70 Jahre Lindner: Spannendes Jubiläumsjahr

Vor 70 Jahren wurde mit dem S14 der erste Lindner-Traktor in Kundl gefertigt. Eine Oldtimer-Rallye bildete den Höhepunkt des Jubiläumsjahres und mit der Eröffnung der Niederlassung in Frankreich hat das Familienunternehmen zudem ein Zeichen gesetzt.

Dem Regen haben sie heldenhaft getrotzt, denn bei diesem Highlight dabei zu sein, war eine Frage von Spaß, Ehre und Stolz. Über 150 Oldtimer-Fans ließen sich diese Chance jedenfalls nicht entgehen. Die Gelegenheit, ihr Schmuckstück zu zeigen und bei der 20 Kilometer langen Rundfahrt zu beweisen, dass so ein Lindner-Traktor gleich mehrere Generationen vollfunktionsfähig überlebt – wenn man ihn denn hegt und pflegt. „Das war der Höhepunkt in unserem Jubiläumsjahr. Die Firma wurde 1946 gegründet und 1948 haben wir mit der Produktion der Traktoren begonnen. Dieses Jubiläum feiern wir schon das ganze Jahr über mit unseren Kunden”, erzählt Hermann Lindner, Geschäftsführer der Lindner Traktorenwerk GmbH in Kundl, wo die Oldies des Unternehmens Ende Oktober 2018 im Mittelpunkt standen.

Die „knatternde Traktorenschlange” war ein eindrucksvolles Zeugnis der Firmengeschichte. Einige Exemplare des S14, des ersten Traktors der Firmengeschichte waren, dabei. Als dieser Traktor 1948 bei der Wiener Herbstmesse präsentiert wurde, waren Pferdestärken noch eine für jedermann nachvollziehbare Größe. Firmengründer Hermann Lindner setzte all seine Ingenieurskunst und Innovationskraft daran, die wendigen Kaltblüter am Feld zu ersetzen – durch vier Räder statt vier Beine.

Der erste Traktor

Mit 14 PS war der erste Traktor aus Kundl für seine Zeit ein echtes Kraftpaket, 1953 brachte Lindner schon den ersten österreichischen Traktor mit Vierradantrieb auf den Markt und in diesem Innovationstakt ging es weiter. Rasend schnell. 1956 zählte das Werk in Kundl bereits 150 Beschäftigte, rund 70 Traktoren verließen allein in diesem Jahr die Fertigungshalle. In den vergangenen 70 Jahren jagte in Kundl eine Innovation die nächste. „Heute sind unsere Traktoren Hightechfahrzeuge. Wir konzentrieren uns auf spezielle Anforderungen und genau das ist unsere Chance”, sagt Hermann Lindner, der Enkel des Firmengründers.

Der findige Geist muss vererbt worden sein, denn jedes Jahr präsentiert das Unternehmen Neuerungen in der Branche, die sich dadurch auszeichnet, von echten Giganten beherrscht zu werden. „Über 80 Prozent des Weltmarktes werden von vier Konzernen abgedeckt, da ist nicht mehr viel Platz dazwischen”, erklärt Lindner die Traktorenwelt. Während die Marktriesen sich hauptsächlich um große Traktoren für große Flächen kümmern, bewegen sich die Fahrzeuge aus dem Hause Lindner so wendig wie clever in landwirtschaftlichen Gebieten, in denen die Riesen keine Chance haben. „Die eher kleinstrukturierte Landwirtschaft mit hohem Landschaftspflegeanteil ist unser Hauptgebiet”, so Lindner zu den Nischen, in denen sich die Lindner-Ingenieure zielgerichtet austoben können, um für die Herausforderungen in der Berglandwirtschaft, in den kommunalen Einsatzgebieten und der immer diffiziler werdenden Kulturlandwirtschaft die passenden Antworten zu liefern.

Lindner eröffnet Standort in Frankreich

„In der Landwirtschaft ist momentan viel in Bewegung, weil viele nach neuen Produkten und neuen Strategien suchen”, spricht Lindner etwa die biologische Landwirtschaft oder Segmente wie Heumilchproduktion an und hält fest: „Gerade bei diesen Anforderungen können wir etwas bieten. Da geht es um exaktes Arbeiten, Vernetzung und Automatisierung. Wir haben einen Schwerpunkt auf Digitalisierung gelegt.”

Es gibt zahlreiche Beispiele, bei denen das Traktorenwerk auf Anregungen, Wünsche und Erfahrungen der in der Praxis tätigen Kunden reagierte und auch hier die Wendigkeit des Unternehmens zu nutzen verstand. Heuer wurde etwa ein Leitsystem präsentiert, das den Fahrer der Nutzfahrzeuge insofern entlastet, als dass es genau die Mitte einer Plantage misst und so das exakte Arbeiten möglich macht, das Hermann Lindner bereits erwähnte. In der feinfühlig zu bearbeitenden Kulturlandwirtschaft – wie etwa dem Weinbau, beim Anbau von Hopfen oder in Nussplantagen – kann dieses Lindner-System tolle Dienste leisten.

Weinbau ist ein treffliches Stichwort für ein weiteres Highlight im Jubiläumsjahr. Um den französischen Markt zu erobern, hat Lindner vor Kurzem einen Standort in Frankreich eröffnet. „Wir sind seit über 20 Jahren in Frankreich vertreten und wollten das auf starke Beine stellen”, erzählt der Geschäftsführer, „in Frankreich ist die Sprachbarriere groß, weswegen wir einen strategisch guten Platz suchten, wo wir die vielen Trainings und Schulungen durchführen und die großen Absatzmärkte zwischen den Vogesen und Pyrenäen bearbeiten können.”

Ohne Frage ein positiver Nebeneffekt

In Blotzheim, im Elsass, wurde der perfekte Standort gefunden, um die Internationalisierung des Unternehmens mit einem Ausbau des derzeit bei rund 55 Prozent liegenden Exportanteils weiter voranzutreiben. Auf dem 3.000 Quadratmeter großen Areal haben die sechs Mitarbeiter einen passenden Stützpunkt, um die technischen Finessen der Lindner-Traktoren zu präsentieren und Frankreich im Sinne des Unternehmens erobern zu können. Dass die Elsässer zweisprachig sind und auch die französische Schweiz von Blotzheim aus gut „ins Visier” genommen werden kann, ist ebenso ein Vorteil für die Kundler, wie das gute Elsässer Essen. „Das ist ein positiver Nebeneffekt, keine Frage”, schmunzelt Hermann Lindner.

Erst mit der letzten großen Landwirtschaftsmesse – jener in Bern im Dezember 2018 – endet der Jubiläumsreigen für das stolze Unternehmen, das über 220 Mitarbeiter beschäftigt. Dass jüngst auch eine Delegation aus Kuba das Werk besuchte und die cleveren Produkte der Tiroler Traktorenspezialisten bewunderte, ist eine exotischere Episode im 70. Jahr. „In Kuba soll die kleine Landwirtschaft forciert werden. Dafür wird alles zentral eingekauft und die Delegationsteilnehmer haben sich bei uns informiert, was es da alles gibt”, sagt Hermann Lindner, „wir konzentrieren uns auf Europa, auf Landwirtschaften zwischen zehn und 50 Hektar. Kuba wird nicht unbedingt die erste Adresse für uns werden.” Tja, wer weiß.

»Weitere Informationen: Lindner Traktorenwerk GmbH

Die stolzen Geschäftsführer: Rudolf und Stefan Lindner, Standortleiter Alfred Fuchs, Hermann Lindner (Lindner Geschäftsführung) und David Lindner (Geschäftsführer Lindner Frankreich) (v.l.).

Die stolzen Geschäftsführer: Rudolf und Stefan Lindner, Standortleiter Alfred Fuchs, Hermann Lindner (Lindner Geschäftsführung) und David Lindner (Geschäftsführer Lindner Frankreich) (v.l.).

Galerie:
In Blotzheim im Elsass wurde der perfekte Standort gefunden, um die Internationalisierung des Unternehmens Lindner weiter voranzutreiben. Auf dem 3.000 m2 großen Areal haben die sechs Mitarbeiter nun einen passenden Stützpunkt.
GF Stefan Lindner, der Kundler Bürgermeister Anton Hoflacher, GF Rudolf Lindner, Gewinner der Oldtimer-Ralley Michael Breitenlechner und GF Hermann Lindner (v.l.) Foto: Die Fotografen
Familienunternehmen Lindner
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