Inge Prader: “Es hat Peng gemacht”

Inge Prader hat von Lienz aus die Welt der Fotografie erobert. Sie hat unter anderem für die Modegrößen Jean-Paul Gaultier und Wolfgang Joop gearbeitet und Stars wie Dennis Hopper, Nena, Ronan Keating oder Anna Netrebko ins rechte Licht gerückt.

INTERVIEW

Inge Prader eröffnete bereits in jungen Jahren mit ihrem Mann Paul Prader in Wien ein Studio und schaffte es mit viel Kraft, Können und Ausdauer an die Spitze der internationalen Fotografenszene. Heute hat sie neben der Modefotografie noch eine zweite Leidenschaft entdeckt: Die Food-Fotografie. Mit viel Gefühl fürs Detail machte sie mit dem Buch „So schmeckt Osttirol“ ihrer alten Heimat eine Liebeserklärung, denn sowohl die Bilder als auch die Rezepte sind mit viel Sorgfalt von ihr ausgewählt worden.

wirtschaft.tirol: Frau Prader, wollten Sie immer schon Fotografin werden?
Inge Prader: Wenn ich ganz ehrlich bin: Es war eigenlich reiner Zufall. Ich wollte eine Lehre machen und bin zufällig bei einem Fotografen in Lienz gelandet. Und es hat sofort Peng gemacht – ich war von der Fotografie fasziniert und bin dabeigeblieben.

Wurden Sie als Frau in der Fotografie gleich akzeptiert?
Die Fotografie war damals eine reine Männerdomäne. Es hat sich hier mittlerweile zwar schon einiges getan, aber noch lange nicht genug. In der gesellschaftlichen Situation haben wir immer noch keinen gleichwertigen Status – und ich hoffe, dass die Mädels von heute noch selbstbewusster werden und lernen, sich gegen Männer durchzusetzen.

Was macht für Sie die Faszination Fotografie aus?
Also ich bin der Meinung, nur was man gern macht, macht man gut und ich mag meinen Beruf noch immer. Nachdem ich Menschen und Mode fotografiere, ist es ein stetiger Wandel. Kein Job ist wie der andere.

Haben Sie dann als Fotografenlehrling in Lienz schon früh den Wunsch verspürt, in die große weite Welt aufbrechen zu wollen?
Ja. So mit Anfang 20 war ich ein halbes Jahr in Amerika. Und in New York dachte ich mir: Da will ich hin, da geht die Post ab, da ist der Nabel der Welt. Doch dahin bin ich dann nie gekommen. Es wurde Wien, um dort nach der Lehre die Meisterprüfung an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt abzulegen. Als ich dort noch als Assistentin arbeitete, habe ich meinen Mann Paul, der Schüler war, kennengelernt. Mein größter Glücksfall.

Wann ist für Sie ein Foto perfekt gelungen?
Wenn ich und die Person, die ich ablichte, glücklich und zufrieden sind. Wobei, ich finde an jedem meiner Fotos etwas zum Aussetzen. Ich glaube, ich habe noch nie ein 100-prozentig perfektes Foto gemacht.

Mittlerweile sind sie beide bereits seit einigen Jahren verheiratet und führen gemeinsam ein Fotostudio? Wie funktioniert so ein „Familienbetrieb“ an 24 Stunden sieben Tage die Woche?
Am Anfang gab es irrsinnig viel Streit, weil wir uns als Fotografen nicht einig waren. Es kann ja nur einer abdrücken und wer hat das sagen? Doch dann entwickelte jeder sein Spezialgebiet. Wir haben einfach die Branchen gesplittet. Er ist mehr der Techniker und ich der extrovertierte Menschenfreund – seitdem funktioniert es perfekt.

Welche Chance hat man als Fotografin?
Wenig. Daher nehme ich auch jede Gelegenheit wahr, um das zu thematisieren. Rein theoretisch hat man als Fotografin das letzte Wort. Ich kann natürlich sagen, das mach ich nicht. Dann kann der Kunde sagen, dann zahlt er nicht. Dann kann man entscheiden, wie groß die Prinzipien sind. Es braucht einfach viel Kraft und Beharrlichkeit. Und da muss man als Fotografin einfach beherrscht, kalmierend und freundlich bleiben, sonst geht gar nix mehr. Das Stichwort lautet hier schlicht und einfach: Selbstbeherrschung.

Wie verändert sich mit der Digitalisierung der Beruf des Fotografen?
In der professionellen Fotografie wird nur noch digital gearbeitet. Den Beruf des Fotobearbeiters hat es früher nicht gegeben. Daraus haben sich einige Nischen entwickelt, ohne die es heute nicht mehr ginge.

Hat sich mit den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram & Co eine neue Chance der Selbstvermarktung aufgetan?
Natürlich. Aber es ist ein Fluch und ein Segen zugleich. Ich habe mich lange dagegen gewehrt und war weder auf Instagram noch auf Facebook. Irgendwann habe ich mich überreden lassen und bin jetzt dabei. Man ist besser vernetzt und leichter erreichbar. Die schlechte Seite ist, dass es wahnsinnig viel Zeit kostet. Diese alles überstrahlende Ich-Gesellschaft ist schon sehr zu hinterfragen. Viele leben dadurch in einer Art Blase. Hier ist es wichtig, auch mal den Blickwinkel zu wechseln.

Das Kochbuch „Wie schmeckt Osttirol“ – ist es eine Hommage an Ihre Heimat? Vom Haubenrestaurant bis zur Selchkammer ist dort alles zu finden…
Ich kann nicht kochen, nur essen. Ich war bei Freunden eingeladen und habe beim Kochen ein wenig mitfotografiert. Danach habe ich als Dankeschön ein privates Fotobuch für die Gastgeber gestaltet. Das ist so gut angekommen, dass ich mehr machen wollte – und das Buch „Wie schmeckt Osttirol“ gemacht habe. Mir war es einfach wichtig, die Menschen hinter den Geschichten zu zeigen und ins Rampenlicht zu stellen. So hatte ich auch die Möglichkeit, meine Heimat neu kennenzulernen. Das war ein richtiges Herzensprojekt und eine wunderschöne Arbeit.

Ein Tipp an junge Fotografinnen?
Eines vorweg: Nie aufgeben und immer nach vorne schauen. Und ohne Glück geht gar nix. In so vielen Momenten meines Lebens war ich zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und daraus hat sich wieder etwas Neues entwickelt. Der Markt ist heutzutage schwer umworben und die Fotografendichte ist unglaublich. Die Jungen haben es heute wirklich nicht leicht. Ich sage immer: Überlegt euch wirklich, ob die Fotografie das Um und Auf für euch ist und ihr die Leidenschaft dafür habt. Gerade in dieser Branche muss man den Job wirklich lieben, sonst macht man ihn nicht gut. Es braucht eine gewisse Empathie und die Gabe, schwierige Situationen immer professionell lösen zu können. Es ist wichtig, Praxis in Form von Praktika zu sammeln – und sich bitte nicht von dieser Glitzer- und Glamourwelt täuschen zu lassen.

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