Geppert punktet mit Qualität im Export

Das Familienunternehmen Geppert wird immer wieder in Tirol angefordert, um qualitätvolle Wasserkraftlösungen umzusetzen. Doch 80 Prozent des Geschäfts macht Geppert inzwischen im Ausland, und die Firma will das Exportgeschäft künftig noch ausbauen.

„Der Export ist für ein Familienunternehmen wie das unsere überlebenswichtig“, sagt Geschäftsführer Guntram Geppert. Dies, obwohl der Haller Kraftwerksanlagenanbieter immer schöne Aufträge vor Ort ausführt: So etwa das Kraftwerk Winkeltal der Gemeinde Außervillgraten, wo Geppert eine Peltontrubine mit einer Engpassleistung von 2,6 MW installierte, inklusive elektromechanischer Ausrüstung für das Krafthaus.

Im Vorjahr wurde etwa auch das Gemeindekraftwerk St. Leonhard im Pitztal feierlich eröffnet und die Kraftwerke Stallerbach und Kalksteinbach in Innervillgraten. Geppert wurde auch beim Kraftwerk Obere Sill mit der Revitalisierung der Turbinen samt neuer Verteilleitung beauftragt.  Doch den Großteil des Geschäfts macht das Familienunternehmen im Ausland. Dazu wurden in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen: Die 80-prozentige Exportquote kommt nicht von ungefähr. So war Geppert im Vorjahr auf Fachmessen in Lima (Peru), Santiago (Chile) und Medellin (Kolumbien) vertreten. Und Südamerika ist auch ein Export-Hoffnungsgebiet für Geppert. Zuletzt hat das Unternehmen etwa nach Honduras oder Chile liefern können.

Neue Hoffnungsmärkte

Der Aufbau des Südamerika-Marktes war nicht einfach. Geppert arbeitet dort mit Vertriebspartnern zusammen, die auf Provisionsbasis für das Haller Unternehmen arbeiten, und nicht immer gelang es dort, die wirklich besten Leute gleich auf Anhieb zu finden, wie Guntram Geppert berichtet. Stark punkten konnte Geppert in den letzten Jahren auch in Asien, mit Aufträgen etwa im Iran oder in Bhutan, teilweise unter schwierigsten Bedingungen: In Bhutan musste die schwere Geppert-Turbine per Lkw-Transport über eine Straßenbrücke, die nur fünf Tonnen Gewicht erlaubte.

„Gottseidank waren indische Blauhelme in der Nähe, die wir überreden konnten, die Brücke zu unterstellen. Das hat einige Abendessen gekostet, aber es hat funktioniert“, berichtet Geppert. Der Transport ist bei Kraftwerksanlagen immer schwierig, insbesondere bei Exportaufträgen. So kostet die Fracht für Anlagenteile, die zu groß für einen Schiffscontainer sind, gleich unangenehm viel. Geppert versucht daher schon in der Konstruktionsabteilung, die Anlagen auch auf die Bedürfnisse des Transports hin zu planen.

Aktuell arbeitet Geppert an Kraftwerksanlagen in 16 Ländern weltweit, mittlerweile schon großteils außerhalb der EU. Was Märkte wie Asien und Südamerika interessant macht, ist das dort teilweise kräftige Wirtschaftswachstum und der dort wachsende Energiebedarf. Die Auslandsmärkte helfen auch, Schwankungen in den Nahmärkten auszugleichen und Unsicherheiten durch lange Genehmigungsverfahren für Kraftwerksprojekte zu überbrücken, sagt Geppert. Geholfen hat für den Exportaufbau das Netz an Wirtschaftsdelegierten, das die Wirtschaftskammer-Organisation weltweit unterhält. Auch Wirtschaftsmissionen der Kammer waren schon hilfreich, berichtet Geppert.

Handschlagqualität bei Geppert

Vielfach hilft auch das Image als Familienunternehmen. Oft sind die Auftraggeber im Ausland ebenfalls Familienunternehmen. Die schätzen die Handschlagqualität und hohe Verlässlichkeit eines Familienunternehmens, wie Geppert sagt. Sie goutieren aber auch die Stärken des Haller Unternehmens: die hohe Qualität der Produktion sowie die Tatsache, dass Geppert absolut maßgeschneiderte Lösungen für seine Kunden anbietet. So liefert und montiert das Unternehmen verschiedene Turbinentypen und individuelle Gesamtlösungen je nach Bedarf, teilweise auch als Komplettanbieter.

Wo immer es möglich ist, montieren auch die Geppert-Mitarbeiter selbst die gelieferten Anlagen an ihrem Einsatzort. Verschiedene Anlagekonfigurationen werden bei Kleinwasserkraftanlagen eingesetzt, abhängig von Nutzfallhöhe, Ausbauwassermenge und Betriebsart. Je nach Auslegungsdaten und Jahresganglinie kommen Pelton-, Francis- Diagonal- oder Kaplanturbinen zum Einsatz. und mit der selbst entwickelten „Diagonalturbine“ hat das Unternehmen „ein konkurrenzloses Produkt in seinem Sortiment“, wie der Geschäftsführer sagen kann. Die Lauf- und Leitschaufeln sind dabei auf die wechselnde zulaufende Wassermenge einstellbar, und sorgen so für insgesamt hohe Wirkungsgrade. Die Geppert-Anlagen werden meist vollautomatisiert und mit einer Fernüberwachung und Visualisierung ausgerüstet, so dass die Kraftwerke sehr personalsparend betrieben werden können.

Fischfreundliche Kraftwerkslösung

Voraussetzung für künftiges Wachstum ist das neue Firmengebäude in Hall, das vor zwei Jahren eröffnet wurde, inklusive Fernwärmeanbindung und Photovoltaik-Anlage, Wasserkühlung über einen eigenen Grundwasserbrunnen und Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energieträgern. Geppert hat in den neuen Standort insgesamt 16 Millionen Euro investiert – fast einen gesamten Jahresumsatz. Dafür ist jetzt Platz, um wichtige Vorleistungen selbst zu erbringen und sogar Lohnfertigung für andere Anbieter auf den Gebieten Drehfräsen, Sandstrahlen, Umbiegen oder digitale Vermessungen zu betreiben.

Punkten will Geppert künftig mit seinen Schachtkraftwerken, die besonders fischfreundlich sind. Hier sieht Guntram Geppert noch „großes Potenzial. Diese besonders fischfreundliche Kraftwerkslösung kann an allen Flüssen weltweit Anwendung finden.“ Unlängst wurde so ein Geppert-Schachtkraftwerk an der Loisach bei Großweil (Bayern) eröffnet. Ein Horizontalrechen am Grunde des Flusses und völlig im Wasser positionierte Turbinen sorgen für die Sicherheit der Fische – „richtungsweisend“, wie Geppert sagt, denn es ist das erste Kraftwerk Deutschlands, das in einem Fauna-Flora-Habitat errichtet werden durfte.

Das Wasserkraftwerksgeschäft ist hart umkämpft. Dennoch ortet Geppert Zukunftschancen: „Unsere Produkte sind zum Nutzen der Menschheit, sie bedeuten CO2-freie Energieerzeugung und einen aktiven Beitrag zum Klima und Umweltschutz. Wasserkraftanlagen haben eine ungleich bessere Energiebilanz als andere Energiequellen und sie sorgen für eine maximale Wertschöpfung im Inland“. Und auch die E-Mobilität trage nur dann zum Umweltschutz bei, wenn sie aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser gespeist wird.

»Weitere Informationen: Geppert GmbH

Wilfried (l.) und Guntram Geppert machten das Familienunternehmen zu einem international geschätzten Anbieter.

Wilfried (l.) und Guntram Geppert machten das Familienunternehmen zu einem international geschätzten Anbieter.

Meilensteine der Firmengeschichte
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