Neues Führungsteam der WK: Gemeinsam stark

Der neue WK-Präsident Christoph Walser setzt auf Teamarbeit. Im Gespräch nehmen der Präsident, seine Vizepräsidenten und die Direktorin zu ihren Zielen Stellung.

„Vom Fachkräftemangel über den Verkehr bis hin zur Digitalisierung – wir können Herausforderungen nur gemeinsam lösen”, ist Walser überzeugt.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Sie sind seit letzter Woch­e Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer. Ihre drei Vizepräsidenten sind bereits länger in ihren Funktionen. Wie wichtig war Ihnen, dieses Team zu übernehmen?

Christoph Walser: Mir ist es sehr wichtig, mein Amt als Präsident zusammen mit dieser jungen und zugleich erfahrenen Mannschaft zu übernehmen. Ob in meinen Unternehmen, als Bürgermeister oder in der WK – ich bin überzeugter Teamplayer.

Gibt es bestimmte Positionen für die einzelnen Teammitglieder?

Walser: Jeder ist genau dort tätig, wo er über spezielle Fähigkeiten verfügt. Martina Entner hat sich schon bisher als Stimme der Regionen, als Touristikerin und als Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft bewährt. Barbara M. Thaler ist die Digitalisierungs-Expertin im Team und ein Profi für internationale Themen. Mit Direktorin Evelyn Geiger-Anker werde ich die Modernisierung des Hauses weiter vorantreiben. Und Manfred Pletzer ist für Bildungsthemen verantwortlich, die gerade in Zeiten des Fachkräftemangels so wichtig sind.

Welche Schwerpunkte wird es im Bereich Bildung geben?

Manfred Pletzer: Wir wollen die berufspraktische Ausbildung gleichwertig mit dem schulisch-akademischen Weg verankern. Die Tiroler Wirtschaftskammer steht dazu in laufenden Gesprächen mit der WKÖ. Diese Aufwertung hebt das Image der Lehre, die als Erfolgsmodell von vielen Ländern kopiert wird.
Welche weiteren Heraus­forderungen sehen Sie im Bildungs­bereich?

Pletzer: Das Stichwort Digitalisierung spielt nicht nur in den Betrieben, sondern auch in der Aus- und Weiterbildung eine große Rolle. Digitale Inhalte müssen in sämtlichen Branchen in die Ausbildung integriert werden.

Bleiben wir gleich beim Thema Digitalisierung. Seit zwanzig Jahren stecken wir in diesem technologischen Wandel. Was hat sich seither geändert?

Barbara M. Thaler: Verändert hat sich, dass Technologie heute allgegenwertig ist. Egal ob im Privatleben oder im Unternehmen. Wir haben unsere Prozesse an die Technologie angepasst. Wir müssen lernen, wie wir neue Technologien sinnvoll nutzen und für unsere Kunden entsprechen­d einsetzen. Flexibilität ist hier das Stichwort. Das Wort Digitalisierung ist zu sehr gehyped in meinen Augen, denn es ist bereits Realität und kein Zukunftsphänomen.

Kommen wir zum Service­bereich – was können die Unternehmen generell von der WK erwarten?

Evelyn Geiger-Anker: Betriebe, die Leistungen von der Tiroler WK in Anspruch nehmen, bewerten uns besser als jene, die das noch nicht getan haben. Wir erreichen 90 Prozent der Großbetriebe, bei den mittelständischen Unternehmen ist es ähnlich. Bei Kleinunternehmen gibt es Aufholbedarf – wir werden daher unser Angebot speziell für kleine Firmen noch attraktiver gestalten.

Wie gehen Sie diese Aufgabe künftig an?

Geiger-Anker: Wir werten die Anfrage-Schwerpunkte ständig aus und schärfen unser Serviceangebot laufend nach. Innerhalb der Organisation geht es vor allem darum, Schnittstellen besser zu verknüpfen und Synergie­n zu nutzen.

Frau Thaler, Sie sind für eine klassische Schnittstelle, die Funktionärsbetreuung, zuständi­g – wo liegen hier die Schwerpunkte?

Thaler: Das duale System aus Funktionären und Mitarbeitern ist die große Stärke unserer Wirtschaftskammer. Die Funktionärsbetreuung unterstützt in allen Fragen des Funktionärseins. Wir bieten Netzwerkveranstaltungen und Fortbildungsformate wie mit der Tiroler Funktionärsakademie. Unser Schwerpunkt liegt aber in der interessenspolitischen Arbeit selbst. Mit dem Lobbying Summit vermitteln wir Handwerkszeug für unsere Hauptaufgabe als Interessensvertreter. Abgerundet wird unser Programm 2018/2019 mit Besuchen im Tiroler Landtag und Nationalrat sowie Exkursionen nach Brüssel.

Kommen wir zurück zum Standort Tirol. Wo gibt es bei uns noch Potenziale?

Martina Entner: Wir haben viele gut ausgebildete Frauen – und eine hohe Nachfrage seitens der Betriebe. Um dieses Potenzial zu nutzen, muss die Vereinbarkeit für die Tiroler Familien passen. Das heißt im Klartext flächendeckende, qualitativ hochwertige und ganzjährige, also mit einem Wort flexible Kinderbetreuung. Handlungsbedarf besteht hier vor allem in den Regionen.

… die ja auch einen Ihrer Schwerpunkte darstellen.

Entner: Alle reden immer über die Förderung des ländlichen Raumes, über Ortskernbelebung, über die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe. Um das zu erreichen, braucht es Betreuung und Unterstützung für die Wirtschaft über die Ballungsräume hinaus. Eine wesentliche Rolle spielen die Bezirksstellen der WK, die als erste Anlaufstelle für die Betriebe ganz wichtig sind.

Wie sehen Sie die aktuelle Debatte über die Grenzen des Tourismus?

Entner: Es ist legitim und notwendig, sich diese Frage zu stellen. Kein Tourismus ohne entsprechende Tourismusgesinnung. Aber auch kein hochwertiger Tourismus ohne unsere vielen, gewachsenen Familienbetriebe, die für eine authentische Gastgeberrolle stehen. Das Thema Nachfolge ist immens wichtig – wir müssen Junge für die Arbeit im Tourismus begeistern.

Herr Präsident, wie bewerten Sie die aktuelle Verkehrsdebatt­e in Tirol?

Walser: Ich setze auf konstruktive Gespräche und einen ehrlichen Zugang bei diesem Thema. Heimische Frächter müssen neueste Lkw zumindest bis zum Ende der gesetzlichen Absetzungsdauer uneingeschränkt nützen können. Und damit die Verlagerung auf die Schiene funktioniert, braucht es eine verlässliche, konkurrenzfähige Bahn mit reibungslosen Schnittstellen bei der Verladung.

Inwiefern wird Ihre berufliche Tätigkeit als Transportunternehmer Ihre Linie als Kammerpräsident beeinflussen?

Walser: Als Spediteur registriert man wie ein Seismograph die Stimmung am Standort. Als Präsident werde ich wie ein Seismograph die Anliegen und Probleme der Unternehmer aufnehmen und Lösungen dafür suchen.

Drei Stichworte für Ihre Linie in den kommenden Jahren?

Walser: Sachlichkeit – wir brauchen bei allen Themen Augenmaß statt Populismus. Im Gespräch bleiben – quer über die Branchen, mit der WKÖ, mit der Landesregierung, mit den Sozialpartnern. Wertschätzung – sowohl über die Parteigrenzen hinweg als auch Respekt für die Leistungen der Betriebe, die attraktive Arbeitsplätze bieten.

Bild oben: Das neue Führungsteam der WK Tirol: Präsident Christoph Walser, Vizepräsidentin Barbara M. Thaler, Direktorin Evelyn Geiger-Anker, Vizepräsidentin Martina Entner, Vizepräsident Manfred Pletzer (v.l.).

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