Im Interesse der Kunden: Reisebüros klagen gegen Lufthansa-Diskriminierung

Die Lufthansa-Gruppe will in Zukunft ihre Angebote nur noch über eigene Kanäle verkaufen. Buchungen im Reisebüro werden damit für Kunden unattraktiv. Die Tiroler Reisebüros erwägen Klage.

Reisekunden können künftig nicht mehr über die offenen Reservierungs-Systeme (GDS) buchen, die derzeit noch sämtliche touristischen Angebote (Flug, Hotel, Mietwagen usw.) auf einen Blick darstellen. Wer in Zukunft über GDS (Global Distribution Systems) buchen möchte wird von der LH-Gruppe finanziell schlechter gestellt.

Ab nächster Woche wird die Lufthansa-Gruppe Best-Preise nur noch über direkte oder NDC (New Distribution Capability)-Buchungskanäle anbieten. Reisebüros, die ihre Buchungen über andere Kanäle tätigen, bekommen diese günstigen Tarife dann nicht mehr. Betroffen sind die Light- und Classic-Tarife auf vielen europäischen Strecken. Auch die Sitzplatzreservierungen auf Langstreckenflügen werden nur bei Buchung über die geförderten Buchungskanäle günstiger.

Kunden im Reisebüro werden benachteiligt

„Die Buchung im Reisebüro wird damit unattraktiv für Kunden. Reisebüros werden gezwungen, auf andere Systeme umzusteigen, um weiterhin wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können. Damit gehen aber auch sämtliche Preisvergleichsmöglichkeiten, die über GDS möglich sind, verloren“, zeigen sich Felix König, Obmann des Fachverbandes der Reisebüros und Andreas Kröll, Obmann der Tiroler Reisebüros, empört.

Besondere Brisanz hat diese Lufthansa-Vorgehensweise in Österreich. In einem noch nicht rechtskräftigen Urteil des österreichischen Kartellgerichts wurde festgehalten, dass bei der Lufthansa-Gruppe gegenüber den österreichischen Reisebüros eine relative Marktbeherrschung vorliegt. Dies hätte nach Ansicht des Fachverbandes die Auswirkung, dass Reisebüros nicht diskriminiert bzw. ihnen keine unangemessenen Preise verrechnet werden dürften.

Kröll: besondere Arroganz von Quasimonopolist 

„Die Lufthansa-Gruppe treibt auch während des laufenden Verfahrens vor dem Obersten Gerichtshof die Verdrängung der Reisebüros voran und schwächt damit diese für die Konsumenten wichtige, objektive Vertriebsstelle für Flugreisen. Wir werden alle Schritte der Lufthansa jedenfalls mit Argusaugen beobachten und gegebenenfalls weiter dagegen vorgehen“, so König.

„Das Verhalten der Lufthansa-Gruppe ist einzig und alleine mit ihrer Stellung als Quasimonopolist in Österreich zu erklären. Kein Marktteilnehmer, der sich dem fairen Wettbewerb stellen muss, könnte sich ein derartiges Verhalten leisten. Dass Gerichtsurteile, auch wenn sie noch nicht rechtskräftig sind, einfach negiert werden, zeugt von besonderer Arroganz der Lufthansa-Gruppe“, so Kröll.

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