Tiroler USA-Exporte: Boom trotz Präsident Trump

Mediale Paukenschläge und die Amerika-zuerst-Politik US-Präsident Donald Trumps vermitteln auch aus wirtschaftlicher Sicht ein düsteres Bild der USA. Der aktuelle Lagebericht Tiroler US-Exporteure, wie das Beispiel Riedel Glas zeigt, sieht anders aus.

Volatil beschreibt diesen Regierungsstil vielleicht am besten. Zugleich ist das Wort „schwankend“ ein diplomatischer Versuch, die durchaus als rüpelhaft interventionistisch oder mit Slogans wie „America first“ als isolationistisch wahrgenommene Wirtschaftspolitik US-Präsident Donald Trumps auf den Punkt zu bringen. „Die seit Jänner 2017 verfolgte Politik der Regierung Trump bewirkt jedenfalls das Gefühl erhöhter Unberechenbarkeit und Unsicherheit, welches sich mittelfristig auch auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken könnte“, meint Stephan Spazier, stellvertretender österreichischer Wirtschaftsdelegierter in New York.

Als Mitarbeiter des für 17 US-Bundesstaaten zuständigen AußenwirtschaftsCenters der WKO sitzt Spazier im pulsierenden Mittelpunkt des Netzwerks, das jene österreichischen Unternehmen verbindet, die den riesigen Markt zwischen Atlantik und Pazifik beackern. Sie tun es mit großem Erfolg und um den Status quo „seit Trump“ zu beschreiben, wendet sich Spazier weniger den medial oft mit lustvoller Düsternis beschriebenen Bildern zu, als vielmehr den klaren Zahlen: „2015 machten alleine die USA mehr als ein Drittel aller österreichischen Exportzuwächse aus und katapultierten den größten Markt der Welt damit zur eindeutigen Nummer Zwei für die österreichische Exportwirtschaft, was sich auch 2016 bestätigte.“

Seit 20. Jänner 2017 ist Präsident Trump im Amt und im ersten Halbjahr 2017 war bereits wieder ein österreichisches Exportwachstum von 7,7 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zu verzeichnen, importseitig sogar 17,7 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro.

Der ökonomische Sog des „Wilden Westens“ wird auch in Tirol verspürt. Tiroler Unternehmen erwirtschafteten im Jahr 2016 mit den USA den weltweit höchsten Handelsbilanzüberschuss von mehr als 432 Millionen Euro. 661,3 Millionen Euro betrugen in diesem Jahre die Tiroler Warenexporte in die USA, 228,7 Millionen die Importe.

Schwieriger Markt

„Für die Felder-Gruppe sind die USA ein sehr wichtiger, aber auch sehr schwieriger Markt“, stellt Martin Felder, Geschäftsführer der Felder KG fest, die mit ihren ausgeklügelten Holzbearbeitungsmaschinen seit vielen Jahren in den USA vertreten ist. „Wir haben in Kalifornien gestartet, einem riesen Ballungsraum mit viel Bedarf – aber aus steuerlicher Sicht einem der teuersten Länder. Dann sind wir nach Delaware, das für Unternehmen günstig ist und für uns von der Ostküste her besser zu erreichen“, lenkt Felder den Blick auf die großen Unterschiede zwischen den einzelnen US-Bundesstaaten.

Viele unternehmensrelevante Rahmen werden in den USA auf Länderebene oder lokal gesetzt. Vor dem Hintergrund werden auch die beängstigenden Meldungen aus der Trump-Regierung mit aufmerksamer Gelassenheit verfolgt. „Derzeit ist keine Veränderung spürbar. Ich sage bewusst: Derzeit. Es ist schwer einzuschätzen, wie es weiter geht“, sagt Felder, der vor allen die wirtschaftlich turbulenten Jahre nach 9/11 oder der Lehman-Pleite als Wechselbad der Gefühle beschreibt, doch: „Du kannst dich aus einem Markt nicht zurück ziehen, du hast ja Kundschaften dort und die wollen trotzdem bedient werden.“

Die Turbulenzen des neuen Jahrtausends hat Maximilian Riedel, CEO von Riedel Glas, ungefiltert miterlebt. 13 Jahre lang lebte und arbeitete der Vertreter der 11. Generation des stolzen Familienunternehmens in New York und verstand es, die Möglichkeiten zu entdecken und zu nutzen. Sein Wissen um die Feinheiten des US-Marktes veranlassen ihn dazu, die Auswirkungen der Trump-Regierung auf die Wirtschaft differenziert zu betrachten.

Amerikanische Art

Differenzierung verlangen auch die einzelnen Branchen, die nur im Zusammenhang mit den in den USA lauernden Chancen über einen Kamm geschert werden können. „Bis jetzt haben wir überhaupt keine Veränderung gespürt – weder auf bürokratischer noch auf Kundenseite“, beschreibt Markus Zanier seine Erfahrungen „seit Trump“. Der Geschäftsführer der Zanier Sport GesmbH, die es seit 1969 versteht, mit innovativen Handschuhen erfolgreich Lücken zu füllen, ist intensiv damit beschäftigt, den US-Markt zu erobern: „Wir sind in der Aufbauphase und versuchen, den Markt klar und strukturiert zu bearbeiten.“ Noch konnte Zanier keine Veränderungen wahr nehmen: „Vielleicht auch, weil unsere Produktgruppe nicht in Amerika produziert wird. In der Textilindustrie gibt es kaum noch Produktionen in den USA.“

Der Slogan „America first“ hat vor dem Hintergrund nur wenig potenziell bedrohlichen Biss. Für ein anderes Tiroler Unternehmen mit US-Ambitionen sind die Rahmen enger gesteckt, wobei diese Ausprägung von „America first“ weit zurück reicht und mit Trump nichts zu tun hat. „Wir sehen die USA innerhalb der nächsten fünf Jahre als realistischen Exportmarkt, weil deutsche Supermarktketten in den USA Fuß fassen beziehungsweise Strukturen aufbauen. Die wollen wir bedienen. Dafür brauchen wir eine Exportlizenz der USDA, doch bekommen wir derzeit keinen Audit-Termin“, blickt Christian Handl, CEO der Firma Handl Tyrol, über den Teich.

So manche Exporthürden

Für Lebensmittel im Allgemeinen und Fleischprodukte im Besonderen haben die USA relativ große Hürden aufgebaut, die zu überwinden nicht leicht sind. Lamm-, Ziegen-, Pferde- oder Hühnerfleisch darf weder roh noch verarbeitet in die USA eingeführt werden. „Bei Rind-, Kalb- und Schweinefleischimporten ist eine individuelle Zertifizierung der Zucht-, Zerlege- und Verarbeitungsbetriebe erforderlich“, weiß Stephan Spazier. Der Aufwand für eine derartige Zertifizierung kann aufgrund eventuell anfallender Adaptierungen der Anlagen umfangreich und teuer werden. Aktuell verfügt nur ein österreichischer Fleisch-Verarbeitungsbetrieb über eine individuelle Exportlizenz. Handl will der nächste sein.

Das Tiroler Unternehmen ist für ein strenges Audit auch bestens gerüstet, doch hapert es auf anderer Ebene. „Betriebe, die an einer Zulassung zum Export interessiert sind, müssen sich über ihren zuständigen amtlichen Tierarzt mit dem USA-Beauftragten des BMG für Exporte in die USA in Verbindung setzen. Derzeit gibt es keinen Senior Firstliner im veterinärmedizinischen Bereich, der vom BM zur Verfügung gestellt wird. Der letzte hat sein Amt erst vor wenigen Monaten niedergelegt“, erklärt Stephan Spazier.

Trotz des bürokratischen Irrgartens dies- und jenseits des Atlantiks gibt Handl nicht auf: „Wir werden 2018 weiter machen und wieder anklopfen. Es ist sicher nicht so, dass es momentan eine g‘mahte Wiese ist, doch sehe ich Amerika als sehr spannenden Markt.“

Spezielle Nischen besetzt

Wie spannend er ist, zeigen die Zahlen. Sie nähren die Hoffnung, dass der Markt spannend bleibt. Gregor Leitner, Leiter der Abteilung Außenwirtschaft der WK Tirol, tut das auch: „Wenn man sich tagtäglich nur an den Medien orientiert, dürfte man wahrscheinlich gar nichts mehr machen. Da sind die Unternehmer im Großen und Ganzen recht abgebrüht und schauen sich das in Ruhe an. Unsere Firmen sind eher in kleineren Bereichen tätig, in speziellen Nischen – da bewegen sie sich, was die großen Themenfelder anbelangt, unterm Radar.“ Selbst wenn die Unberechenbarkeit der Trump-Regierung zu Unsicherheiten führt, ist „unterm Radar“ nicht die schlechteste Position.

Differenzierte Betrachtung

INTERVIEW

CEO Maximilian Riedel über die Bedeutung des USA-Markts für das Tiroler Paradeunternehmen.

50 Prozent des Riedel-Umsatzes läuft über die USA. Bild: Lorenzoni

TW: Wie wichtig ist der US-Markt für Riedel Glas?

Maximilian Riedel: 50 Prozent des Riedel-Umsatzes – rund 60 Millionen Dollar – läuft über die USA. Es ist der wichtigste Markt, der größte und zur Zeit einer der schwierigsten. Ich weiß nicht, inwieweit Präsident Trump dafür verantwortlich zu machen ist, aber sein Einfluss auf die jetzige Wirtschaftssituation bezüglich Luxusprodukten, wie unseren, ist sicherlich als eher negativ zu bewerten.

Sind Auswirkungen neuer US-Präsidentschaften im Handel so direkt spürbar?

Absolut. Das fängt mit dem Wahljahr selber an. Da weiß jeder, dass der Umsatz im Handel schwächer sein wird. Das Wahljahr ist eine Herausforderung für den Handel und ich würde sagen, auch das erste Jahr danach, weil man sich auf viele neue Dinge einstellen muss.

Wie bewerten Sie die jüngst beschlossene Steuerreform?

Sie bringt gigantische Vorteile für Unternehmer und ist für uns ein Grund, uns noch mehr auf die USA zu konzentrieren.

Lösen etwaige Verschärfungen der Visa-Bestimmungen Unruhe bei Ihnen aus?

Nein. Ein Visum für die USA zu bekommen ist genauso schwierig, wie ein Visum in Österreich zu bekommen.

Muss die Präsidentschaft Trump differenziert betrachtet werden?

Unbedingt. Ich mache auch Geschäfte mit ihm – wir sind Glaslieferant für seine Hotels und Weingüter. Ich bin ein Fan der USA und werde es ein Leben lang sein.

 

Exportmarkt USA: Zahlen, Daten, Fakten
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