Gewerbe braucht Ordnung

Die fertig verhandelt geglaubte Gewerbeordnung hängt in den Seilen. Eine Turbo-Liberalisierung würde vor allem die Konsumenten, Mitarbeiter und Lehrlinge treffen. Wenig erstrebenswert.

Die Novelle zur Gewerbeordnung ist entgegen der Ankündigung der Bundesregierung der politischen Wahltaktik zum Opfer gefallen und in die Warteschleife zurückgewiesen worden.

WK-Präsident Jürgen Bodenseer hofft auf politischen Sachverstand und eine Beschlussfassung vor dem Sommer: „Die Novelle ist intensiv verhandelt worden und enthält in der Endfassung einen vernünftigen Kompromiss. Die Gewerbeordnung hat Auswirkungen weit über die Betriebe hinaus und betrifft vor allem Konsumenten, Mitarbeiter und die Jugend“, verweist der Präsident auf die breiten gesellschaftspolitischen Auswirkungen bei Qualität, Kollektivverträgen, Lehre und Meisterausbildung – ganz abgesehen von Entbürokratisierungen und Erleichterungen für die heimischen Klein- und Mittelbetriebe.

Konsumentenschutz und Ausbildung im Zentrum

Das nötige Augenmaß bei der Reglementierung von Gewerben sichert vor allem die für den Schutz der Konsumenten wichtige Qualität. Schon derzeit stehen 80 gebundene Gewerbe 440 freien Gewerben gegenüber.

„Während die Kritiker der Gewerbeordnung öffentlichkeitswirksam immer von einem ‚Zuviel‘ warnen – das es zugegebenermaßen auch geben kann –, sind sie für die Nachteile der von ihnen geforderten radikalen Öffnung völlig blind“, warnt der WK-Präsident, „es braucht die goldene Mitte und keine kurzsichtige Veränderung mit der Brechstange.“

Wer den ungefilterten Zugang zu fast allen Gewerben zulassen will, setzt auch die bewährte duale Ausbildung aufs Spiel: „Schließlich werden in Gewerbe und Handwerk die österreichischen Lehrlinge ausgebildet – das ist ein Beweis für die hohe Ausbildungsleistung des Gewerbes und Handwerks und eine Rechtfertigung der im internationalen Vergleich hohen Preise (und Löhne!)“, erklärt WK-Spartenobmann Georg Steixner.

Keine amerikanischen Verhältnisse

Was eine schrankenlose Liberalisierung bedeutet, zeigen die Beispiele Deutschland und USA: In Deutschland ist nach einer radikalen Streichung regulierter Gewerbe vor mehr als zehn Jahren die Zahl der Lehrbetriebe drastisch zurückgegangen.

Und der amerikanische Weg, zunächst von irgendjemandem eine (mangelhafte) Leistung erbringen zu lassen und diese notfalls im Klagsweg zu sanieren, bedeutet, das Pferd von hinten aufzuzäumen.

Von diesen Konsequenzen reden die Turbo-Liberalisierer nie. „Wenn wir auf ein sinnvolles Maß an Regulierung verzichten, müssen sich die Konsumenten mit unprofessionellen Leistungen, die Mitarbeiter mit wenig kompetenten Arbeitgebern und die Jugendlichen mit dramatisch sinkenden Lehrstellen auseinandersetzen. Und das soll erstrebenswert sein?“, stellt Spartenobmann Georg Steixner die entscheidende Frage.

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