Gummiwerk Czermak & Feger: Kunterbunte Luftballonwelt

Das Gummiwerk Czermak & Feger in Imst ist auf den ersten Blick eine kunterbunte Luftballonwelt. Doch sieht man genauer hin, werden die vielen weiteren Geschäftsfelder des traditionsreichen Familienunternehmens sichtbar.

Kunterbunte Luftballons, Latexartikel für den Maschinenbau oder Spezialanfertigungen im medizinisch-technischen Bereich. So unterschiedlich diese Erzeugnisse klingen, sie haben eines gemeinsam: Sie entstehen im Gummiwerk Czermak & Feger in Imst. Seit über 70 Jahren existiert dieser alteingesessene Betrieb und beschäftigt sich seit jeher mit der Anfertigung von ausgefallenen Produkten aus Naturkautschuklatex.

„Ursprünglich erzeugte das Unternehmen Ballons für militärische Zwecke, doch kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte mein Vater das Werk, holte mit Hans Feger einen kompetenten Gummitechniker mit ins Boot, und ab diesem Zeitpunkt wurden Luftballons hergestellt, um Kinder glücklich zu machen”, fasst Dominik Czermak die Entwicklung seines Betriebes in groben Zügen zusammen. Selbstverständlich ist in den vergangenen Jahrzehnten aber noch weitaus mehr passiert und an innovativen Entwicklungen hat es nie gefehlt.

Czermak steht Kundenanfragen stets offen gegenüber

Die Erfindung der weltweit ersten Figurenballons in Form von Hasen, Bären oder Enten prägte Czermak & Feger und stellt nach wie vor ihr Markenzeichen dar. Doch als sich die Anzahl der Schausteller und Marktfahrer, welche als Hauptabnehmer galten, langsam reduzierte, sank zeitgleich die Nachfrage. An diesem Punkt fragte sich der ausgebildete Techniker Dominik Czermak: Für welche Zwecke kann man dieses Naturprodukt Kautschuklatex mit seiner bestechenden wie faszinierenden Elastizität noch nutzen?

Die Antwort liefert der eifrige Tüftler mit seinem Repertoire inzwischen selbst: „Wir realisieren ausgefallene Dinge – von Handschuhen mit extra Grip für heikle Operationen, Überzüge für Ultraschallköpfe und Herzkathederballons über Einzelteile für Verpackungsmaschinen bis hin zu Klebstoffen für die Schuhindustrie. Sogar für die Raumfahrt waren wir schon tätig, um Astronautenkleidung zu optimieren. Unser Sortiment ist mittlerweile sehr breit aufgestellt.” Kundenanfragen stand Czermak stets offen gegenüber, dadurch erarbeitete er sich über die Jahre einen guten Ruf. Das fröhlichste und lustigste Segment ist und bleibt seiner Ansicht nach jedoch die Spielzeugindustrie. Bunte Riesenballons mit bis zu über zwei Metern Durchmesser sind derzeit beliebte Werbemaßnahmen, denn sie dienen in bedruckter Form als Eyecatcher für Veranstaltungen oder vor Geschäftslokalen.

Wie viele einzelne Schritte nötig sind, bevor diese sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen beliebten Gegenstände zu farbenfrohen Blickfängen werden, glaubt man kaum. Nach einer ausgiebigen Qualitätskontrolle des Kautschuks, kommt das eigens entwickelte Tauchverfahren zur Anwendung. Dabei werden mit einer dünnen Salzschicht überzogene Formen in das mit lebensmittelechten Farben vermischte Naturlatexbecken getaucht und anschließend getrocknet. Das Salz entzieht dem Latex das Wasser und so bildet sich ein Gel, welches sich an die jeweilige Form anpasst. Die anschließende Vulkanisierung dient der Langlebigkeit der Ballons bei unterschiedlichsten Temperaturen. Zu guter Letzt kommt der Aufdruck und eine endgültige Überprüfung auf eventuelle Löcher oder Sollbruchstellen.

Hohe Qualität und Produktvielfalt

Von der ersten Stunde an war der Familienbetrieb Czermak gezwungen, sich auf Sonder- und Spezialanfertigungen zu konzentrieren. Einerseits, weil Gummifabriken aus gutem Grund nur selten mitten in einem Kontinent liegen, sondern meist an Häfen, damit der Transport des Rohstoffs vom Tropengürtel logistisch einfacher ist. Andererseits, konnte man durch geringe Mengen hohe Zölle vermeiden, zu einer Zeit als Österreich noch kein Mitglied der EU war. „Beide diese Punkte stellten sich erst im Nachhinein als glücklicher Zufall heraus, denn eine Massenproduktion wäre an unserem Standort ohnehin undenkbar und zudem nicht in unserem Interesse. Die Masse kommt weiterhin aus Billiglohnländern. Daher bewegen wir uns allerdings in einem Exotengebiet und sind auf uns allein gestellt.” Aufgrund dieser eingeschlagenen Richtung entwickelte das Gummiwerk Czermak & Feger ein sehr weitläufiges Betätigungsfeld mit vielen Nischenprodukten, welche in zahlreiche europäische Länder wie Finnland, Norwegen, Deutschland und Spanien aber ebenfalls nach Japan sowie Amerika exportiert werden.

Damit man am Markt dauerhaft bestehen kann, muss allerdings die Qualität und die Produktvielfalt immer hochgehalten werden. Czermak ist nicht nur bei den chemischen Prozessen laufend am neuesten Stand der Dinge, sondern erneuert ständig sämtliche hauseigenen Maschinen, damit eine kostengünstige Herstellung dauerhaft möglich ist. Oft wird dabei das Team von knapp 30 Mitarbeitern selbst zu Entwicklern und Bastlern, um Geräte für bestimmte Zwecke anzupassen. „Teamgeist und Menschlichkeit hat in unserem Familienunternehmen einen hohen Stellenwert und dadurch sind wir in der Lage, Dinge zu schaffen, die weltweit niemand für möglich hält”, berichtet Czermak stolz.

Für die Zukunft hofft Czermak, noch in vielen Anwendungsgebieten Fuß fassen zu können. Umweltbewusste Waren wie die seinigen müssen eindeutig mehr Anerkennung finden. Dass einer seiner Ballons unter normalen Umwelteinflüssen wie Sonne und Regen gleich schnell verrottet, wie ein Blatt, das vom Baum fällt, glaubt ihm nur sehr selten jemand.

»Weitere Informationen: Gummiwerk Czermak&Feger

Galerie:
Dominik Czermak in seinem Betrieb in Imst.
Das Unternehmen ist weltweit Vorreiter bei der Herstellung von Figurenballons und sämtlichen nahtlosen Produkten aus Naturkautschuklatex mittels Tauchverfahren.
Hinter den Toren des Imster Gummiwerks Czermak & Feger verbirgt sich eine kunterbunte Welt.
Die Druckfarben, welche ebenfalls aus biologisch abbaubaren Materialien bestehen, werden per Siebdruck direkt aufgetragen, um den Dehnungen der Ballons standzuhalten.
Hasenohren oder Werbeslogans bei Czermak ist alles möglich.
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