Die Politik muss der Bahn auf die Sprünge helfen

Tagung der Euregio-Kammern: Die Wirtschaft ist bereit zur Verkehrsverlagerung – aber die Bahn muss ausbauen, modernisieren und in den Tarifen attraktiv werden.

„Die momentane Diskussion zur Eindämmung des Transitverkehrs ist ausschließlich auf die großen Lkw bezogen – das läuft eindeutig in eine falsche Richtung“, ist Präsident Bodenseer überzeugt. Fahrverbote alleine sind keine Lösung und bringen noch keine Verkehrsverlagerung. „Die Bahn muss auf Vordermann gebracht werden. Denn wer eine Verlagerung des Lkw-Verkehrs auf die Schiene fordert, muss auch dafür sorgen, dass das Angebot der Bahn den Anforderungen der Wirtschaft entspricht. Und hier ist noch einiges zu tun.“

Bei der heutigen Tagung der Euregio-Kammern von Tirol, Südtirol und Trentino wird eine Resolution verabschiedet, die ein Bekenntnis der Wirtschaft zur Verkehrsverlagerung beinhaltet, aber auch klare Forderungen an die Bahnbetreiber richtet, ihre Leistungen deutlich zu verbessern und marktfähig zu machen.

Die Liste der Schwachstellen im alpenquerenden Schienengüterverkehr ist lang und wird sicher auch nicht von heute auf morgen umgesetzt werden können. Aber viele Punkte könnten bei einigem guten Willen rasch und ohne großen Aufwand geändert werden. Beispielsweise ist es ein Unding, dass am Brennerpass das Zugschluss-Zeichen getauscht werden muss, weil Österreich und Italien unterschiedliche Regelungen haben. „Dieser überholte Bürokratismus sorgt unnötig für Verzögerungen“, kritisiert Jürgen Bodenseer.

Bahn braucht genügend Lokführer

Auch der Ausbau der im Brennerkorridor liegenden Güterterminals muss ohne Verzögerungen angegangen werden. Die Elektrifizierung und Verlängerung von Ladegleisen sind vorrangig durchzuführen, damit überhaupt ein signifikanter Teil des Güterverkehrs auf die Schiene verlagert werden kann.

Zudem kosten langwierige Umkoppelungen Zeit und Geld. Es gibt nur wenige moderne Mehrstromloks, die den Erfordernissen der italienischen Staatsbahnen UND jenen der ÖBB entsprechen. Es müssen genügend Waggons, mehrstromtaugliche Lokomotiven samt einer ausreichenden Zahl an Lokführern zur Verfügung stehen, sonst scheitert die verstärkte Verlagerung von der Straße auf die Schiene. Es ist fast täglich so, dass Züge warten müssen, weil Lokführer fehlen.

Was es ebenfalls dringend braucht, sind garantierte Laufzeiten. Ein Bahntransport in Österreich muss innerhalb von 24 Stunden und in Europa innerhalb von 48 Stunden möglich sein, sonst ist die Bahn im Wettbewerb um die Ladungen von vornherein auf verlorenem Posten.

Die Kammerpräsidenten fordern die heimischen Politiker eindringlich auf, auf die im Staatsbesitz befindlichen Bahnunternehmen und die Finanz- und Verkehrsminister Druck auszuüben, damit dieser Verkehrsträger seine Systemvorteile auch ausspielen kann. Dann erst ist “Verlagern” kein politisches Schlagwort und keine politische Beruhigungspille für die Bevölkerung mehr, sondern kann gelebte Praxis werden.

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