Agilität: Den entscheidenden Schritt voraus

Wer seinen Betrieb agil führt, nutzt die Kraft der Veränderung – anstatt sich dagegen zu wehren. Das Bildungsconsulting der WK Tirol hat die passenden Werkzeuge dazu.

Bürokratie, Steuerlast, Fachkräftemangel – das sind drei der häufigsten Antworten, die man erhält, wenn Tiroler Unternehmer nach ihren aktuell größten Herausforderungen gefragt werden. Ganz vorne auf dieser Liste taucht jedoch auch der Begriff „Veränderungen” auf. Die Wirtschafts- und Arbeitswelt befindet sich in einem rasanten Wandel – viele Führungskräfte suchen verzweifelt nach Antworten, wie mit diesem umzugehen ist. Eines der wichtigsten Schlagworte, das in diesem Zusammenhang genannt wird, ist der Begriff „Agilität”. Mit diesem Konzept beschäftigen sich derzeit zahlreiche Publikationen – und wollen damit Antworten liefern, um die komplexen Fragen, die sich derzeit für Betriebe sämtlicher Branchen Größenordnungen in der Praxis stellten, in den Griff zu bekommen. Doch was ist mit Agilität eigentlich gemeint?

Agilität hat seine Wurzeln in der Systemtheorie von Organisationen, die bereits in den Fünfziger-Jahren entwickelt wurde. Der US-Soziologe Talcott Parsons hat vier Funktionen identifiziert, die jedes System erfüllen muss, um seine Existenz zu erhalten. Er sieht diese in der Fähigkeit eines Systems, auf die sich verändernden äußeren Bedingungen zu reagieren (Adaptation), Ziele zu definieren und zu verfolgen (Goal Attainment), den Zusammenhalt herzustellen und abzusichern (Integration) und grundlegende Strukturen und Wertmuster aufrechtzuerhalten (Latency). Aus den Anfangsbuchstaben dieser vier Funktionen ergibt sich das bekannte AGIL-Schema. Wenn der Grundgedanke fast 70 Jahre alt ist – warum bekommt Agilität ausgerechnet jetzt einen derart hohen Stellenwert? Weil nun die Zeit dafür reif ist – während sich in den ersten Jahrzehnten nach der Entwicklung des Konzepts die Welt noch derart gemächlich wandelte, dass dies auch mit klassischen Führungsinstrumenten zu bewältigen war.

Mutige Lenk- und Denkmodelle

Doch jetzt ist alles anders. Über Nacht bekommen eingesessene Unternehmen neue Konkurrenten aus bislang unerwarteter Richtung; entstehen laufend innovative Produkte und Dienstleistungen; sind Betriebe mit Anforderungen von Kunden konfrontiert, von denen sie kurz zuvor noch nicht einmal etwas wussten; gerät die gesamte traditionelle Arbeitswelt ins Wanken. Mit anderen Worten: Wenn ein Betrieb auch in fünf Jahren noch am unruhigen Markt eine Rolle spielen will, braucht er wendige, dezentrale, mutige Lenk- und Denkmodelle – wie eben das Modell der Agilität.

Das Konzept der Agilität hat sich in den Anfangsjahren dieses Jahrtausends vor allem als Gemeinwaffe in der Softwareentwicklung bewährt. In diesem Bereich konnten agile Konzepte ihre Stärke beweisen, wie die unter dem Namen Scrum bekannt gewordene Methode. Eine zentrale Grundlage dafür ist die Selbstorganisation der Teammitglieder. Einen Projektleiter im traditionellen Sinn gibt es nicht. Die konkrete Anwendung basiert auf Erfahrung und das Vorgehen findet schrittweise in sich wiederholenden Etappen statt, die Sprint genannt werden. Dieses Prinzip lässt sich auf jedes Produkt, auch Dienstleistungen, anwenden. Scrum ist jedoch nur eine von mehreren Möglichkeiten, Agilität einen Rahmen zu geben.

Modell muss gelebt werden

Inzwischen zeigt sich, dass die reale Welt ihre Beständigkeit verloren hat. Es drängt sich folgender Gedanke auf: Was in der Entwicklung von Software funktioniert, muss doch auch bei der Führung von Unternehmen greifen. Und mittlerweile zeigt sich: Die Philosophie und die Instrumente der Agilität lassen sich bestens auf den Unternehmensalltag übertragen. Agilität wird zunehmend nicht mehr nur auf einen Teil von Betrieben, sei es die Produktion oder die (Software-)Entwicklung beschränkt, sondern für eine Tuchfühlung mit dem Markt auf das ganze Unternehmen angewandt. Wer sich die vier Dimensionen von Agilität ansieht, merkt sehr schnell, dass diese punktgenau auf die Herausforderungen passen, die aktuell von den Betrieben zu bewältigen sind: Die ersten beiden sind Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit – also genau das, was es heute braucht. Organisationen müssen jederzeit schnell und dynamisch auf Veränderungen reagieren und sich schnell an Veränderungen anpassen können. Die dritte Dimension ist die stärkere Kundenzentriertheit – die vor allem durch ständigen Austausch mit den Kunden und das Aufteilen von Leistungen in kleine Schritte erreicht wird. Das alles ist aber nichts ohne den zentralen vierten Punkt: die agile Haltung. Wenn Agilität im Unternehmen nur aufgesetzt, aber nicht gelebt wird, funktioniert das Modell nicht.

Veränderung pro-aktiv angehen

Brauche ich nicht, mögen manche dazu sagen, mein Unternehmen ist ohnehin sehr flexibel. Mag sein – aber da gibt es einen großen Unterschied: Auch wenn beides „Anpassungsfähigkeit” meint, ist der Weg dorthin doch ganz ein anderer. Flexibel ist die Re-Aktion auf äußere Einflüsse. Immerhin – aber besser ist es, einen Schritt voraus zu sein, und Veränderungen mittels Agilität pro-aktiv anzugehen, noch ehe der Druck von außen kommt und Unruhe im Unternehmen erzeugt. Mit anderen Worten: Agieren statt Reagieren bringt jeden Betrieb in eine wesentlich vorteilhaftere Position.

Weil Agilität eben wesentlich mehr ist als Flexibilität, lohnt sich ein Blick auf die sechs zentralen Dimensionen agiler Unternehmen:

Erstens: DAS ZIELBILD

Blick durch die Kundenbrille.

Agile Unternehmen haben ein entsprechendes Zielbild vor Augen – an dem sie sich orientieren und Schritt für Schritt Veränderungen umsetzen. Im Zentrum steht der Kundennutzen.

Zweitens: STRUKTUR

Der Kunde bestimmt die Organisation.

Der ganze Betrieb wird vom Kundennutzen aus gedacht – und genau so organisiert. Das ist konsequent und spart Umwege.

Drittens: PROZESSE

Kurzer Prozess statt langatmiger Plan.

Fünf-Jahres-Pläne und ähnliche (ohnehin nie zutreffende) Langzeit-Pläne werden ad acta gelegt. Geplant wird in kurzen Sprints statt in langen, oft theoretischen Planungszeiträumen.

Viertens: FÜHRUNG

Neue Rolle für Führungskräfte.

Die Führungskräfte bekommen eine neue Rolle – sie dienen dem Team und arbeiten daran, ihren Mitarbeitern möglichst hohe Reife und damit Verantwortung zukommen zu lassen.

Fünftens: PERSONALENTWICKLUNG

Wertschätzung schafft Wertschöpfung.

Jahresmitarbeitergespräche, Jahreszielvereinbarungen, Karriere-Hierarchien? Vergessen Sie es. Agile Personalentwicklung zählt auf Eigenverantwortung, Feedback und kurze Zyklen.

Sechstens: UNTERNEHMENSKULTUR

Ganz oder gar nicht.

Agilität muss in die betriebliche DNA, sonst bleibt sie ein Alibi. Traditionelle Kontrollmechanismen, Sanktionen, Standardisierungen, Statusdenken weichen zu Gunsten von Eigenverantwortung, Vertrauen, Dialog und Handeln auf Augenhöhe.

Agilität als Wettbewerbsvorteil

Warum sich ein Unternehmen diesen massiven Umbau antun soll? Weil der Lohn verlockend ist: Agile Betriebe passen sich blitzschnell neuen Herausforderungen an und verfügen damit über einen enormen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Dieser Vorsprung hilft allen im Unternehmen – der Führung genau so wie den Mitarbeitern.

Und wie lässt sich das jetzt alles lernen und umsetzen? Das Bildungsconsulting der WK Tirol unterstützt Tiroler Betriebe mit Beratung, Training und Coaching auf diesem Weg. Die am Bildungsconsulting verwendeten und entwickelten Methoden und Instrumente orientieren sich an den Grundsätzen der Agilität und helfen dabei, den Wandel zu managen. Innerhalb der einzelnen Dimensionen der Agilität gibt es mittlerweile eine Reihe praktischer Tools und Übungen, die sich spielerisch und ohne großen Aufwand erproben und umsetzen lassen. Das ist wohl das wichtigste für agile Unternehmensführer: die Angst vor Veränderungen abzulegen und zu probieren, welche der agilen Praxistools im jeweiligen Unternehmen am besten wirken. Diese Experimentierfreudigkeit ist die beste Voraussetzung, Agilität für das eigene Unternehmen zu entdecken und Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Wer auf diese Weise die Welle der Veränderung zu nutzen weiß, kommt allemal weiter als jene, die sich immer noch für einen Fels in der Brandung halten.

INTERVIEW: Agilität funktioniert nicht im luftleeren Raum

 

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