Ferialjob & Co.: Beschäftigung in den Sommerferien

Drei verschiedene Varianten der Ferialbeschäftigung sind möglich: Ferialpraktikum, Ferialarbeitsverhältnis oder Volontariat. Zusätzlich besteht für Schüler die Möglichkeit des „Schnupperns“ während der Sommerferien.

Wer ist Ferialpraktikant?

Ferialpraktikanten sind Schüler oder Studenten, die als Ergänzung zu ihrer schulischen Ausbildung ein vorgeschriebenes Pflichtpraktikum in einem Betrieb absolvieren, wobei der Ausbildungszweck im Vordergrund steht. Der Ferialpraktikant ist kein Arbeitnehmer im arbeitsrechtlichen Sinn. Es gelten für ihn daher die  arbeitsrechtlichen Bestimmungen wie etwa Urlaubsgesetz, Entgeltfortzahlungsgesetz, Angestelltengesetz oder Kollektivvertrag (KV) nicht.

Der Ferialpraktikant hat keine Arbeitsverpflichtung und keinen Anspruch auf ein Arbeitsentgelt. Der Betrieb kann dem Praktikanten freiwillig ein Taschengeld bezahlen, muss ihn dann aber bei der Sozialversicherung anmelden. Übersteigt das Taschengeld die Geringfügigkeitsgrenze (2018: 438,05 monatlich), führt dies zur Vollversicherung.

Achtung: Werden in einem KV spezielle Regelungen hinsichtlich der Ferialpraktikanten getroffen, sind diese zu beachten! Der KV kann z.B. vorsehen, dass Ferialpraktikanten wie Arbeitnehmer zu behandeln sind. Solche Ferialpraktikanten unterliegen den gesetzlichen und  entsprechenden kollektivvertraglichen Bestimmungen über Entlohnung, Entgeltfortzahlung, Urlaub etc. So können z.B. Ferialpraktikanten im Hotel- und Gastgewerbe nur im Rahmen von Arbeitsverhältnissen  beschäftigt werden.

Wer ist Ferialarbeitnehmer?

Ferialarbeitnehmer sind Schüler oder Studenten, die in der Ferienzeit in „normalen“  Beschäftigungsverhältnissen Einkommen erwerben, um damit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Es liegt ein „normales“ Arbeitsverhältnis vor, daher gelten die arbeitsrechtlichen Bestimmungen. Ferialarbeitnehmer unterliegen je nach Art der Beschäftigung den im Betrieb anzuwendenden Kollektivverträgen für Arbeiter oder Angestellte. Damit haben sie Anspruch auf die kollektivvertragliche Mindestentlohnung. Einzelne KV sehen für Ferialarbeitnehmer ein geringeres Mindestentgelt vor. Ferialarbeitnehmer sind somit immer zur Pflichtversicherung bei der Sozialversicherung anzumelden.
Achtung: Sollte ein unbefristetes Dienstverhältnis abgeschlossen werden, kann nur nach den jeweiligen kollektivvertraglichen oder gesetzlichen Bestimmungen gekündigt werden.

Was ist ein Volontariat?

Das Besondere an einem Volontär ist, dass er bereits über eine theoretische Ausbildung verfügt und kurzfristig in einem Betrieb arbeitet, um seine erworbenen Kenntnisse zu erweitern oder zu vertiefen, ohne dass dies von einer Schulvorschrift gefordert wird.

Volontäre sind keine Arbeitnehmer, sie sind somit nicht weisungsgebunden und brauchen keine Arbeitszeiten einhalten. Volontäre haben keinen Anspruch auf Entgelt, sondern beziehen allenfalls nur ein Taschengeld. Für Volontäre besteht keine Sozialversicherungspflicht,
sie sind lediglich unfallversicherungspflichtig und direkt bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) in Salzburg anzumelden.

Achtung: Wird einem Volontär ein Taschengeld gezahlt – wenn auch unter der Geringfügigkeitsgrenze – ist dieser Volontär als lohnsteuerpflichtiger Dienstnehmer der Pflichtversicherung unterworfen. Eine Anmeldung bei der AUVA ist dann nicht mehr ausreichend, sondern es bedarf einer Anmeldung bei der Sozialversicherung.

„Schnuppern“ in den Ferien

Die Möglichkeit des „Schnupperns“ bzw. der individuellen Berufsorientierung während der Ferien besteht für sämtliche Schüler im oder nach dem 8. Schuljahr, sofern im folgenden Schuljahr die Schule weiterbesucht wird und die Zustimmung der Erziehungsberechtigten vorliegt.

Die Dauer beträgt maximal 15 Tage pro Betrieb und Kalenderjahr, wobei weder bei der AUVA noch bei der Gebietskrankenkasse eine Anmeldung zu erfolgen hat. Da für die Schüler keinerlei Arbeitsleistungsverpflichtung besteht, muss vom Arbeitgeber auch kein Entgelt bezahlt werden.

 

Expertentipp - Arbeitsentgelt

von Christian Ladner, Arbeits- und Sozialrecht, WK Tirol

Mag. Christian Ladner
Auch wenn Ferialpraktikanten grundsätzlich kein Anrecht auf ein Arbeitsentgelt haben, gibt es dennoch in einigen Kollektivverträgen Ausnahmebestimmungen. Nehmen Sie daher vor Abschluss des Ferialpraktikums Kontakt mit der Abteilung für Arbeit- und Sozialrecht auf!

Tiroler Wirtschaftskammer Arbeits- und Sozialrecht
T 05 90 90 5-1111
E arbeitsrecht@wktirol.at
W WKO.at/tirol/arbeitsrecht

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