„Kalte Progression“ hat System: Bund hat Steuergrenzen teils seit 30 Jahren nicht angepasst

„Der Bund schröpft uns durch die Hintertüre seit 30 Jahren mehr als ordentlich“, hält Jürgen Bodenseer, Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer, fest. „Die kalte Progression bei der Einkommenssteuer ist nur die Spitze des Eisberges.“

Wenn es um die Entlastung von Unternehmern und ihrer Mitarbeiter geht, dann wäre die Anpassung an die Inflation eine ehrliche, wirkungsvolle und längst fällige Maßnahme. „Das System der kalten Progression hat einen schalen Beigeschmack und gehört schleunigst abgestellt!“

Wie eine Erhebung der Tiroler Wirtschaftskammer zeigt, sind zahlreiche Fixbeträge, also Freigrenzen, Freibeträge, Absetzbeträge etc. ebenfalls betroffen. Zum Vorteil des Finanzministers und zum Nachteil von Unternehmer und Arbeitnehmer und in der Folge aller Bürger, die das mit höheren Preisen bezahlen müssen.

Geringwertige Wirtschaftsgüter: 10 Prozent Anhebung vs. 81 Prozent Inflation

Im Zuge der Euro-Einführung wurde die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter (Handy, Tablets, Drucker, Möbel etc.) von 5.000 Schilling auf 400 Euro gerundet. Ein Plus von zehn Prozent. Im selben Zeitraum (seit Einführung 1988) ist die Inflation aber um 81 Prozent gestiegen. „Inflationsangepasst läge die Grenze heute bei 660 Euro und würde damit die wirtschaftliche Realität zumindest halbwegs widerspiegeln“, sagt Bodenseer.

 

Im Zuge der Euro-Einführung wurde die Grenze von 5000 Schilling auf 400 Euro gerundet. Ein Plus von 10 Prozent. Im selben Zeitraum (seit Einführung 1988) ist die Inflation aber um 81 Prozent gestiegen. „Inflationsangepasst läge die Grenze heute bei 660 Euro und würde damit die wirtschaftliche Realität zumindest halbwegs widerspiegeln“, sagt Bodenseer.

Pauschale für Berufsausbildung: nur mehr ein Fünftel der Kaufkraft

Ebenfalls weggeschaut hat die hohe Politik bei der Pauschale für die Berufsausbildung eines Kindes außerhalb des Wohnortes. Seit der Einführung des Einkommensteuer- und Körperschaftssteuergesetzes wurde die Pauschale mit der Euroeinführung von umgerechnet 109 auf 110 Euro (!) erhöht. „Seither ist nichts mehr passiert“, ärgert sich Bodenseer, „die Eltern bekommen damit nur mehr knapp ein Fünftel der damaligen Kaufkraft abgegolten.“

 

Grafik Berufsausbildung eines Kindes im Vergleich 2001 zu 2017

Alleinverdienerabsetzbetrag: von Vater-Staat um 64 Prozent gekürzt

Unter Berücksichtigung der Kaufkraft wurde der Alleinverdienerabsetzbetrag (AVAB) seit 1988 de facto um rund 64 Prozent gekürzt. Der AVAB für das erste Kind müsste daher heute inflationsbedingt von 494 auf 765 Euro angehoben werden, um dieselbe Kaufkraft wie 1988 abzudecken. Das sind 100 Euro über dem heutigen Betrag für zwei Kinder.

Kleinunternehmerregel: um ein Viertel anheben

Ein anderes Beispiel ist die Kleinunternehmerregel in der Umsatzsteuer. Der heutige Betrag steht seit 2006 im UStG. Bei Berücksichtigung der Kaufkraft müsste die Umsatzgrenze heute um 7.000 Euro, also um fast ein Viertel, angehoben werden, um die Inflation abzugelten.

 

Ein anderes Beispiel ist Kleinunternehmerregel in der Umsatzsteuer. Der heutige Betrag steht seit 2006 im UStG. Bei Berücksichtigung der Kaufkraft müsste die Umsatzgrenze heute um 7.000 Euro, also fast ein Viertel, angehoben werden, um die Inflation abzugelten.

Es geht auch anders – zum eigenen Vorteil

Der Gesetzgeber kann aber auch anders. „Wenn es um den eigenen finanziellen Vorteil geht“, sagt der Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer und verweist auf das Beispiel Mindest-Körperschaftssteuer. Die Mindeststeuer für Körperschaften, also beispielsweise GmbHs, wurde seit 1994 mehrfach zugunsten des Finanzministers angepasst und liegt heute 60 Prozent über dem Ausgangswert. Hätte man die Mindeststeuer lediglich der Inflation angepasst, so würden sich betroffene Unternehmer mit einem bescheidenen Gewinn oder gar einem Verlust jährlich 130 Euro ersparen.

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!