Gerald Hörhan als punk(t)genauer Provokateur

Sein Auftritt am MCI war wie ein intellektuelles Punk-Konzert. Gnadenlos elegant führte Investment-Star Gerald Hörhan dabei sein Publikum vor, prophezeite dem old-school-Establishment den Untergang in der digitalen Welt und schrie: „Schaltet das Denken ein!”

Eine These war rasch bewiesen. Dass simple Denkleistungen keine Kategorien mehr sind in der Ausbildung junger Menschen. Als wolle er derart vernachlässigte und durch digitale Krücken betäubte Gehirnwindungen durchpusten, bombardierte Gerald Hörhan, der als Investment-Punk bekannte, energiegeladene österreichische Investor, Manager und Autor, sein Publikum am MCI in Innsbruck mit Fragen. „Wie alt wirst du in 13 Jahren sein”, lautete jene, die der damit angesprochene 25-Jährige mit 48 beantwortete. Touche! „Kopfrechnen, das habt ihr schon bewiesen, wurde verlernt”, so Hörhan. Es waren großteils Studierende des Management Centers Innsbruck (MCI), die da am 11. April 2018 an den Lippen des Investment-Punks hingen. Dieser Umstand hätte derartigen Rechen-Momenten eine durchaus peinliche Note verleihen können, doch so elegant, wie der Vortragende es verstand, sein Publikum vorzuführen, so elegant verstand er es auch, das Blatt zu wenden und den Anwesenden seine animierende Botschaft einzutrichtern: „Denken, Denken, Denken! Nur mit Mut, Kreativität, Risikobereitschaft und Denken könnt ihr in Zukunft erfolgreich sein!”

Hörhan – der Punk

Bummvoll war die Aula des MCI, mit dem Hörhan zwei neue Masterstudiengänge organisiert, die im Herbst 2018 starten sollen. „Full house, richtig geil, ich freue mich in den Bergen zu sein”, begann Hörhan den Auftritt. Nicht nur die Wortwahl sondern auch sein Outfit – löchrige Jeans, mit dem Union Jack verzierte Doc Martens, Schlabber-T-Shirt und zu leichtem Igel gegelte Haare – sind sein Markenzeichen. Er selbst ist die Marke und er versteht es auch, sie zu pflegen.

Der Lebenslauf des 42-Jährigen ist längst legendär. Silbermedaille bei der internationalen Mathematikolympiade in Istanbul 1993, fünf Jahre später Magna Cum Laude-Abschluss des Studiums der angewandten Mathematik und Wirtschaft an der Harvard University, dann Lektor an seiner Ivy League Uni, Investmentbanker bei JP Morgan in New York sowie Mc Kinsey in Frankfurt und seit 2003 höchst erfolgreicher Unternehmer in den Bereichen Investment Banking, Corporate Finance und Immobilien.

Dieser Hintergrund lässt gemeinhin einen Burnout-gefährdeten Mann vermuten, der mit Anzug, Krawatte und einkommensbedingter Hochnäsigkeit seinen Teil der Welt regiert. Genau das ist Hörhan nicht und genau dieses Bild der uniformen Karrieristen ist es auch, das er am MCI verbal in Stücke zerschlug. „In den traditionellen Systemen lernt man die wichtigsten Skills nicht. Wenn in Firmen – und das betrifft ganze Konzerne und Industrien – Denken und Kritik verboten sind, muss man guten Leuten Schmerzensgeld zahlen, um dort zu arbeiten”, machte Hörhan nicht nur darauf aufmerksam, dass mit altem Denken keine Fragen der Gegenwart geschweige denn der Zukunft beantwortet werden können, sondern auch, dass die Wirtschaftswelt an einem Scheideweg steht. Und mit ihr der ganze Rest: „Entweder die Menschen beginnen zu denken, oder sie verschimmeln in der digitalen Welt. Entweder auch die politischen Vertreter beginnen zu denken, oder Internetkonzerne sammeln immer größere Mengen des Profits, zahlen nirgendwo Steuern und ihre Algorithmen sagen 99 Prozent der Bevölkerung, was sie tun sollen. Die Gefahr ist sehr groß.”

Das Olympiaprinzip

Das Olympiaprinzip nach dem die digitale Ökonomie funktioniert, ist eine – etwa mit Amazon, Google oder Facebook – längst bewiesene Zäsur in der Wirtschaftsgeschichte. „The winner takes it all. Der erste bekommt 50 Prozent des Profits der gesamten Branche, der zweite 30 Prozent, der dritte 15 Prozent und für den Rest bleiben fünf Prozent als Brotkrümel über”, so Hörhan. Keine Branche wird verschont: „Hier heißt es aufpassen. Das betrifft jeden von euch. Egal ob du Handwerker oder Gastronom, Uniprofessor oder Rechtsanwalt bist. Kreativität, Disziplin und Denken ist es, worum es geht.”

Nur einen Tag bevor Hörhan in Innsbruck den Untergang der starren, den Herausforderungen blind trotzenden old school-Systeme – ob Universitäten, Banken oder Industrien – prophezeite, konnte die Essenz seiner Botschaft live beobachtet werden. Am 10. April 2018 war Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine Art Stargast im US-Kongress gewesen. „Das US-amerikanische politische Establishment hat sich de facto von einem 33-jährigen vorführen lassen”, so das Fazit des Investment Punks.

Nach dem Datenskandal rund um die Social Media-Plattform standen Fragen im Raum, die zu beantworten dringend notwendig gewesen wäre. Die Transparenz von Algorithmen, nach deren Regeln die User mit Botschaften „beglückt” werden und denen ein nicht unerheblicher Einfluss auf „große” Entscheidungen wie den Brexit oder die Wahl Präsident Trumps zugeschrieben wird, hätte dort angesprochen werden können. Etwa, um den Status Quo der Demokratien abzuklopfen. Die 44 Senatoren hätten auch aufzeigen können, dass das Geschäftsmodell von Facebook eigentlich unvereinbar ist mit jeglicher Form von Datenschutz – ein Widerspruch, der aufgrund der Datenschutzgrundverordnung zumindest in Europa diskutiert wird. Doch nichts dergleichen passierte. „Die Politiker haben keine Ahnung, keinen blassen Schimmer vom Geschäftsmodell von Facebook”, weiß Hörhan.

Der Scheidepunkt

Dass die Unwissenheit der Verantwortlichen nicht nur eine Regulierung der mächtigen IT-Konzerne erschwert, sondern wie Dünger auf das Wachstum des globalen Monopolkonzerns wirkt, zeigte sich blitzschnell. Der zuvor zitternde Aktienkurs von Facebook legte bereits während der Anhörung Zuckerbergs vor dem US-Senat um 4,5 Prozent zu. Das Silicon Valley amüsierte sich und für den Gründer Zuckerberg, der das Olympiaprinzip der digitalen Ökonomie als einer der ersten erkannte und zu nutzen verstand, bedeutete das einen Vermögenszuwachs von rund 2,8 Milliarden US-Dollar. Dies alles zu verstehen, den Scheidepunkt zu sehen und darauf zu reagieren, ist die größte Herausforderung der Zukunft. Für Studierende, Unternehmer, Politiker – ja, alle. Gerald Hörhans Rezept wird angesichts dessen immer entscheidender. Darum wiederholte er es im Zuge seines Vortrages auch wie ein Mantra: „Denken, Denken, Denken!”

»Weitere Informationen: Investment Punk

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