MyEy: Veganer Ei-Ersatz aus Tirol

Umtriebig ist er, ein Showtalent und höchst erfinderisch. Christian Geiser, dem Meister der veganen Küche, ist es mit “MyEy” gelungen, einen veganen und vollwertigen Ersatz für Hühnereier zu erfinden.

Vor dem Hintergrund dieser veganen Zauberei bekommt der leidige Spruch von der Henne und dem Ei beziehungsweise der Frage, wer denn nun zuerst da war, eine neue Bedeutung. Und endlich einen Sinn. Christian Geiser, der vegane Küchenstar aus Tirol, der nicht nur für die größte Schaumrolle sondern auch für das größte Spiegelei der Welt verantwortlich zeichnet, war zuerst da. So viel ist sicher. In ultimativer Kurzform könnte seine Biografie in etwa so lauten: Christian Geiser wurde geboren, dann wurde er Küchenmeister, dann vegan und dann – ja dann kam das vegane Ei. MyEy, um genau zu sein, der erste vollwertige pflanzliche Ei-Ersatz, mit dem Geiser die vegane Küche revolutioniert. „Es gibt eine ganze Reihe an Produkten am Markt, die sich Ei-Ersatz nennen, doch ein Ei-Ersatz ist erst dann einer, wenn er die gesamte Bandbreite an Funktionalität bietet“, weiß Christian Geiser und klärt auf, was das heißt oder eben, was er mit MyEy geschafft hat pflanzlich, ohne Soja oder Chemie zu zaubern: „Bindefähigkeit, dann der entsprechende Geschmack, die Farbe und vor allem die volle Aufschlagfähigkeit.“

Klima clever reparieren

Es ist schon faszinierend, was ein Ei alles kann und welche seiner Eigenschaften bei der Zubereitung so vieler Gerichte essenziell für das Ergebnis sind. Die Frage aber, schlicht ein Hühnerei zu verwenden stellt sich für Christian Geiser schon lange nicht mehr. Geiser lebt und arbeitet vegan, was eben bedeutet, dass Nahrungsmittel tierischen Ursprungs gemieden und tierische Produkte so gut es geht durch pflanzliche ersetzt werden. „Es ist so, dass man mit jeder pflanzlichen Speise einen positiven Beitrag für die Umwelt, die Energieressourcen und für die eigene Gesundheit leistet“, sagt er und zwischen den Zeilen lässt sich heraus hören, dass ein Bekenntnis zum Veganismus nicht einem Zölibat gegenüber tierischen Produkten gleich kommen muss, sondern vielmehr von einem Bewusstsein und einer Verantwortung gegenüber dem Klima geprägt ist, dessen mieser Zustand die Welt auf Trab hält.

Einer niederländischen Studie zufolge könnten die Reparaturkosten für das Weltklima bis 2050 fast komplett eingespart werden, wenn weltweit auf tierische Produkte verzichtet werden würde. Laut der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO ist der Anteil der Tierhaltung an den von Menschen gemachten Treibhausgasemissionen gleich hoch, wie die des gesamten globalen Verkehrs. Der Hintergrund dafür ist relativ einfach. Während zwischen dem Salat im Beet und dem Salat auf dem Teller – sofern das Regionalitätsprinzip eingehalten wird – ein kurzer Weg liegt, ist der Nahrungsweg etwa zwischen dem Getreide und dem Fleisch auf dem Teller so lang wie energiezehrend und methanreich. Um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, werden bis zu 15 Kilogramm Getreide benötigt, riesige Anbauflächen für Futtermittel fressen ihrerseits Sauerstoff produzierende Wälder, die Bearbeitung der Flächen verschlingt enorm viel Treibstoff, et cetera, et cetera.

vegane Küche

Christian Geiser ist ein Meister der veganen Küche. Foto: MyEy

Interesse an Ei-Ersatz wächst

Dieser Kreislauf ist so bekannt, wie zumeist unbekannt ist, wo ein Großteil der etwa in der Lebensmittelindustrie verarbeiteten Eiprodukte herkommen. „Das Käfighalteverbot gilt ja nur für Schaleneier“, weiß Christian Geiser, der trotz all seines ernüchternden Wissens kein wilder, kompromissloser Ritter des Veganismus ist, sondern mit Witz, Geschmack und Finesse zu überzeugen versteht, warum es sich lohnt an alternativen Lösungen zu tüfteln. Damit ist er nicht allein. Von Microsoft-Gründer Bill Gates wird berichtet, eine Heerschar an rund 60 Mitarbeitern in Labors an einem pflanzlichen Ei-Ersatz arbeiten zu lassen. Tja, der Tiroler aus Breitenbach hat’s schon erfunden und dem US-Milliardär in punkto geschmackvolle Nachhaltigkeit ein Schnäppchen geschlagen.

„Noch habe ich kein unmoralisches Angebot von Bill Gates erhalten“, erzählt Christian Geiser amüsiert. Dass in Übersee derart intensiv an einem pflanzlichen Ei-Ersatz geforscht wird zeigt, wie groß das Interesse ist und welche Chancen in diesem missing link stecken, doch weiß Geiser auch, weswegen ein US-amerikanisches Interesse an der Tiroler Erfindung problematisch umzusetzen wäre. „Das liegt an den Zutaten. MyEy enthält kein Soja, keine Chemie und es ist biozertifiziert“, sagt er. Zudem widersprechen die wenig ausgeprägten Berührungsängste der US-Amerikaner gegenüber Gentechnik der MyEy-Zutatenliste fundamental.

“Wir haben Interessenten aus Kanada, die sagten, sie würden einen anderen Namen verwenden, weil ein Englischsprachiger bei MyEy meint, es handle sich um sein Auge.”

Christian Geiser

Veganes Ei bleibt Geheimrezept

Wer diese Liste betrachtet, versteht auch, welches Wissen Geiser über die Jahre angesammelt haben muss, um in seiner Zauberküche eine Rezeptur zu erarbeiten, an deren Ende ein vollwertiger veganer Ei-Ersatz steht. Erbsen, Kartoffeleiweiß, Mehl aus Lupinen, Mais, Stärke, Schwarzsalz, Gelbwurz und Pfeffer. Die Zauberformel für das vegane Ei aber hütet er wie einen Schatz. „Das ist natürlich die Essenz – einerseits die technologischen Verarbeitungsprozesse und andererseits die Zusammensetzung“, verrät er nicht viel mehr.

Die einzige Formel, die in der Küche seiner Kunden relevant ist, lautet: Ein Teil MyEy und fünf Teile Wasser. Das war’s. Auch der Name MyEy ist selbstverständlich geschützt. Doch möglicherweise muss er sich noch einen anderen einfallen lassen. „Wir haben Interessenten für Kanada, die sagten, sie würden einen anderen Namen verwenden, weil ein Englischsprachiger bei MyEy meint, es handle sich um sein Auge“, erklärt er.

Dass sich der passionierte Patissier, der nicht nur veganer Daniel Düsentrieb, sondern auch Schulungskoch der veganen Gesellschaft Österreichs wie des deutschen Vegetarierbundes ist, der Kochschulungen für Großbetriebe anbietet und der Lebensmittelindustrie bei Produktentwicklungen zur Seite steht, trotz alldem und dem Unternehmertum auf seine Leidenschaften konzentrieren kann, liegt an einem starken Partner. „AVE, der größte vegane Großhändler Europas, hat den Vertrieb übernommen. Deswegen war das relativ einfach und ich konnte mich bei MyEy voll auf die Qualität konzentrieren“, erzählt er. Das hat geklappt. Und wie.

» Weitere Informationen: MyEy – der vegane Ei-Ersatz

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