Rad WM 2018: Feuerwerk der Superlative

Die Rad WM wird das mit Abstand größte Sommerevent, das Tirol je gesehen hat. Knapp 250 Millionen Radsport-Fans erleben das Land dabei weltweit aus der Vogelperspektive. Tagelang. „Es ist eine Riesenchance“, weiß unter anderem Christoph Walser.

Radsport-Fans sind anders. Ein bisschen verrückt irgendwie und jedenfalls enorm leidenschaftlich, wenn es darum geht, ihren Sport zu leben und zu erleben. Ein kleiner Blick zurück – via youtube etwa – nach Bergen, wo 2017 die letzte Straßenrad WM stattfand, lässt diesen Funken in Windeseile überspringen. Aus der Perspektive des Eurosport-Hubschraubers ist es ein buntfröhliches „Zuschauer-Gewusel“, das da am Straßenrand stehend die besten der besten Radfahrer anfeuert, norwegische Flaggen schwingt und die Fieberkurve ansteigen lässt, je näher die Rennfahrer dem Ziel kommen. Immer wieder streift der Kamerablick in die Landschaft, am Straßenbelag haben eifrige Fans Botschaften für ihre Helden hinterlassen, mit deren enormem Speed die TV-Beobachter sich dem Finish nähern. Als dann Peter Sagan, der rasende Slowake, zum Endspurt ansetzt und die über 250 Kilometer als Weltschnellster meistert, gibt es kein Halten mehr in Bergen. Die Stadt tobt, ganz Norwegen tanzt und Peter Sagan darf als erster Radrennfahrer zum dritten Mal in Folge das berühmte Regenbogen-Jersey anziehen – die höchste Auszeichnung im Radsport seit 1927 damit begonnen wurde, jedes Jahr das Saisonende mit der Straßenrad – WM zu zelebrieren.

Mehr als bei Olympia

Von 22. bis 30. September 2018 findet diese Weltmeisterschaft in Tirol statt. „Tirol hat noch nie eine solche Veranstaltung gesehen – mit so vielen Fans. Ich denke, dass da mehr Zuschauer sein werden, als damals bei Olympia“, ist Thomas Kreidl überzeugt. Kreidl ist in der Radl-Welt zu Hause, ist Chef des Radsportfachgeschäfts Pro-Bike in Schwaz, verfolgt die Berichterstattung über die Radrennen dieser Welt mit selbstverständlicher Leidenschaft und weiß: „Bei allen Übertragungen war die WM in Tirol Thema. Beim Giro, der Tour de France, der Spanienrundfahrt und so weiter – immer war von Tirol die Rede.“

Nun ist es soweit. Tirol steht im Mittelpunkt. Und weil es – anders als Norwegen eben – auch im geografischen Mittelpunkt der europäischen Radfahrernationen liegt, darf die Zahl der Fans, die bei der Weltmeisterschaft dabei sein wollen, auch höher eingeschätzt werden. Von 500.000 Zuschauern gehen die Veranstalter aus. „Doch das ist konservativ gerechnet“, stellte Esther Wilhelm, Kommunikationsverantwortliche für die Rad WM bei der Infoveranstaltung in der Tiroler Wirtschaftskammer fest.

Ob es mehr werden, liegt zu einem nachvollziehbaren Motivationsgrad am Wetter. Dass es mehr werden könnten, liegt an der Lage Tirols. Die Italiener betrachten diese WM gar als Heim-WM, weil Tirol so nahe ist. Ähnlich verhält es sich mit Deutschland aber auch für andere radlnarrische Länder, wie Frankreich, Belgien, Spanien, Holland, Tschechien oder Slowenien ist die Distanz nach Tirol keine Herausforderung. Radfahren ist ein echter Breitensport. „Das wird bei uns ein wenig unterschätzt“, meint Mario Gerber, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WK Tirol, und hält fest: „Das ist auch ganz anders, als bei einer Fußball WM, wo sich alles auf einen Punkt konzentriert, das Stadion, das im Grunde genommen sehr austauschbar ist.“

Universum-Sendung im Dauermodus

Im Gegensatz dazu lebt eine Rad-WM gleichsam von den lebendigen Bildern des Landes, in dem sie stattfindet. „Eine Studie hat gezeigt, dass 61 Prozent der Tour de France-Seher mehr an schönen Landschaftsbildern als am Sport interessiert sind“, weiß Joe Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung, der selbst leidenschaftlicher Radfahrer ist. Er hofft, dass der Funke der so außergewöhnlich begeisterungsfähigen Rad-Fans überspringt. Das könnte schnell gelingen, denn entlang der fast übers ganze Land verstreuten Rad WM-Strecken wird den einheimischen Zuschauern ganz schön oft das Herz aufgehen, wenn sie ihren Ort und ihre Heimat von oben sehen und wissen, dass genau in diesem Moment rund 250 Millionen Menschen in 150 Ländern der Welt vor den Fernsehern sitzen und ihren Garten, den Kirchturm ihres Dorfes oder den Hausberg sehen.

Der Clou der Rad WM in Tirol ist, dass es mehrere Startpunkte gibt und das Netz der Strecken viele Regionen und Ortschaften umfasst. Die Area 47 am Eingang des Ötztales zählt genauso dazu, wie die Region Hall-Wattens und die Swarovski Kristallwelten, das Alpbachtal-Seenland rund um Rattenberg – und Kufstein. Schweißtreibende Strecken sind es, die mit purer Muskelkraft überwunden werden müssen und sie enden allesamt vor der Hofburg in Innsbruck. Es wird wie eine Universum-Sendung im Dauermodus. Und für die stolzen Momente der Einheimischen liefern die acht Weltmeisterschafts-Tage mit ihren zwölf
Rennen zahlreiche Möglichkeiten.

Diese Möglichkeiten sind auch Werbemöglichkeiten. Natürlich sind sie das. „Veranstaltungen wie die UCI Straßenrad WM haben internationale Strahlkraft und festigen langfristig unsere Position als führendes Sportland der Alpen. Innsbruck und Tirol schreibt mit diesem Großereignis sprichwörtlich weltweit Sportgeschichte und das in einer Sommer!Disziplin, die über rund acht Monate im Jahr ausgeübt werden kann“, setzt Margreiter auf eine Image-Bildung mit nachhaltigem Effekt. Dem kann Mario Gerber nur zustimmen: „Radfahren ist ein Thema, das ganz aktuell ist und ganz trendy. Die Räder werden leichter, sie werden erschwinglicher und ganz egal, wo du in Tirol lebst, kannst du in die Täler reinfahren, mit dem Mountainbike auf eine Alm oder auf den Berg und du kannst mit dem Rennrad auf der asphaltierten Straße im Inntal fahren oder ins Kühtai rauf und hinten wieder runter.“

Wider die Großevent-Kritik

Dass Tirol eine schräge Beziehung zu Großveranstaltungen hat, ist nicht neu. Der Rechnungshofrohbericht zur finanziellen Organisation der Rad- und der Nordischen WM (2019 in Seefeld), der am Tag vor der Veranstaltung für Schlagzeilen sorgte, hatte die skeptische Grundstimmung auch nicht wirklich aufgelockert. „Sollte es ein Budgetloch geben, müssen wir selbstverständlich analysieren, warum es entstanden ist und für die Zukunft lernen, es besser zu machen“, nimmt Mario Gerber die Einwürfe ernst, „einen Teil der Kritik kann ich verstehen, als Unternehmer habe ich auch Bauchweh, wenn die Zahlen nicht stimmen. Doch abgerechnet wird nach der WM. Es tut mir im Herzen weh, wenn etwas schon schlecht geredet wird, bevor man wirklich weiß, was rauskommt.“

Mit rund 13 Millionen Euro sind die Kosten für die WM veranschlagt. Derart große Veranstaltungen, die ein Höchstmaß an Logistik, ein weltmeisterliches Zusammenspiel mit der Exekutive, Reibungslosigkeit in der Abwicklung und wohlwollendes Verständnis der von Straßensperren betroffenen Bevölkerung und Unternehmen erfordern, haben ihre Tücken. Beste Voraussetzungen für die rund 1.000 Athleten, ihre Begleiter und die Zuschauer zu gewährleisten ist das A & O des nahen sportlichen Höhepunktes im Jahr der „Rennradler“.

Tirol Werbung-Chef Margreiter hält zur Finanzkritik im Vorfeld fest: „Ich kenne den Bericht des Rechnungshofes nicht, dessen Kritik ist aber natürlich ernst zu nehmen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die Rad WM einen großen Nutzen stiftet. Diese positiven Effekte gilt es weiterhin zu kommunizieren. Wobei finanzielle Kennzahlen wie Wertschöpfung aus meiner Sicht weniger Überzeugungskraft haben als direkt erlebbare Vorteile.“

Wertschöpfung auf zwei Rädern

Die für die WM optimierte Radinfrastruktur oder die neuen und sanierten Radwege sind die direkt erlebbaren Vorteile, die Margreiter meint. Doch auch die Wertschöpfungszahlen haben ihren Reiz. Stefan Garbislander, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik, Innovation und Strategie in der WK Tirol, hat sich die Zahlen vorgeknöpft und anhand des regionalwirtschaftlichen Simulationsmodells die erwartbaren Wertschöpfungseffekte errechnet. Der Herausforderung, dass einige Zahlen im Zusammenhang mit der Rad WM in Tirol – wie etwa die Zuschauerzahl oder die mit dem Sportereignis verbundenen Nächtigungseffekte – Annahmen, respektive Schätzungen sind, begegnete Garbislander mit der Berücksichtigung entsprechender Werte der vergangenen UCI Straßenweltmeisterschaften in Bergen (2017) und Salzburg (2006). „Insgesamt kann von einem Nachfrageimpuls in Höhe von 35 Millionen Euro ausgegangen werden, welcher sich aufteilt auf 60 Prozent Beherbergung und Gastronomie, 25 Prozent Einzelhandel und 15 Prozent Unterhaltung und Kultur“, so Garbislander. Da die Zuschauerzahl, wie erwähnt, konservativ gerechnet wurde, kann es durchaus mehr werden und jedenfalls sind die Effekte nicht auf die Septembertage beschränkt. „Durch die zusätzlichen Multiplikationseffekte wird das Bruttoregionalprodukt im Jahr 2019 um 6,5 Millionen Euro erhöht und 80 Vollzeitäquivalente geschaffen“, so Garbislander.

Noch nicht zu berechnen, sind die Auswirkungen der Rad WM auf das Image Tirols, das zwischen 22. und 30. September 2018 weltweit als „Radl-Land“ wahrgenommen werden wird. Anfang August 2018 wurde dieses Potenzial im Rahmen der Informationsveranstaltung der WK Tirol zur Rad-WM unterstrichen und Christoph Walser, WK-Bezirksobmann Innsbruck-Land, brachte die vielfältigen Effekte auf den Punkt: „Es ist eine Riesenchance.“

Übrigens: In allen Gemeinden, in denen am Sonntag, 23. September 2018, und Sonntag, 30. September 2018, die UCI Straßenrad WM stattfindet, dürfen die Geschäfte an der Rennstrecke im Sinne der Tourismusorteregelung aufgesperrt werden. Sämtliche Orte und das genaue Sortiment finden Sie hier!

 

Wissenswertes rund um die Rad WM:

 

infografik_tw_rad-wm_082018

 


Für Besucher der Tiroler Wirtschaftskammer in Innsbruck:
Hier finden Sie Informationen über die Straßensperren während der UCI Rad WM 2018 rund um die WK Tirol

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