Trendwende bei den Lehrlingszahlen

Heuer im Frühjahr ist erstmals seit 2008 die Zahl der Lehrlinge im ersten Jahr wieder leicht gestiegen. Weltweit werde das österreichische System der dualen Ausbildung bestaunt, sagte Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl, der eine Trendwende sieht.

Die Aufregung um die Durchfaller-Quote von 20 Prozent bei Lehrabschlussprüfungen versteht Leitl nicht. Beim zweiten Anlauf würden es immerhin 95 Prozent schaffen, das sei vergleichbar mit den AHS. „Würde alles beim ersten Mal klappen, wäre das Ganze wohl auch nicht viel wert“, argumentiert Leitl.

Zurzeit beraten die Verhandler von ÖVP und FPÖ das Kapitel Bildung. “Die Regierung redet über Bildungsprogramme, wir setzen Schritte”, so Leitl in seiner Pressekonferenz am Mittwoch. Die jungen Leute will Leitl im Netz abholen. Jetzt im November ging eine kammereigene Plattform “probierdichaus.at” online, die Jugendlichen bei der Berufswahl aus 200 Lehrberufen zur Hand gehen soll. Dabei will man die Schüler vor allem von den traditionellen oder „Modeberufen“ weglocken. Immerhin sind jetzt doppelt so viele Mädchen in technischen Ausbildungen wie noch vor zehn Jahren – auch wenn der Ausgangswert natürlich gering war.

Nachdem die Politik aus Budgetgründen nicht dazu in der Lage gewesen war, hat die Wirtschaftskammer selbst einen sogenannten Talentecheck entwickelt, bei denen sich berufliche Interessen und Stärken feststellen lassen. Drei Viertel der 13- bzw. 14-jährigen Schüler sind damit schon abgedeckt. Viele AHS sind noch skeptisch, weil sie fürchten, Schüler zu verlieren. Die Kammer fordert daher, dass solche Talentechecks flächendeckend und verpflichtend sind.

Als “bildungspolitische Vision” schwebt Leitl vor, mit 19 Jahren “alles zu haben”, also Lehre plus Matura beziehungsweise Matura mit Lehre. Dem sollte die neue Regierung mehr Augenmerk schenken. Auch den vielen Studienabbrechern müsste mit extra Jahrgängen einer Intensivlehre für eine fundierte Berufsausbildung eine neue Chance gegeben werden.

Ende Oktober gab es in Österreich 4,2 Prozent mehr Lehrlinge als im Jahr davor, quer über alle Branchen waren es 30.497. Um fast 4 Prozent rückläufig war die Zahl der jungen Menschen in der überbetrieblichen Lehrausbildung – also auf Ausbildungsplätzen für jene, die keinen regulären Lehrplatz gefunden haben. Leitl sagte, er stehe für ein Grundnetz. Junge Leute, die nicht zum Zug kämen, dürften nicht einfach sitzen gelassen werden. Derzeit gibt es noch immer zehn Prozent eines Geburtsjahrgangs, die die Grundschule nicht positiv abschließen oder die Lehre abbrechen. Diese Abbruch-Quoten will die Wirtschaft verringern.

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