informationen. Denn besonders bei diesem, mitunter sehr emotional diskutierten, Thema braucht es mehr Handfestes und weniger Kaffeesud“, so Hörl. Klar sei, dass die Branche mit ihrem eigenen Handeln sehr wohl dazu beitragen könne, die Auswirkungen auf die Umwelt weiter zu minimieren. „Das tun die heimischen Seilbahnunternehmen, indem sie massiv in nachhaltige Energiegewinnung, weniger Stromverbrauch und in Mobilität investieren. Denn genau diese Faktoren sind es, die auf lange Sicht klimarelevant sind.“ Doch eines steht für Österreichs obersten Seilbahner außer Streit: „Niemand leugnet den Klimawandel. Uns geht es vielmehr darum, das Maß der Auswirkungen möglichst exakt zu eruieren. Und alle, die uns vor 20 Jahren prophezeit haben, dass wir zusperren müssen, sind de facto falsch gelegen.“

Reinhard Klier, Vorsitzender des Umweltforums im Fachverband der österreichischen Seilbahnen, betont, dass in der öffentlichen Diskussion Ursache und Wirkung gerade bei diesem Thema zu oft vermischt werden. „Die Seilbahnen sind jedoch nicht die Ursache!“ Klier verweist dabei auf eine Untersuchung des Umweltbundesamtes, die erst kürzlich präsentiert wurde. „Diese zeigt deutlich, dass der Skiurlaub in Österreich mit allen eingerechneten umweltrelevanten Faktoren von der Anreise über die Unterkunft bis zum Energieverbrauch für den Skibetrieb zu den klimafreundlichsten Reiseformen zählt“, so Klier. So fällt die Treibhausbilanz eines Winterurlaubs besser aus als jene eines klassischen Italienurlaubs. Reist man mit dem Auto an, entstehen insgesamt ein Fünftel weniger Treibhausgas-Emissionen, mit der Bahn ca. die Hälfte. Im Vergleich mit einem Urlaub inkl. Flug nach Spanien verursacht der Winterurlaub in Österreich nur knapp 21 Prozent der Treibhausgas-Emissionen, wenn das Auto für die Anreise genutzt wird – bei Anreise mit der Bahn sind es sogar nur knapp 13 Prozent. „Die Seilbahnen werden auch in Zukunft weiterhin ihren Beitrag dazu leisten, möglichst nachhaltig und im Sinne unserer natürlichen Umgebung zu wirtschaften“, so Klier.

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