Bäckerei “brotkultur”: Tradition statt Industrie in Fieberbrunn

Vor über 15 Jahren hat Bäckermeister Georg Hasenauer die ehemalige Bäckerei Hörfarter in Fieberbrunn übernommen. Unter dem Namen “brotkultur” und mit moderner Backstube, aber ursprünglichen Rezepten, führt er das Unternehmen in die Zukunft.

„Ich war bei der Konkurrenz tätig, als das Angebot kam, die Bäckerei Hörfarter zu pachten. Kurzentschlossen entschied ich mich dafür und veränderte damit nicht nur mein eigenes Leben, sondern auch das meiner Familie”, erzählt Georg Hasenauer, der im Jahr 2002 die Fieberbrunner Traditionsbäckerei übernahm und damit den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Mittlerweile sind 16 Jahre vergangen und Hasenauer hat seine Entscheidung nie bereut. Im Gegenteil: Gemeinsam mit seiner besseren Hälfte Petra und den inzwischen erwachsen gewordenen Kindern hat er den Betrieb, in dem er seinerzeit schon seine Lehre absolvierte, stetig ausgebaut und zu dem gemacht, was er heute ist.

Der erste Pachtvertrag war vorerst auf zehn Jahre befristet. Der Name Hörfarter wurde daher anfänglich noch weitergeführt, um eine langerhaltene Tradition der Region aufrechtzuerhalten. „Die Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass unsere Familie den Betrieb dauerhaft übernehmen möchte. Da der Nachwuchs ebenfalls bereits in den Startlöchern steht, haben wir den Firmenwortlaut inzwischen zu „brotkultur” geändert, um uns mehr mit unserem eigenen Betrieb identifizieren zu können”, so Hasenauer.

brotkultur startet durch

Vor knapp zwei Jahren wurde die nur etwa 200m2 große Backstube im Ortskern zu eng, daher erwarb Hasenauer kurzerhand das ehemalige „Leiternmacherhaus” im Ortsteil Moosbach in´St. Jakob in Haus und baute es zu einer geräumigen Bäckerei mit topmoderner Ausstattung um. Pro Tag werden hier nun beispielsweise zwischen 8.000 und 10.000 Semmeln produziert. Die Herstellung des Kleingebäcks läuft maschinell und großteils digitalisiert ab, in anderen Bereichen muss noch kräftig angepackt werden, oder es ist Fingerspitzengefühl gefragt – wie etwa beim Verzieren der Torten.

In der Backstube arbeiten durchschnittlich vier Angestellte und meist ein Lehrling – insgesamt beschäftigt das Unternehmen knapp 30 Mitarbeiter. Auch die gesamte Familie ist im Unternehmen tätig: Partnerin Petra Wimmer und Tochter Nicole sind vielseitig im Einsatz, vor allem im Büro, aber auch im Verkauf. Sohn Matthias ist der Mann für alles. Er erledigt Reparaturen, liefert Brot aus oder hilft in der Backstube. Familienoberhaupt und Bäckermeister Georg Hasenauer ist fast ausschließlich in der Backstube tätig.

Nächtliche Arbeit fürs Frühstück

„Ich stehe täglich ab 1.00 Uhr nachts in der Backstube, um ca. 9.00 Uhr in der Früh ist das Gröbste erledigt und die Backwaren können ausgeliefert werden. Damit ist mein Arbeitstag aber noch lange nicht zu Ende: Der Sauerteig – unser größter Stolz – muss bereits für den nächsten Tag vorbereitet werden, denn für eine optimale Gärung benötigt er ausreichend Zeit. Außerdem werden Kuchen-Rohlinge vorgebacken und die Backstube auf Vordermann gebracht”, beschreibt Georg Hasenauer seinen routinierten Tagesablauf.

Neben den eigenen Filialen in Fieberbrunn-Dorf, St. Ulrich, Hochfilzen und Leogang beschickt Hasenauer auch die drei Spar-Märkte in Fieberbrunn, St. Ulrich und St. Johann sowie viele Gastronomiebetriebe in der Region mit Brot, Klein- und Feingebäck sowie Torten.

Bei allen Produkten wird sehr viel Wert auf Qualität gelegt und auf chemische Zusatzstoffe verzichtet. „Keine Fertigmischungen” lautet das Credo bei brotkultur. „Wir backen nach traditionellen Rezepten, die noch von früher überliefert sind, oder nach unseren eigenen Kreationen. Im Laufe der Zeit haben wir das ursprüngliche Grundsortiment ausgebaut. Derzeit ist vor allem das Urgetreide auf dem Vormarsch und somit auch Backwaren mit diesem sehr beliebt. Aber auch Dinkelbrote boomen”, berichtet Hasenauer von den aktuellen Trends in der Backwelt und führt weiter aus: „Viele Leute wissen gar nicht, dass 90 Prozent unserer Brotwaren vegan sind. Der oft diskutierte Einsatz von Schweinefett kommt bei uns nicht vor. Auf Vorbestellung liefern wir auch glutenfreie Brote.”

Geschmack wieder wertschätzen

Produkte ohne Zusatzstoffe schmecken nicht nur besser, sondern sind auch weitaus verträglicher. „Die Leute schätzen Qualität heutzutage wieder mehr und müssen dafür nicht unbedingt tiefer in die Tasche greifen. Trotzdem wird das ursprüngliche Bäckerhandwerk nur noch selten ausgeübt”, weiß Hasenauer, denn der Fachkräftemangel trifft auch seinen Betrieb mit voller Wucht. Eine weitere Expansion ist vorerst nicht geplant und auch an der Anzahl der Filialen wird sich künftig nichts mehr ändern, trotzdem möchte Hasenauer laufend in das bestehende Unternehmen investieren und ist deshalb immer auf der Suche nach motivierten Auszubildenden.

Frischer Brotduft liegt in der Luft. Einkaufen und gemütlich Kaffee trinken in den brotkultur-Filialen im Bezirk Kitzbühel.

Frischer Brotduft liegt in der Luft. Einkaufen und gemütlich Kaffee trinken in den brotkultur-Filialen im Bezirk Kitzbühel.

 

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!