Exportmarkt Katalonien: Tirols Firmen sollten “Plan B” haben

Größte Unsicherheit herrscht derzeit bei allen Unternehmen, die in der spanischen Region Katalonien tätig sind. Wenn die Katalanen sich von Spanien unabhängig machen, dann fällt Katalonien aus der EU heraus, aus dem Schengen-Raum, aus der Euro-Zone, kann die Personen- und Güterverkehrsfreiheiten nicht mehr nützen.

Der katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont hätte es in der Hand gehabt, die Unsicherheit etwas abzukürzen, wenn er in seiner Rede vor dem Autonomieparlament am Dienstag Neuwahlen in Katalonien angekündigt hätte. Diese Wahlen hätten für Klarheit sorgen können und für neues politisches Personal, das die eingefahrenen Fronten zwischen Barcelona und Madrid aufweichen hätte können.

Puigdemont kündigte aber keine Neuwahlen an. So wird vorerst weiter Unsicherheit über die Zukunft des Standorts Katalonien regieren – eine ungute anhaltende Pattstellung, fürchtet Michael Spalek, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Madrid. Katalonien ist eine gespaltenes Land, rund die Hälfte ist für, die andere Hälfte der Bevölkerung gegen die Unabhängigkeit von Spanien.

Verlierer auf allen Seiten

Andreas Schmid, Wirtschaftsdelegierter in Katalonien (Barcelona), sieht auf allen Seiten nur Verlierer: “Der Austritt ist nicht wirklich realistisch. Ein Katalonien außerhalb der EU kann sich niemand vorstellen, das wäre der Super-GAU. 40 Prozent der Produktion in Katalonien geht in die anderen Regionen Spaniens, weitere 40 Prozent gehen in die EU.

Die katalanische Wirtschaft macht daher derzeit viel Druck gegen einen Austritt. Die großen Banken haben sich schon abgesiedelt, weil sie nicht die Refinanzierung durch die Europäische Zentralbank verlieren wollten und sie auch im Banken-Rettungsfonds der EU verbleiben wollen. Spaniens Premier Mariano Rajoy hat Absiedelungen gesetzlich auch prompt enorm erleichtert.

Tiroler Firmen sollten vorsichtig sein

Was sollen Tiroler Unternehmen tun, die in Katalonien aktiv sind? Zwar gibt es keine Tiroler Firmen, die dort produzieren, aber es gibt einige, die dort Vertriebsniederlassungen unterhalten, Tyrolit ist vor Ort, ebenso Swarovski . Teilweise bearbeiten die Tiroler Unternehmen von Katalonien aus den spanischen Markt, sogar auch die lateinamerikanischen Exportmärkte. Für diese Unternehmen ist die Sitzverlegung in andere spanische Regionen empfehlenswert, falls die Katalanen tatsächlich austreten.

Katalonien ist zwar ein wirtschaftlich starker Markt mit 7,5 Millionen Einwohnern, der für ein Fünftel des spanischen BIP und für ein Viertel der spanischen Exporte verantwortlich ist, aber wer den Zugang zum spanischen Gesamtmarkt (47 Millionen Einwohner) nicht verlieren will, sollte einen “Plan B” entwickeln, sprich: eine eventuelle Absiedelung aus Katalonien zumindest vorbereiten.

“Vorerst weiterarbeiten wie bisher, aber vorsichtig sein bei Investitionen und mit einem Plan B in der Hinterhand” ist auch der Ratschlag von Spalek: “Die Frage ist, wo sind meine Hauptkunden. Wenn Sie in Katalonien selbst sind, dann trifft es Sie vielleicht nicht so hart. Wenn, was meist der Fall sein dürfte, von Katalonien der gesamte spanische Markt bearbeitet wird, dann sollte man einen Plan B haben.”

Nachahmereffekte könnten folgen

Denn bis Katalonien nach einer Unabhängigkeit wieder als neues EU-Mitglied aufgenommen wird, können Jahre vergehen, und alle EU-Länder müssen zustimmen, was nicht wahrscheinlich ist: Spanien dürfte sich aus heutiger Sicht querlegen, ebenfalls Frankreich und Italien, die die Unabhängigkeitsbestrebungen in den eigenen Ländern fürchten.

Die EU hat ein massives Interesse, einen Flächenbrand zu verhindern, also Nachahmereffekte, dass sich etwa die Korsen von Frankreich unabhängig erklären oder die Flamen in Belgien, die Lombarden und Venetianer in Italien: “Das ist ein Gefahr für das europäische Projekt”, sagt Schmid.

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