Netzwerk Familienunternehmen: Weil große Dinge anstehen

Mit dem Beitritt der WK Tirol und des MCI zum österreichweiten „Netzwerk Familienunternehmen“ wird das von Ministerin Sophie Karmasin initiierte Projekt gestärkt. Vom Zentrum Familienunternehmen dürfen wertvolle Beiträge erwartet werden.

 

„Wir sind der Überzeugung, dass wir die Bedürfnisse und Erwartungen von Familienunternehmen noch intensiver kennen lernen müssen, um politisch optimal darauf antworten zu können“, hielt Sophie Karmasin, Bundesministerin für Familien und Jugend (bmfj), kürzlich im open.space der Tiroler Wirtschaftskammer fest. Anlass ihres Besuches war der Beitritt der WK Tirol und des Zentrum Familienunternehmen (MCI) zum österreichweiten „Netzwerk Familienunternehmen“, das im Februar diesen Jahres in der Steiermark ins Leben gerufen wurde. Die einzigartige Kooperation dient zur „Vernetzung der Vernetzer“ und hat ein knackiges Ziel. Karamsin: „Die Familienunternehmen in Österreich zu stärken und vor allem das Bewusstsein zu schärfen, dass Familienunternehmen das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft sind.“ Ein Rückgrat, das angesichts der epochalen Herausforderungen, welche mit den Betriebsübergaben und der Digitalisierung anstehen, jede Stärkung verdient.

Familiärer Staffellauf

Aus der Tatsache, dass 67 Prozent aller Beschäftigten in Österreich (1,7 Millionen Menschen) in Familienunternehmen arbeiten, ergibt sich für Karmasin die nur auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinende „ministerielle“ Verantwortung für Wohl und Wehe dieser besonderen Unternehmensform. „So viele Familien sind damit konfrontiert, entweder weil sie in einem Familienunternehmen beschäftigt oder Teil einer Unternehmerfamilie sind“, erklärt sie. Eine weitere Affinität zum Thema ergibt sich aus ihrer eigenen Geschichte und im persönlichen Rückblick kristallisiert sich auch eines der Hauptthemen heraus, dessen sich das Netzwerk annehmen will. „Ich war selber Familienunternehmerin und habe das Unternehmen übernommen. Man muss sich das ganz klar überlegen, es ist nicht alles toll. Da stecken viele Emotionen drinnen. Im besten Fall gibt die ältere Generation alle Freiheiten, im schlechtesten Fall bleibt sie ewig bestehen“, spricht Karmasin das Prince Charles-Syndrom und die große Bandbreite der Übergabe-Spielarten an. Eines ihrer Ziele ist ein Anreiz von politischer Seite, ein Übergabezuckerl in Form von Steuererleichterungen zu schaffen, „die einen Motivationsschub darstellen, eine Anerkennung und Wertschätzung“, so Karmasin.

Bis 2023 stehen in Österreich 45.700 kleinere und mittlere Unternehmen vor der Übergabe. Und die Art, wie dieser familiäre Staffellauf über die Bühne gebracht wird, ist auf multiple Art zukunftsentscheidend – für die Unternehmen selbst, die Arbeitsplätze und die so breite wie nachhaltige wirtschaftliche Kraft, die von ihnen ausgeht. „Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir da als Prediger herumziehen, um den Leuten klar zu machen, dass sie früh genug an die Übergabe denken. Das sollte keine Ho-Ruck-Aktion sein, sondern von beiden Seiten – den Übergebern und Übernehmern – sehr gut vorbereitet werden, mit all den rechtlichen, steuerlichen und den rein menschlichen Themen“, macht sich WK-Präsident Jürgen Bodenseer für eine Offensive stark, von der zahlreiche der 17.400 Tiroler Familienunternehmen betroffen sind respektive profitieren können.

Nasenlänge voraus

Dass Tirol im Zusammenhang mit der umfassenden Betrachtung und Betreuung der Familienunternehmen nicht nur anderen Bundesländern, sondern auch im Europavergleich, eine Nasenlänge voraus ist, manifestiert sich im Zentrum Familienunternehmen, das vor rund einem Jahr  von WK Tirol und MCI gegründet wurde. „Wir sind das Pendant zur Bundesinitiative auf regionaler Ebene“, hielt Anita Zehrer, Leiterin des Zentrum Familienunternehmen, im Rahmen der Presserunde im open.space fest.

Familienunternehmen sind krisensicher, denken langfristig, bilden aus und sind aus Tirol nicht wegzudenken. Mehr als 16.000 Unternehmen in Tirol sind klassische Familienbetriebe. Wirtschaftskammer Tirol und Managementcenter Innsbruck haben speziell für diese Zielgruppe am MCI das „Zentrum für Familienunternehmen“ gegründet. WK Präsident Jürgen Bodenseer und Anita Zehrer vom MCI sind gestern dem „Netzwerk Familienunternehmen“ von Bundesiministerin Sophie Karmasin beigetreten um die österreichweite Vernetzung zu stärken. Als größte Herausforderungen und zugleich wichtigsten Aufgaben im politischen Prozess nennt Karmasin die Erleichterung von Betriebsübergaben, die Digitalisierung bzw. den Breitbandausbau und flexible Arbeitszeiten.

Mehr als 16.000 Unternehmen in Tirol sind klassische Familienbetriebe. Wirtschaftskammer Tirol und Managementcenter Innsbruck haben speziell für diese Zielgruppe am MCI das „Zentrum für Familienunternehmen“ gegründet. WK Präsident Jürgen Bodenseer und Anita Zehrer vom MCI (re.) sind gestern dem „Netzwerk Familienunternehmen“ von Bundesiministerin Sophie Karmasin beigetreten um die österreichweite Vernetzung zu stärken.

Über die Netzwerkfunktion hinaus trägt das Zentrum durch Studiengänge, Lehrgänge und angewandte Forschung dazu bei, das Bewusstsein gegenüber den speziellen Herausforderungen in Familienunternehmen zu stärken und nicht nur Studenten damit zu reizen, sondern auch Unternehmern konkrete Instrumente in die Hände zu geben, um mit den Herausforderungen umgehen zu können. Einerseits wird dort eine wissenschaftliche Basis für ein professionelles dynastisches Denken geschaffen, andererseits werden Möglichkeiten geboten, sich auf einer gleichsam neutralen Ebene mit Themen zu beschäftigen, deren Emotionalität im Familien(unternehmer)kreis oft schwer in den Griff zu bekommen ist. „In Familienunternehmen wird meist nicht prozessual auf das Thema Übergabe zugegangen“, weiß auch Ministerin Karmasin, „wenn man allerdings einen Ausbildungs- und Weiterbildungslehrgang hat, dann ergeben sich all diese Fragen, Prozesse und Anregungen auf einer anderen Ebene.“ Genau das ist es, was am Zentrum Familienunternehmen geboten wird – mit „überraschend großem Echo bei den Mitgliedsbetrieben“, wie Bodenseer festhält.

Ganz großer Schritt

„Dass das auf eine institutionalisierte Basis gestellt wurde, ist ein ganz großer Schritt. Es gibt in Europa keine Institute an den Universitäten, die sich ausschließlich mit Familienunternehmen beschäftigen. Das haben wir mit dem Zentrum geschafft“, weist Bernhard Baumgartner, der seine internationalen Erfahrungen in die Arbeit des Zentrums einbringt, auf die wegweisende Tiroler Besonderheit hin. Von allen Familienunternehmen schaffen es 67 Prozent in die zweite, 34 Prozent in die dritte und 12 Prozent in die vierte Generation. Es mag wissenschaftlich nicht erfasst sein, wie viele Übergaben bzw. Übernahmen an emotionalen Hürden scheitern, doch liefern diese Prozentsätze gute Gründe, den Familienmitgliedern dabei zu helfen, die psychosozialen Faktoren zu erkennen, zu entwirren und in eine Zukunftsvision umzumünzen. Die Erfahrungen am Tiroler Zentrum werden das österreichische Netzwerk jedenfalls fundiert bereichern.

„Der Plan ist, dass wir jetzt ein Jahr lang Erwartungen, Meinungen und Forderungen sammeln, um dann sagen zu können, welche die drei wichtigsten Themen sind“, so Karmasin. Diese Themen in politische Forderungen beziehungsweise Antworten einfließen zu lassen, ist der nächste Schritt. Die Ministerin würde sich wundern, wenn sich der Netzwerk-Fokus und damit der politische Auftrag nicht in Arbeitszeitflexibilisierung, Digitalisierung und Betriebsübergaben zuspitzen würde. Einig sind sich alle Beteiligten über den bislang vielfach nur im Stillen wahrgenommenen gesamtgesellschaftlichen Wert der Familienunternehmen. „Mit ihnen sind wir krisensicherer und nachhaltiger und ich bin überzeugt, dass sich Tradition und Innovation in Familienunternehmen perfekt ergänzen. Sie sind eine super Mischung, um Stabilität, Erneuerung und Modernität zu bringen“, sagt WK-Präsident Bodenseer und Ministerin Karmasin hält fest: „Familienunternehmen sind ein wunderbares Konzept, das sehr zukunftsträchtig ist. Dafür ist die Übergabe der Schlüssel.“

 

» Mehr Informationen:

Zentrum Familienunternehmen

Die optimale Betriebsnachfolge – Das Beratungsservice der Wirtschaftskammer Tirol

Zum Nachlesen: Tiroler Familienunternehmen – Geschichten, Erfolge, Perspektiven

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