5G – Rasend breit und rasend schnell

Wieder ist Innsbruck Pionier-Stadt für Zukunftstechnologien. Mit den ersten 5G-Funkzellen Österreichs wird hier getestet, was die Daten-Kommunikation revolutionieren soll. „Es ist wirklich ein Quantensprung”, weiß Herbert Frech, Telekommunikationsexperte der Tiroler Wirtschaftskammer.

„Wir zeigen in Innsbruck den nächsten Evolutionssprung des Mobilfunks: 5G live in der Stadt und nicht im Labor”, hielt Rüdiger Köster, CTO T-Mobile Austria, Mitte Februar 2018 freudig fest und seine Wortwahl weckt ein Schmunzeln. Evolution. Wird der Begriff mit der biologischen Entwicklung der Lebewesen in Zusammenhang gebracht, taucht vor dem geistigen Auge die Ahnenreihe der Menschen auf – vom gebückten Primaten hin zum aufrecht dahin schreitenden Kerl.

Jahrhunderte und Jahrtausende sind bei dieser Entwicklung die zeitlichen Komponenten. Der Evolutionssprung aber, von dem Köster spricht, dauerte gerade mal neun Jahre. 2009 schon war die Tiroler Landeshauptstadt zur Pionierstadt von LTE, der damals neuesten mobilen Kommunikationstechnologie, auserkoren worden. Und in einer Zeitspanne, die sich „menschheitsgeschichtlich” gar nicht messen lässt, steht die Welt schon wieder vor einer Revolution. „5G ist wirklich ein Quantensprung. Die Wirtschaft kann da sehr starke Hoffnungen darauf setzen und ich bin auch sehr froh, dass der Pilot in Innsbruck stattfindet”, sagt Herbert Frech, Telekommunikationsexperte der WK Tirol und konkretisiert: „Bei der Bandbreite spricht man von Gigabit pro Sekunde und die Reaktionszeiten sind beim 5G-Standard zehn Mal schneller.”

5G sorgt für Echtzeit

Die in Innsbruck getestete Vorversion schafft eine Übertragungsrate von zwei Gigabit pro Sekunde und eine Latenz von nur drei Millisekunden. Vereinfacht könnte man sagen, dass dadurch die Kommunikation zwischen den verschiedenen IT-Anwendungen in Echtzeit ermöglicht wird. Bei der Präsentation wurde das beispielsweise mit dem ersten 5G-Drohnenflug demonstriert. Bislang konnten Drohnen, beispielsweise bei einem unvorhersehbaren und darum auch nicht vorprogrammierbaren Rettungseinsatz, nicht über Mobilfunk gesteuert werden. Der Echtzeit-Drohnenflug bei dem zudem ein hochauflösendes Kamerabild zum Piloten übertragen wird, ist nur eine Anwendung der neuen Mobilfunkgeneration. „Für IoT – Internet of Things ist es notwendig, dass die Zeiten des Datenaustauschs extrem klein sind. Denken sie nur an die selbstfahrenden Autos. Die sind in aller Munde, werden meiner Meinung nach so schnell nicht kommen, doch möglich wird auch das nur, wenn die Computer extrem schnell reagieren können und nichts mehr stockt”, so Frech.

Dass noch nicht genau gesagt werden kann, wie und wo genau die rasend breiten und rasend schnellen Datenübertragungsmöglichkeiten in Zukunft genutzt werden, liegt eben daran, dass sich die Technologien so rasend schnell entwickeln. Die dramatischen Technologiesprünge machen es schwer, genaue Zukunftsmodelle zu entwickeln. „Ich glaube nicht, dass das ratzfatz von vielen genutzt wird. Viele haben noch technische Geräte, die diese Datenmengen nicht verarbeiten können beziehungsweise die Technologie noch nicht unterstützen können. Doch wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass jeder ein Smartphone besitzt und Apps herunterlädt”, blickt Stefan Weber, Medientechnikexperte bei PKE Innsbruck ein paar Jahre zurück und ein paar voraus: „Ich glaube nicht, dass das innerhalb von Monaten geht, aber in ein paar Jahren werden das sicher viele nutzen.”

Im Rahmen des 5G-Summits in Dresden, der Ende September 2017 einen Blick in die Zukunft warf, wurde beispielsweise festgestellt, dass das neue Netz die Welt noch einmal so beeinflussen werde, wie die Smartphones von heute es bereits getan haben. Und Ende März 2018 hielt Johannes Gungl, Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs GmbH (RTR), auf der Veranstaltung „5G und Co: Neue Netze, neue Chancen” fest: „Denken Sie bei 5G nicht ans Surfen, sondern daran, wie Sie ihr Geschäft mit dieser Technologie weiterentwickeln können. Es liegt an jeder einzelnen Industrie, für sich die Vorteile von 5G zu generieren.”

Zukunftsmusik

Für die Medien- und Werbeindustrie eröffnet die neue Technologie etwa die Möglichkeit, Echtzeitberichterstattung, Live-Streaming oder Videoberichterstattung elegant auszubauen. Revolutionäre Auswirkungen werden in den Bereichen Smart Home, smarte Verkehrslösungen oder Industrie 4.0 erwartet und eine A.D. Little Studie hat die potenziellen Auswirkungen der 5G-Entwicklung auf den Wirtschaftsstandort Österreich errechnet. Demnach könnte im optimalen Fall, dass Österreich 5G-Vorreiter ist, ein zusätzlicher BIP-Beitrag von vier Milliarden Euro und 35.000 zusätzlichen Beschäftigten generiert werden und 5G würde zum Nährboden für eine gesamtvolkswirtschaftliche Weiterentwicklung.

Bei aller Zukunftsmusik bleibt Faktum, dass Österreich in dem Zusammenhang gespannt auf
Innsbruck blickt, wo mit dem starken Glasfasernetz bereits die besten Voraussetzungen für den 5G-Ausbau geschaffen wurden – müssen die Senderstandorte doch mit Glasfaser „angefahren” werden. „Ich bin überzeugt, dass es in Zukunft eine sinnvolle Co-Existenz der beiden Systeme – also Glasfaser und 5G – geben wird”, sagt Herbert Frech und hält fest: „Ja, da wird ganz Österreich die Entwicklung in Innsbruck beobachten. Keine Frage.”

Driton Emini, T-Mobile Abteilungsleiter Radio Networks, präsentiert den 5G-Speedtest in Innsbruck. Foto: t-mobile/Steindl

Driton Emini, T-Mobile Abteilungsleiter Radio Networks, präsentiert den 5G-Speedtest in Innsbruck. Foto: t-mobile/Steindl

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