Standort Tirol: Outdoor-Sog mit Langzeitwirkung

Tirol hat sich zu einem Magneten für Outdoor-Marken aus aller Welt gemausert. Action-Sport-Unternehmen schätzen Berge, Lage und Authentizität. Die Kult-Marke Burton ist längst nicht mehr allein.

Es war ein Zufall, der eine Geschichte schrieb, die über 30 Jahre später nichts von ihrem Reiz verloren hat. Im Gegenteil. Burton-Gründer Jake Burton Carpenter hatte in den 1980er Jahren einen Produzenten gesucht, der Ski-Technologie auf seine neuesten Snowboard-Muster übertragen konnte. In Tirol war er fündig geworden und der Spediteur Hermann Kapferer kümmerte sich persönlich darum, dass die Muster noch rechtzeitig zu einer Messe in Las Vegas geliefert werden konnten. „Dort lernte er Jake persönlich kennen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und beschlossen, den europäischen Burton-Standort in Innsbruck, Hermanns Heimat, aufzubauen”, erzählt Oliver Zaletel (Vice President Finance, Operations, HR Europe). 32 Jahre lang leitete Kapferer daraufhin die europäischen Geschäfte der Kultmarke, im Januar 2017 ging er in den Ruhestand und übergab die Verantwortung an Zaletel und Franck Waterlot.

„Was zufällig entstand, hat sich über die Jahre mehrfach bewährt. Innsbruck ist mit seiner zentraleuropäischen Lage und seiner ausgeprägten alpinen Sportkultur ein sehr guter Standort für uns”, weiß Zaletel. Er unterstreicht die alpinen Vorteile des Landes, wo mit den Gletscherregionen Snowboarden im Winter wie im Sommer möglich ist und hält zudem fest: „Tirol ist allgemein sehr outdooraffin und wir haben hier sehr viele Unterstützer und Befürworter, die mit uns den Sport vorantreiben.”

Hohe Outdoor-Affinität

Outdoor-Affinität, Geographie und Lage haben vor allem in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass sich Tirol zu einem Magneten für Outdoor- und Action-Marken entwickeln konnte. Burton ist längst nicht mehr allein. Im Herbst 2012 eröffnete beispielsweise die US-amerikanische Skifirma „Armada Ski” ihre Europazentrale in Innsbruck. Die Verantwortlichen der Freeride-Marke, die Freeski-Meister Tanner Hall im Jahr 2002 zusammen mit fünf Gleichgesinnten gegründet hatte, setzen seither auf den Puls der Tiroler Landeshauptstadt. „Mit den vielen Skigebieten vor der Haustüre können wir fast das ganze Jahr unsere Modelle testen und Innovationen weiterentwickeln”, hielt Europa-Chef Tom Süßkoch in einem Interview fest.

Ähnlich klingt es, wenn Stefan Sinnegger erklärt, warum Innsbruck Heimat des Startup-Unternehmens „PowUnity” wurde: „Tirol ist ein sportbegeistertes Land mit einer super Lebensqualität. Da PowUnity Produkte für Sportler und mit Sportlern entwickelt, ist der Standort Innsbruck für das Unternehmen sehr gut.”

Sehr gut beziehungsweise echt bestechend ist auch die Idee, die Sinnegger zusammen mit zwei Partnern zu Entrepreneuren machte. Sie stellen die so genannten NeverLose-Geräte her, die Alarm schlagen, sobald ein Ski verloren geht. Die Geräte, die erstmals auf der ISPO 2015 vorgestellt wurden, werden am Ski verschraubt, sind via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden und erleichtern nicht nur die oftmals nervtötende Suche nach vom Schnee verdeckten Skiern, sondern alarmieren die Besitzer auch, sobald sich der Ski von der Skihütte entfernt – als Diebesgut.

Der Dominoeffekt

Ziemlich genau ein Jahr nachdem die NeverLose-Geräte auf der ISPO enormes Feedback auslösten, wurde bekannt gegeben, dass Innsbruck künftig auf dem Briefkopf einer weiteren Europa-Zentrale einer weiteren US-Marke genannt werden würde. Black Diamond Equipment ist ein schöner Fisch im Tiroler Standort-Teich. Die 1989 in den USA gegründete Firma ist ein weltweit führender Hersteller von Kletter-, Ski- und Bergsportausrüstung, deren europäischer Firmenhauptsitz bis dato in Basel gewesen war. Im Mai 2016 wurde Innsbruck die neue Zentrale und Tim Bantle, Europaverantwortlicher von Black Diamond, hielt fest: „Innsbruck liegt nahe an unseren größten Absatzmärkten und bietet ein attraktives Umfeld von verschiedenen Berg- und Action-Sport-Marken, deren Büros in der Region angesiedelt sind.”

Irgendwann muss in der alpinen beziehungsweise outdooraffinen Unternehmerwelt eine Art Dominoeffekt in Richtung Tirol eingesetzt haben. Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller- Frischauf stellte im Rahmen der frohen Black Diamond-Botschaft fest: „Besonders erfreulich ist, dass mit Black Diamond, Tirol und Innsbruck drei starke Marken zusammenfinden, die zentrale Werte wie die machtvolle Bergwelt, Kraft, Mut, Eigenwilligkeit oder die beständige Erneuerung teilen und von der jeweiligen Zugkraft ihrer Marken wechselseitig profitieren.”

Strahlkraft des Standortes Tirol

Ein schönes Bild, das für den Wirtschaftsstandort Tirol wie ein gutes Omen gewertet werden darf. Denn 2017 ging es weiter. Im Takt. Die Zugkraft der Berge verleitete den Berliner Unternehmer Carsten Sommer (NOX Cycles Mountainbikes) dazu, eine Schwestergesellschaft in Tirol zu gründen. Seit Oktober 2017 produziert die kleine aber feine Bike-Schmiede, die sich auf hochwertige E-Bikes spezialisiert hat, ihre Nox Hybrid Bikes im Zillertal. „Dieser Schritt war lange überfällig, denn die Bikes sind für den Einsatz in den Bergen konzipiert und dort sollten sie auch produziert und getestet werden”, begründet Sommer, der in der Symbiose aus Muskelkraft und E-Antrieb die Zukunft der Mountainbikes sieht, die Standortwahl.

Die Worte Mut, Kraft und Eigenwilligkeit hatte Zoller-Frischauf echt gut gewählt, passen sie doch auch für die Outdoor-Unternehmen, die gerne im Sog der Marken und Berge Tirols gefangen sind, wie die berühmte Faust aufs Auge. Dass sich die Hinter- und Beweggründe für einen Umzug nach Tirol derart ähneln, spricht für eine wirkungsvolle Stahlkraft des Standortes. Auch Nicolas Metz von Delayon Eyewear, einem Startup, das mit seinen qualitativ hochwertigen und ausgeklügelten Skibrillen den großen Platzhirschen der Branche die Stirn bietet, bestätigt dies: „Die Entscheidung der An- bzw. Umsiedlung nach Tirol war zunächst einmal geprägt durch das Umfeld. Delayon war immer durch die Berge und den Wintersport inspiriert. Nachdem wir mit den Skibrillen aktiv in den Wintersport eingestiegen sind und Tirol nicht nur privat unser Zuhause ist, sondern auch ein wichtiger Markt für uns, war die Übersiedlung eine natürliche Entscheidung.”

Infrastruktur, zentraleuropäische Lage, Natur und Authentizität des Landes sind offensichtlich ein guter Nährboden für alpen- und outdooraffine Unternehmen. „Hier fühlen wir uns bestens aufgehoben”, sagt Burton-Manager Oliver Zaletel. Und bestätigt damit die Langzeitwirkung.

„Was zufällig entstand, hat sich über die Jahre mehrfach bewährt", meint Oliver Zaletel über die Ansiedlung von „Burton" in Innsbruck.

„Was zufällig entstand, hat sich über die Jahre mehrfach bewährt”, meint Oliver Zaletel über die Ansiedlung von „Burton” in Innsbruck. Foto: Burton, Standortagentur Tirol

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