Diversität: In Vielfalt steckt unendlich viel Potenzial

Beim einem FEMtech Netzwerktreffen am MCI in Innsbruck wurde über den Nutzen von Vielfalt im Allgemeinen und die Notwendigkeit, Frauen in allen Berufen und Entscheidungsebenen als selbstverständlich zu sehen, diskutiert.

„Es ist wichtig, nicht im Groll darüber zu reden, sondern sachlich zu diskutieren. Und ganz wichtig sind Vorbilder“, ist Patrizia Zoller-Frischauf überzeugt. Im Rahmen des FEMtech Netzwerktreffens am MCI zum Thema „Nutzen durch Vielfalt“ wurden die Ansprüche, welche die Tiroler Wirtschaftslandesrätin an eine Diskussion über Diversion und die unternehmerischen Möglichkeiten, die in einer Förderung von Frauen in technischen Berufen oder Führungspositionen schlummern, erfüllt.
FEMtech ist eine Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), die seit 2004 Frauen in Forschung und Technologie unterstützt. Dabei wird das Ziel verfolgt, Chancengleichheit in der industriellen und außeruniversitären Forschung zu schaffen, indem die Karrieren von Frauen durch die umfangreichste Expertinnendatenbank Österreichs, die Auszeichnung „FEMtech Expertin des Monats“ und die FEMtech Netzwerktreffen unterstützt werden.

Großer Nachholbedarf

Beim jüngsten FEMtech Netzwerktreffen nun, das am 12. Juni 2017 in Kooperation mit dem MCI in Innsbruck stattfand, wurde über den Nutzen von Vielfalt im Allgemeinen und speziell über die anhaltende Resistenz von Unternehmen wie Organisationen, Frauen als selbstverständlich in allen Berufen und Führungsebenen zu sehen, diskutiert. Von Frauen, deren Vorbildwirkung unbestritten ist. Nicht im Groll aber dennoch ernüchtert angesichts der Schwierigkeit, Stereotype aufzubrechen, die Wahrnehmung zurecht zu rücken und das Potenzial zu nutzen, das in der Vielfalt steckt.
„Ich bin da ein Stück weit desillusioniert. Wenn wir so weiter machen, wird es nicht besser werden“, hielt etwa Ruth Breu, Leiterin des Instituts für Informatik an der Universität Innsbruck, angesichts des seit ihrer Studienzeit kaum angestiegenen Frauenanteils im Informatik-Studium fest. „Es ist erschreckend und schade, dass es nach wie vor die klassischen Männer- und Frauenberufe gibt. In punkto Diversitätsmanagement haben wir großen Nachholbedarf“, ergänzte Michaela Burger, die seit 2012 als Personaldirektorin (Personal, Organisation, Kultur) für rund 5.000 Beschäftigte der D. Swarovski KG zuständig ist.

Fortschritt mit Rückschritten

Der lediglich in kleinen Schritten passierende und stets mit Rückschritten konfrontierte Fortschritt war für Heike Mensi-Klarbach, Lektorin und Forscherin am Institut Gender und Diversität in Organisationen an der WU Wien, Auslöser für wissenschaftliche Neugier. „Unternehmen sagen oft, wir können nichts machen, wenn wir die Frauen nicht haben. Dann wird es zurück gespielt an die Universitäten, in die Familien, in die Politik. Irgendwie hüpft der Ball vom einen zum anderen und passieren tut relativ wenig. Mich interessiert, wie das sein und was man tun kann und wie das alles zusammenwirkt“, so Mensi-Klarbach.

In ihrem Vortrag lieferte Mensi-Klarbach mit einer betriebswirtschaftlichen und organisationstheoretischen Betrachtung des Themas spannende Einblicke in ihre Arbeit. „Diversität ist kein Mehrwert an sich, aber sie birgt unendlich viel Potenzial. Viele, viele Studien in Bezug auf kulturelle Diversität zeigen, dass heterogene Gruppen viel produktiver und kreativer arbeiten. Das ist auch abhängig von der Aufgabenstellung, aber insbesondere ist es stark abhängig vom Diversitätsklima in den Unternehmen“, machte sie etwa deutlich, wie wichtig eine positive Stimmung gegenüber der Vielfalt ist.
Die passiert nicht einfach so, sie muss unter dem Dach eines Diversitätsmanagements organisiert werden. „Wenn das Unternehmen die grundsätzlich positive Einstellung zu Diversität nicht hat, dann können sie das zig mal vorrechnen und es wird nicht wirken. Das Wollen, das überzeugt Sein – jenseits einer betriebswirtschaftlichen Logik – muss gegeben sein, sonst funktioniert es nicht“, so Mensi-Klarbach.

Wahrnehmungs-Absurditäten

Die nach wie vor lebendige geschlechterspezifisch geprägte Wahrnehmung hat absurde Auswirkungen. An der Columbia Universität in New York wurde etwa der Frage nachgegangen, wie es wirkt, wenn Frauen im Aufsichtsrat von Unternehmen sitzen, die an die Börse gehen. „Diese Unternehmen starten mit einem schlechteren Aktienkurs, als jene, deren Board nur mit Männern besetzt ist. Die Kurse erholen sich dann, doch geht es um die Wahrnehmung der Investoren, die am Anfang negativ ist. Das hat nichts mit Leistung zu tun“, weiß Mensi-Klarbach. Ähnlich verhält es sich, wenn offensichtlich ist, ob Finanz-Analysten an der Wallstreet männlich oder weiblich sind: „Dann werden die Investmentstrategien der Frauen weniger oft angewandt, als die der Männer. Ist das Geschlecht nicht klar, dann gehen die Investoren nach der Leistung und es sind mehr Frauen, denen gefolgt wird.“
Obwohl es keine Studie gibt, die zu dem Schluss kommt, dass Frauen in Führungspositionen schlecht für ein Unternehmen sind und den meisten Unternehmen auch klar ist, dass für nachhaltigen Erfolg die Vielfalt der Absatzmärkte in der Belegschaft abgebildet werden sollte, kann die folgenschwere Resistenz nur mit anderen Kräften erklärt werden. „Es gibt Machtgefüge und Rollenverständnisse, die wir in der Gesellschaft haben und die in den Unternehmen wirken“, so die Wissenschaftlerin.

Quotenzweifel

Dass die Verhältnisse mit der Einführung von Quoten geändert werden können, bezweifelt sie nicht nur aufgrund des negativen Labels, welches an der „Quotenfrau“ hängt: „Schweden hat keine Quote für Aufsichtsräte aber 37 Prozent der Aufsichtsratsposten sind dort mit Frauen besetzt. Spanien hat seit 10 Jahren die Quote und nur 20 Prozent Frauen. Es ist wichtig, auf welchen Boden das fällt.“
Der Boden. Im Zusammenhang mit Diversion lässt er sich offensichtlich nicht leicht fruchtbar machen. Auf der Suche nach Wegen, die hartnäckigen Dinge aufzubrechen oder der Einteilung in Männer- und Frauenberufe den Garaus zu machen, waren sich die Teilnehmerinnen des FEMtech Netzwerktreffens über die Richtung einig. Ruth Breu: „Wo wir ganz vehement ansetzen müssen, sind Kindergärten und Schulen.“ So oder so. Die Selbstverständlichkeit steckt in Kinderschuhen.

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