Green Finance: Game-Changer für eine bessere Welt

Ohne tatkräftige Unterstützung des Finanzsystems ist der Übergang zu einer „Green Economy” nicht zu schaffen. Wird dieser Strukturwandel ernsthaft angestrebt, ist Green Finance ein wichtiger Schlüssel.

Wuchtig sind sie gerade – die Botschaften des Klimas. Ein Hurricane hier, ein Tornado dort, sintflutartige Regengüsse anderswo und anhaltende Dürren, wo es immer grün gewesen war. Es tut sich was auf der Erde und selten wird es als so angenehm empfunden, wie im vergangenen Tiroler Flip-Flop-Sommer. Dass sich die wirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen seit den 1980er Jahren verdreifacht haben, hat Petteri Taalas, seines Zeichens Wetterchef der UN, im September 2018 festgestellt und wenig erheiternd ergänzt: „Wir erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Es wird mehr Überschwemmungen, mehr Stürme, mehr Hitzewellen und mehr Dürren in einigen Weltregionen geben.”

Anfang Oktober 2018 wurde im Vorfeld der Klimakonferenz im polnischen Kattowitz, einer einst von der Schwerindustrie in Grautöne getauchten Stadt, festgehalten, dass sich die Erde gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um ein Grad erwärmt habe. Für die Eingrenzung der Erd-Erwärmung auf zwei Grad seien rasche und drastische Maßnahmen notwendig. In einem Bericht der Tageszeitung „Der Standard” wurde in dem Zusammenhang sowohl negativ erwähnt, dass der CO2-Ausstoß in Österreich in den vergangenen drei Jahren gestiegen sei, positiv jedoch festgestellt, dass ein Technologiewandel in die richtige Richtung in kurzer Zeit möglich wäre.

Weltbewegendes

Weil dieser Wandel, um echt nachhaltig zu wirken, in einer gigantischen Breite und Vielfalt passieren müsste, handelt es sich nicht nur um eine kurzfristig karbon-freie Ökolaune, sondern vielmehr um einen globalen Strukturwandel – hin zu einer Green Economy, die mehr kennzeichnet, als ein grünes Feigenblatt. „Wenn man den Übergang zu einer Green Economy ernsthaft als gesellschaftspolitisches Ziel verfolgen will, dann muss sich auch das Finanzsystem in diese Richtung entwickeln”, ist Peter Mooslechner, Mitglied des Direktoriums der Österreichischen Nationalbank und in dieser Funktion Herr über die österreichischen Währungsreserven bzw. „unser Geld”, überzeugt und ergänzt: „Dabei gilt es Schumpeter‘s Botschaft ernst zu nehmen, dass Banken und das Finanzsystem die Umschichtung von Ressourcen in einer Volkswirtschaft wesentlich bestimmen.”

Österreichs Jahrhundert-Ökonom Joseph Schumpeter hatte dies 1911 in seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung festgehalten. Umgemünzt auf die aktuellen Herausforderungen in einer im „CO2-Nebel” schwankenden Welt, bedeutet dies, dass ohne „Green Finance” keine Green Economy wachsen und damit auch kein Klimaziel erreicht werden kann. „Darum beschäftigt man sich mit Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft”, sagt Mooslechner, der Anfang Oktober 2018 im Rahmen der Reihe „Finanzwissen kompakt” zu Gast in der Österreichischen Nationalbank (OeNB) West in Innsbruck war. Hintergrund für diese Beschäftigung der billionenschweren und die Wirtschaftsstrukturen maßgeblich beeinflussenden Investitions-Profis ist nicht unbedingt das Bedürfnis, Gutes zu tun, sondern vielmehr auch das Wachstumspotenzial zu nutzen, das in der Green Economy steckt und immer mehr die Welt bewegt.

„Green Finance dockt im wesentlichen an zwei Entwicklungen an. Das eine sind die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Da geht es keinesfalls nur um Umwelt oder ökonomischen Fragen – es geht vielmehr um die langfristige Überlebensfähigkeit unseres Planeten beziehungsweise darum, die Welt in vielen Dimensionen besser zu machen. Der zweite Aspekt sind die Klimaziele”, skizziert Mooslechner entscheidende Punkte, die zugleich die Richtung für Qualitätskriterien und Standardisierungen vorgeben, die es für „Green Finance” noch nicht gibt. „Da ist vieles noch nicht definiert, im Unsicherheitsbereich und unklar. Daran wird man in Zukunft arbeiten müssen”, weiß der OeNB-Direktor.

Standardisierungen

Der Markt und das Bewusstsein gegenüber Nachhaltigkeit scheinen schneller zu sein, als jene, die dafür die Regeln vorgeben. Obwohl ein verlässlicher und für Investoren wie Anleger gültiger Green-Finance-Rahmen noch nicht gesetzt wurde, ist aber viel Bewegung in diese Richtung feststellbar. Spannend ist beispielsweise, was Mooslechner bei einer simplen Google-Recherche herausfand. Zum Thema Nachhaltigkeit poppten dort jüngst 123 Millionen Treffer auf und beim Stichwort Green Finance waren es 1,7 Milliarden: „Das ist eindrucksvoll. Da ist also schon irgendwas draußen in der Welt unterwegs, worüber man nachdenken muss.” Ob die zahlreichen Google-Treffer die Annahme erlauben, dass der Wandel zur Green Economy durchaus gesellschaftliche Relevanz hat, sei dahingestellt. Interesse daran besteht allemal und die Nachfrage beziehungsweise das Verhalten von Sparern, Anlegern und Investoren wird letztlich entscheidend sein für den langfristigen Erfolg. Längst reagiert auch die Finanzwelt darauf.

Jüngst erst kündigte die Schweizer Großbank UBS an, bis 2021 fünf Milliarden Schweizer Franken in so genannte Impact-Investments anzulegen – in Projekte, die nicht nur finanziell relevant sind sondern auch einen ökologisch-sozialen Nutzen haben. In so genannten Green Bonds stecken aktuell 1,45 Billionen Dollar, gegenüber 2015 hat sich der Anteil verdoppelt und weil die „grüne” Performance gleich oder sogar besser ist, als die konventionelle wird mit weiterem Wachstum gerechnet.

Green Finance ist keine Modeerscheinung

Wobei festgehalten werden muss dass die genannten 1,45 Billionen nur die Spitze des Eisbergs darstellen und sowohl Finanzierungen darin enthalten sind, die den Kriterien nicht entsprechen, es aber auch viele Finanzierungen gibt, die „Green Finance” sind, aber nicht so heißen. Die Notwendigkeit, Standards einzuführen und Transparenz zu schaffen, ist richtig groß geworden. ESG-Kriterien allein, die bereits in Anlagestrategien umgesetzt werden und dabei beispielsweise die „Best-in-Class”-Unternehmen berücksichtigen, sich auf Impact Investing konzentrieren oder auf Themenfonds, sind für das Erreichen einer echten Markttiefe zu wenig.

Anfang des Jahres wurde damit begonnen, den EU-Aktionsplan Finanzierung nachhaltigen Wachstums umzusetzen. Bis 2019 sollen diese Maßnahmen in den Märkten verankert sein. Die G20 haben sich bei ihrem Gipfel im chinesischen Hangzhou 2016 mit diesen Herausforderungen herumgeschlagen, die OECD beschäftigt sich in einem großen Center für Green Finance mit dem Thema und selbstverständlich ist auch die Österreichische Nationalbank intensiv damit beschäftigt, Nachhaltigkeits-Elemente in die OeNB-Veranlagungen einzubauen und an entsprechenden Benchmarks zu arbeiten. „Green Finance ist keine vorübergehende Modeerscheinung”, stellt Mooslechner klar. Green Finance bleibt. Und könnte zu einem Game-Changer für eine bessere Welt werden.

Infoveranstaltung am 5. November: Wer verdient wie viel in Tirol?
Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!