Unangenehme Wahrheiten brauchen klare Antworten

Unangenehme Wahrheiten hört keiner gerne. Darum wird darüber meist auch nicht geredet. Jürgen Bodenseer hält es damit anders und nimmt zu einigen heiklen aktuellen Themen Stellung. „Die Frage, die wir uns dabei immer stellen müssen, lautet: Ist etwas gut für alle?“, erklärt der WK-Präsident.

Unangenehme Wahrheiten brauchen klare Antworten

Foto: iStock, Tirol Werbung/Bernd Ritschel

 „Die neue Gewerbeordnung ist nur der kleinstmögliche Kompromiss.“

Na ja – das liegt in der Natur einer politischen Koalition. Nach einem bekannten Zitat ist ein Kompromiss ja dann geglückt, wenn alle unzufrieden sind. Es ist gelungen, dass unverändert die Qualität für den Konsumenten und die Qualifikation der Jugend im Mittelpunkt stehen. Eine Turbo-Liberalisierung hätte mehr zerstört als verbessert. Wir wollen Tradition und Innovation verbinden, gerade was das Gewerbe und die kleinen, mittelständischen Unternehmen samt ihren fleißigen Mitarbeitern betrifft.

„Die Digitalisierung kostet Arbeitsplätze.“

Ja, vor allem bei gering qualifizierten Jobs. Aber auf der anderen Seite entstehen neue. Die Herausforderung für die Politik und die Wirtschaftsvertretungen liegt
darin, diesen Übergang bestmöglich zu begleiten. Jede Veränderung birgt Chancen für diejenigen, die diese zu nutzen wissen. Hier investiert die Wirtschaftskammer jährlich einen guten Teil der Umlagen in Aus- und Weiterbildung, Information und Beratung, um die Betriebe fit zu machen und möglichst viele qualifizierte Jobs künftig am Arbeitsmarkt verfügbar zu haben.

„Der Schutz der Umwelt hat Grenzen.“

Zu viel Schutz kann auch nach hinten losgehen. Gut gemeint kann letztlich auch schlecht getroffen sein: Wenn wir nämlich die Käseglocke übers Land stülpen (Stichwort Natura-2000-Nachnominierungen), wird Tirol als Standort unattraktiv – und mit ihm die Arbeitsplätze. Es geht nur mit Augenmaß, mit einem sorgsamen Abwägen zwischen Ökonomie und Ökologie. Ein Viertel der Landesfläche steht bereits unter Naturschutz – es braucht aber auch den Schutz der Arbeit und der Bevölkerung. Keiner will entsiedelte Täler und verlassene Dörfer.

 „Wir brauchen 12-Stunden- Tage.“

Ja, aber nicht generell. Es wird mit viel Propaganda versucht, darzustellen, dass derart lange Tage zur Normalität werden sollen. Das ist völliger Unsinn. Auftragsspitzen sind ja nicht jeden Tag – sonst wären es keine Spitzen. Es geht darum, hin und wieder einen Puffer für einen dringenden Auftrag zu schaffen. Wenn weniger Arbeit da ist, soll es im Gegenzug durchgerechnet über 12 Monate in Übereinstimmung mit den Mitarbeitern längere Pausen geben. Alle wollen es, auch unsere Mitarbeiter, und gemeinsam wollen wir das verhandeln und erreichen.

„Die Kammerreform ist mehr als ein Placebo.“

Die Wirtschaftskammer wird 20 Prozent einsparen und gleichzeitig ihre Leistungen erhöhen. Dieser selbst auferlegte Kostendruck schafft höhere Effizienz. Die Kammer hat das bei der ersten Reform vor einigen Jahren bereits eindrucksvoll praktiziert und setzt jetzt einen gewaltigen zweiten Schritt. Und wir werden das auch schaffen, im Interesse unserer Mitglieder und mit der Kraft Hunderter Funktionäre und kompetenter
Kammermitarbeiter. Wenn doch die Bundespolitik derartige „Placebos“ endlich auf die Reihe bringen würde – dann bitte her damit!

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