Um Innovation zu ernten, muss man Kreativität säen

Kreativität klingt immer gut, geht einem schnell über die Lippen und macht Mut gegen allerlei Aussichtslosigkeiten. Man adelt Glühbirnenerfinder und Apfel-Unternehmer damit und schreibt sie gerne in Stelleninserate. De facto ist Kreativität aber eher selten – vor allem im Management.

Vielmehr prägen eingefahrene Denkweisen und tradierte Strukturen die Arbeitsabläufe und Entscheidungsprozesse in vielen Unternehmen. Oft sind Schubladendenken und Routine die Leitplanken auf dem Weg in die Zukunft. Häufig werden kreative Vorschläge sogar als lästig empfunden, als unwirkliche Laute im gewohnten Takt, denn sie halten den Betrieb auf, strapazieren die eng bemessene Zeit, erfordern Anstrengung und Geld. Wirklicher sind Zahlen, härter sind Fakten, umgänglicher sind lineare Denkweisen. Das wird sich jetzt ändern. Auch im schönen Europa und im kleinen Tirol werden die Produktionen zurückgefahren, ausgelagert, spezialisiert. Die treibenden Kräfte werden daher Leute aus der Kreativwirtschaft sein, die Ideen entwickeln. Diese kreativen Menschen macht aus, dass sie verstehen, wie man Ideen produziert, wie man sehr gute erkennt, wie man sie wertbeständig macht und wie man sie im Sinne der Kunden zum Funktionieren bringt. Und wie man weiß: Eine gute Idee schafft die schnellste Wertsteigerung.

Kreativität als Heilmittel

Bitte denken ohne Probleme! Die Welt wird also immer komplexer. Das einzige und ewige Heilmittel dagegen: Kreativität! Denn die wichtigste Aufgabe von Kreativität ist es, die Dinge einfacher zu machen. Das kann eine ganz spezielle Art von Kreativität am besten: Nämlich diejenige, die gegen das Denken in Problemen hilft. Ein Beispiel: Wenn wir zu einer wohltätigen Institution gingen und um Mittel für die Bekämpfung von Krebs bitten würden, bekämen wir wahrscheinlich einen Zuschuss. Wenn wir darum bitten würden, Wissenschaftler bei ihrer Arbeit zu unterstützen das menschliche Denken zu verbessern, hätten wir wahrscheinlich keinen Erfolg. Denn was nicht als Problem wahrgenommen wird, dem widmen wir in der Regel auch keine Aufmerksamkeit. Lange wurden Erdbohrungen vertikal vorgenommen, bis ein schlauer Kopf meinte, ab einer gewissen Tiefe solle man die Bohrung doch horizontal weiterführen. Das Ergebnis: Heute ist dies ein Standardverfahren, das um ein vielfaches effektiver ist. Warum hatte dieses Verfahren niemand vorher erfunden? Weil niemand ein Problem damit hatte.

Kreatives Denken funktioniert aber anders als Problemlösungsdenken. Es ist beobachtend, stellt Dinge in Frage, ohne dass diese ein Problem wären. Es stört den Frieden, kommt ungefragt und erscheint den Menschen deshalb oftmals unnötig. Aber wir werden dieses kreative Denken immer stärker und bewusst einsetzen müssen. Nicht nur als Geistesblitz, sondern als im Unternehmen implementierter Prozess: um zu wachsen, um Wettbewerbsvorteile zu generieren und um im Zeitalter von Angebot (nicht Nachfrage) relevante Lösungen anbieten zu können. Die logische Konsequenz: Neue Organisationskulturen, in denen kreativer Input gewünscht ist und in denen Erlaubnisräume für lustvolles Experimentieren geschaffen werden. Das setzt jedoch a priori eine stärkere Sensibilität und Wertschätzung für Kreativität voraus, das Einbinden von Kreativprozessen in die Arbeitsabläufe und da wie dort einen neuen Führungsstil.

Wie kommt das Neue ins Land?

Kreativität entsteht also nicht in homogenen Systemen, sondern immer in instabilen. Das zeigt Mutter Erde, die in 150 Mio. Jahren und in einem unvergleichlichen, kreativen Prozess die Kriterien dafür vorgelegt hat: Mutation, Variabilität und Selektion. Vor allem die Variabilität ist dabei besonders wichtig, denn wenn viel Verschiedenes zusammenkommt, kann leichter etwas Neues entstehen. Das Bestehende wird durch äußere Einflüsse verändert. Dinge, die scheinbar nicht zusammengehören, werden neu verkettet. Umgelegt auf die Überlebensparameter der Wirtschaft heißt das: Die Fähigkeit einer Organisation, kreative Prozesse zu initiieren und das kreative Potenzial ihrer Führungskräfte und Mitarbeiter auszuschöpfen, entscheidet über deren Position im globalen Wettbewerb. Kein ernsthafter Ökonom zweifelt heute daran, dass Ideen und Kreativität das wichtigste Wirtschaftsgut des 21. Jahrhunderts sind. Die Arbeitswelt werde nicht mehr, wie in der Industriegesellschaft, durch Nachfrage bestimmt, sondern durch Angebote, also durch permanente Erneuerung und Innovation.

So gesehen können wir es uns auch nicht mehr leisten, zwischen den rationalen Entscheidungsträgern und den kreativen Verrückten zu unterscheiden, sondern müssen diese Gewaltentrennung überbrücken und auflösen. Es braucht ein besseres Verständnis für den jeweils anderen und es geht vor allem darum, Kreativprozesse, die oft in Abteilungen ausgelagert sind, ins gesamte Unternehmen einzubinden und zu einer echten Managementfunktion zu machen. Denn in Zukunft werden gute Unternehmen kreative Unternehmen sein. In Hinblick auf die Wertschätzung der kreativen Klasse, möchte man den Potentaten hierzulande daher ganz lapidar ins Gewissen reden: Geht’s den Kreativen gut, geht’s uns allen gut!

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