GeoVille: Champions der Erdbeobachtung

Das Innsbrucker Unternehmen GeoVille ist weltweit führend, wenn es darum geht, die Erde zu beobachten und dabei kniffligste Fragen zu lösen. Die Antworten haben das Potenzial, die Welt zu verändern und Andreas Walli weiß: „Es ist irrsinnig spannend.“

Die unberührten Flecken der Erde zu kartographieren war die Uridee, als Christian Hoffmann Ende der 1990er Jahre die Firma GeoVille gründete. Lange bevor mit Google Earth die Vogelperspektive Einzug in den Alltag der Menschen hielt und sie mit den neuen Perspektiven zu fesseln verstand, war der Firmengründer der Faszination längst erlegen. Auch auf spielerische, doch vielmehr auf professionelle Art. Erstaunlich früh legte er damit den Grundstein für ein Unternehmen, das heute weltweit die Nummer Eins in der Erdbeobachtung ist. „Unser technisches Know-how ist der Schlüssel. Mit dem haben wir unsere Firma aufgebaut”, weiß Andreas Walli, der GeoVille zusammen mit Christian Hoffmann und Jürgen Weichselbaum zu einem Dreh- und Angelpunkt im globalen Landmonitoring fixierte. Die unterschiedlichsten Daten von Satelliten – optische oder mit Infrarot- oder Radartechnologien gewonnene – so zu verarbeiten, dass auch die kniffligsten Fragen beantwortet werden können, ist ihre Spezialität.

Im Gedanken, die Welt mit neuen Augen zu sehen, steckt viel Entdecker-Reiz. „Die Grundfakten auf der Welt sind aber sehr ernüchternd”, sagt Andreas Walli. Die Entwicklung der Umwelt zu beobachten und objektive Daten dazu zu liefern, ist ein Schwerpunkt des Unternehmens. Ob es nun die Abholzung der Urwälder auf indonesischen Inseln für die Palmölproduktion betrifft, die Veränderung der Küsten in Afrika, die Flächenversiegelung in Eu-ropa oder das CO2-Monitoring in der Türkei – stets sind es Einblicke in die ganz reale Welt, mit denen GeoVille auch Entscheidungsgrundlagen für Politik oder Wirtschaft liefert. Die Wirkung ihrer Erkenntnisse ist meist so unmittelbar, wie direkt. Ein gutes Gefühl, damit zu einer besseren Welt beizutragen? „Auf jeden Fall”, sagt Walli und erklärt: „Speziell bei den öffentlichen Kunden sind die Daten der ultimative Grund, zu handeln. Es sind ja real basierte, objektive Entscheidungshilfen und keine Stichproben oder Vermutungen.”

“Hier sind Drachen”

Auf frühen Weltkarten beschrieben die Kartographen den Raum jenseits des Bekannten mit den Worten „Hier sind Drachen” (Hic sunt Dracones). Heute haben die Drachen eine andere Gestalt, sie bewegen sich und in der Möglichkeit, diese Bewegungen mittels Satellitendaten festzuhalten, liegt auch der größte Unterschied der GeoVille-Karten zu den zeitlich statischen Karten von früher. In einem Zyklus von zwei Wochen kann jeder Punkt der Erde neu erfasst werden und die europäischen Satelliten schaffen es, wöchentlich ganz Europa „neu” abzubilden. „Der zeitliche Faktor ist der wichtigste. Wir können Veränderungen der Landschaft aufzeigen – ob diese nun durch die Natur passieren, die Menschen oder – über einen längeren Zeitraum selbstverständlich – durch das Klima”, so Walli.

Vor diesem Hintergrund bietet GeoVille etwa Schlüssellösungen für Emission-Monitoring nach Kyoto-Protokoll an, das vor allem im Zusammenhang mit den Klimastrategien und -zielen weltweit an Bedeutung gewinnt. Die Erdbeobachtungen des Tiroler Unternehmens liefern aber auch Grundlagen für essenzielle wie existenzielle Ressourcenfragen, die die Welt bewegen und in richtungsweisende Entscheidungen münden. Energie, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Forstwirtschaft. Dass sich vieles in Richtung Ökosystemmonitoring bewegt, ist für Andreas Walli schön zu beobachten: „Es ist ein krasser Gegensatz. Auf der einen Seite dreht sich alles um Konsum, Massenproduktion und billig. Auf der anderen Seite wird alles gesamtheitlicher gesehen. Meiner Meinung nach wird das gesamtheitliche System siegen, sonst kann das gar nicht weiter gehen.”

GeoVille setzt auf Forschung- und Entwicklung

Um die Erde in der Intensität zu beobachten, bedarf es viel Know-how und die Anforderungen werden immer komplexer. Früh schon wurde bei der Verarbeitung der Daten auf künstliche Intelligenz gesetzt, in den Büros arbeiten vermehrt Quantenphysiker, Mathematiker und IT-Spezialisten. Dass es dem vergleichsweise kleinen Dienstleistungsunternehmen gelingt, Mitarbeiter zu gewinnen, liegt vor allem daran, dass die Thematik an sich so spannend ist. „Ich übe da schon Kritik am Schul- und Universitätswesen in Österreich. Auffallend ist, dass an den Fachhochschulen, wie der FH Kufstein, junge Professoren ein Know-how umsetzen, das toll ist. Es bewegt sich viel, doch die Grundausbildung ist problematisch”, hält Walli fest.

Traditionell werden bei GeoVille rund 30 Prozent in Forschung- und Entwicklung investiert, um stets neuen Fragen neue Lösungen bieten zu können, oder auch mal mit Lösungen neue Fragen zu wecken. Diese lebendige Offenheit ist es, die das Unternehmen prägt und den Hintergrund für vorausschauende Investitionen liefert. Wie etwa jene in eine Großcomputeranlage in Wien, wo die enorme Datenmenge, die längst in Petabyte gemessen wird, „Platz” hat. Mit dem Zugang zu Großrechnern ist es auch möglich, Services zu entwickeln und anzubieten, die über die Hightech-Kartographie hinaus gehen.

Innsbruck als Hotspot

„Wir sind gerade im Begriff, eine eigene Firma in Holland zu gründen”, so Walli. Die Niederlande sind Heimat der größten Agrofoodhändler der Welt und die haben gute Gründe dafür, an den GeoVille-Lösungen interessiert zu sein. „In der Kartoffelindustrie beispielsweise gehen 30 Prozent der Ernte verloren, weil das Erntegut falsch transportiert wird. Weiß man, wie die Kartoffeln in den letzten Wochen aufgewachsen sind, können Temperatur und Feuchtigkeit in den Transportcontainern dementsprechend eingestellt werden”, erklärt Walli den Service, dessen positiver Impact sich umgehend erschließt.

Zu den Partnern des Innsbrucker Unternehmens zählen die Europäische Weltraumorganisation (ESA) genauso wie die Umweltagentur der Europäischen Kommission, die Weltbank oder die Asian Developement Bank, Firmen wie Airbus oder Siemens und so gut wie aller Herren Länder. Erst, wer weiß, welchen Beitrag das Unternehmen bei der Verarbeitung der Satellitendaten leistet, wundert sich nicht darüber, dass zur Konferenz, die anlässlich des 20-jährigen Bestandsjubiläums im Herbst 2018 in Innsbruck abgehalten wird, der Direktor der ESA persönlich erscheinen wird und hochrangige Vertreter der EU-Kommission sich diesen Termin nicht entgehen lassen. „Sie kommen, um darüber zu diskutieren, wie es mit der Erdbeobachtung weitergehen soll und muss”, sagt Walli. Geht es um diese Frage, ist Innsbruck ein Hotspot. „Der Einfluss von Informationen wird immer signifikanter, darum sehe ich für GeoVille eine sehr positive Zukunft”, sagt Andreas Walli und hält fest: „Wir möchten europaweit und international expandieren – nicht größenwahnsinnig, aber wir sind hungrig, den Informationsbedarf zu stillen.”

Bild oben: GeoVille wird gemeinsam von Andreas Walli, Christian Hoffmann und Jürgen Weichselbaum geleitet (v.l.).

»Weitere Informationen: GeoVille Information Systems and Data Processing GmbH

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