Oberflächen der Zukunft aus dem Lechtal

Unternehmen sind in unserer schnelllebigen Technologiewelt immer öfter gezwungen, sich neu aufzustellen. Die kdg opticomp forscht in einem Bereich, der sich zu einem Top-Umsatzbringer entwickeln könnte.

Die Gründung der kdg opticomp ist eine von mehreren strategischen Antworten, die der CD- und DVD-Hersteller kdg unter CEO Michael Hosp vor fünf Jahren fand: Damals brach innerhalb kürzester Zeit ein Viertel des Umsatzes ein, weil Großkunden pleitegingen oder von Konkurrenten geschluckt wurden. Mitarbeiter mussten abgebaut werden. Die Zukunft sah wegen der weltweit sinkenden Absatzzahlen im CD- und DVD-Bereich düster aus. Doch die krachenden Märkte veranlassten die Außerferner dazu, sich neu zu erfinden.

Eine große Hilfe war dabei der finanzielle Einstieg des Wahltirolers Henrik Wentzler, damaliger Inhaber und Betreiber des Bergguts Gaicht in Nesselwängle im Tannheimer Tal. Der im Vorjahr leider unerwartet verstorbene Investor sorgte für Sicherheit bei der in Angriff genommenen Neustrukturierung der Gruppe.

Hochpräziser optischer Spritzguss

Heute besteht die kdg-Gruppe aus einer Holding und vier operativen Gesellschaften: Die kdg mediatech ist weiter im CD- und DVD-Geschäft tätig, fokussiert sich hier aber vermehrt auf den wachsenden Markt der Kleinserienfertigung. Daneben bietet das Mastering- und Encodierungsstudio kdg mediascope Digital-Logistik, also die Belieferung von Internetplattformen wie iTunes, Netflix, Amazon Prime sowie die zentrale Archivierung von Film-Masterdaten an, und die kdg medialog ist als Kontrakt- und Webshop-Logistiker aktiv.

Die vierte und jüngste Division ist die kdg opticomp. Die Idee dahinter: kdg ist seit 1985 im Bereich „hochpräziser optischer Spritzguss” tätig, denn die Produktion von optischen Datenträgern wie CD, DVD, Blu-ray basiert auf dieser Technologie, also auf der minutiös genauen Abformung von Mikro- und Nanostrukturen. kdg war damals eines der ersten Unternehmen, die diese Technologie beherrschten und einsetzten.

Oberflächen der Zukunft

Mit der kdg opticomp stellt das Außerferner Unternehmen jetzt sein Prozess- und Technologie-Know-how im optischen Spritzguss auch in anderen Branchen unter Beweis. Denn die kdg opticomp beliefert nun primär die Lichtbranche bzw. auch andere Branchen, die für ihre photonischen Anwendungen hochpräzise optische Komponenten aus Kunststoff benötigen. Mit dem bekannten Tiroler Lichtunternehmen Bartenbach verbindet das junge Unternehmen schon seit Anbeginn eine enge Entwicklungspartnerschaft.

„Wir haben Form und Maschine gewechselt, nicht aber unseren Anspruch und unsere Faszination für spannende Branchen”, sagt F&E-Projektleiter Manuel Walch. Ein jüngstes Forschungs- und Entwicklungsprojekt soll das kdg-Know-how nun für einen besonders zukunftsträchtigen Bereich öffnen: Gemeinsam mit Joanneum Research und Swarovski Optik entwickelt kdg opticomp Oberflächen der Zukunft.

Das Ganze geschieht im Rahmen eines öffentlich unterstützten Kompetenzzentrums, eines so genannten COMET-Projekts „Smart@Surface”. 4,7 Millionen Euro umfasst dieses auf vier Jahre geplante Projekt. Ziel ist u. a. die Entwicklung von beliebig geformten Kunststoff-Komponenten, die elektronische, sensorische und optische Funktionen direkt in die Oberfläche integriert haben. So wie ein Smartphone ein Touchscreen hat, werden in Zukunft andere Produkte nicht nur zweidimensionale (wie beim Smartphone), sondern dreidimensional geformte Oberflächen haben, die Informationen geben, Bedienungsfelder zur Verfügung stellen oder unauffällig Messwerte aufzeichnen.

Zukunftsträchtige Technologie von kdg opticomp

In späterer Zukunft sollen mit dieser Technologie sogar leichte haptische Veränderungen bei Berührung möglich werden. kdg opticomp entwickelt dabei ein Verfahren, mit dem die hierfür eingesetzten „intelligenten” Folien hinterspritzt und dadurch in beliebige 3D-Formen gebracht werden können. Das Unternehmen arbeitet dabei mit dem Garmischer Thermoformer Niebling eng zusammen, welcher den komplexen Werkzeugbau übernehmen wird, berichtet Walch.

Es geht also um die Möglichkeit, 3D-geformte Objekte mit nahtlosen interaktiven Oberflächen herzustellen. Einsetzbar ist das in der gesamten Konsumgüterindustrie, aber auch bei Produktionsmaschinen, Steuergeräten, Analysegeräten: „Das kann ein Riesenbereich werden”, sagt Walch. Swarovski Optik will diese Technologie etwa für seine Ferngläser nützen, denn diese neuen intelligenten Oberflächen können ohne Änderung des Designs oder der haptischen Qualitäten eingesetzt werden und dabei die Bedienbarkeit erweitern.

Für kdg opticomp ist das COMET-Projekt eine großartige Chance, gleich am Beginn einer neuen, sehr zukunftsträchtigen Technologie als Mitentwickler in einem hochkarätigen Netzwerk dabei sein zu können. Das Besondere daran: Die gesamte Wertschöpfungskette sei im Netzwerk vertreten, sagt Walch.

Kundenorientierung und Schnelligkeit

kdg opticomp arbeitet aktuell in fünf Forschungsprojekten mit, zwei weitere stehen in Ausarbeitung. Dabei geht es zum einen um so genannte
Lab-On-A-Chip-Systeme, also komplette Laboreinrichtungen, die sich auf kleinen Einweg-Chips befinden und u. a. zur Analyse von Abwässern, für Toxizitätstests oder zur Erkennung von schwer nachweisbaren Krankheiten eingesetzt werden. Zum anderen bleibt die kdg nach wie vor den Mikrostrukturen treu und erarbeitet Prozesse zur Massenproduktion dreidimensionaler Komponenten mit funktionellen Oberflächenstrukturen im Bereich weniger Mikrometer bis hin zu einigen hundert Nanometern.

Wichtig für den Markterfolg seien dabei Kundenorientierung und Schnelligkeit, sagt Walch. Zudem braucht es Zähigkeit. Denn viele Entwicklungen benötigen bis zur Massenfertigung etliche Jahre. Doch kdg opticomp, das innerhalb der 115-Mitarbeiter-Gruppe kdg noch ein relativ kleiner Bereich ist, hat einen klaren Fokus: deutliches Wachstum.

»Weitere Informationen: kdg opticomp

Galerie:
kdg opticomp
CEO Michael Hosp
F&E-Projektleiter Manuel Walch
Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!