Strompreiszone: Das große Zittern hat ein Ende

Die Aussicht darauf, bis zu 15 Prozent mehr für Strom zahlen und damit einen großen Wettbewerbsnachteil stemmen zu müssen, hatte die heimische Wirtschaft elektrifiziert. Mit der Einigung der Regulatoren Deutschlands und Österreichs wurde das Damoklesschwert abgewendet.

Diese Geschichte hat viele elektrifizierende Seiten – politische genauso wie physikalische oder wirtschaftliche. Und diese Geschichte lässt Köpfe rauchen – in Deutschland genauso wie in Österreich oder ganz Europa. Jüngst wurde dabei ein Kapitel positiv beendet, was der heimischen Wirtschaft viele Stoßgebete abringt. War sie doch vor der Aussicht gestanden, dass ab Mitte 2018 die Strompreise um bis zu 15 Prozent steigen, der Volkswirtschaft Mehrkosten in Höhe von rund 300 Millionen Euro entstehen und der Wirtschaftsstandort einen gravierenden Wettbewerbsnachteil erfährt.

„Lange Zeit hat es ziemlich schlecht ausgesehen. Nun wurde ein Kompromiss gefunden, der Strompreiserhöhungen von maximal fünf Prozent erwarten lässt“, weiß Stefan Garbislander, Chefökonom der WK Tirol, die allgemeine Erleichterung zu erklären. Der worst case wurde abgewendet. Das Aufatmen ist entsprechend groß. Die Hintergründe des großen Zitterns aber, bleiben spannend. Buchstäblich. Ob politisch, physikalisch oder wirtschaftlich.

Die Energiewende

Vor rund 15 Jahren setzte der Wandel von der alten in die neue Energiewelt ein und Deutschland, ein entscheidender Strom- und Netzpartner Österreichs, setzte mit der Energiewende ein richtungsweisendes Zeichen. Der Abschied von Atomkraft und anderen „schmutzigen“ Energieerzeugern wurde zum großen Hallo für erneuerbare Energien und für die Wende griff bzw. greift Deutschland tief in die Tasche. Rund 30 Millionen Euro Ökostromförderung fließen pro Jahr. Das klingt nicht nur nach viel, es bewegt auch viel. Und das viel schneller als gedacht.

In ungeheurer Rasanz wurde Deutschland mit Solaranlagen überzogen und die Nordsee mit Windkraftanlagen übersät. Über 30 Prozent des in Deutschland benötigten Stroms kann bereits mit Sonne und Wind gewonnen werden, doch stresst dieser ökologisch freudvolle Umstand nicht nur, wenn kein Wind weht oder keine Sonne scheint. Die enorme Entfernung zwischen den Anlagen im Norden und den energieintensiven Wirtschaftsherzen im Süden stresst auch die Netze. Die Infrastruktur hinkt massiv hinterher, ein starkes Übertragungsnetz fehlt und das total überforderte „alte“ Netz unter Spannung zu halten ist wie ein Eiertanz, der aufgrund der physikalisch bedingten Harmoniesucht des Netzes ganz Europa betrifft. Das alles auszugleichen, kommt Deutschland teuer.

Teure Nebeneffekte

Mit Österreich verbindet Deutschland seit 2001 eine gemeinsame Strompreiszone und so wurde Österreich zum Nutznießer. „Die stark geförderten erneuerbaren Energien machen den Strom für Österreich günstiger, ohne etwas beizutragen“, so Garbisander. Das wurmte Deutschland dann doch sehr und das Bundeswirtschaftsministerium rechnete vor, dass der unbegrenzte Handel bei deutschen Stromkunden zu Mehrkosten von mehreren hundert Millionen Euro geführt habe.

Vor dem Hintergrund entstand die Idee, die gemeinsame Strompreiszone aufzukündigen und so den teils enormen Export des stark geförderten und damit billigen deutschen Stroms nach Österreich zu unterbinden. Heimische Kraftwerke hätten wieder in Produktion gehen müssen.
„Nachdem der Strom derzeit deswegen so billig ist, weil die deutsche Produktion übergefördert ist, kann ich die Energie um diesen Preis nicht produzieren. Ich produziere dann teurer und das führt dazu, dass der Strompreis steigt“, erklärte TIWAG-Chef Erich Entstrasser, als das Ende der Verhandlungen noch nicht absehbar war. Vor dem Hintergrund musste mit einer Strompreissteigerung von bis zu 15 Prozent gerechnet werden.

Mitte Mai 2017 kam es dann doch anders. Die beiden Regulatoren, die deutsche Bundesnetzagentur und die österreichische E-Control einigten sich darauf, den Stromhandel „lediglich“ einzuschränken und ab Anfang Oktober 2018 auf 4,9 Gigawatt zu limitieren, was etwa der Hälfte des österreichischen Verbrauchs zu Spitzenzeiten entspricht. Mit Preissteigerungen in Höhe von maximal fünf Prozent wird gerechnet und Garbislander meint: „Das ist verkraftbar.“

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!