Tourismus trägt Austro-Leistungsbilanz, Güterhandel fällt zurück

Der Tourismus bescherte Österreich 2016 erneut einen soliden Überschuss in der Außenwirtschaft. Der Leistungsbilanzüberschuss sank freilich von 6,5 auf sechs Mrd. Euro (1,7 Prozent des BIP). Der Tourismus war dabei mit 8,8 Mrd. Euro Plus noch stärker Träger dieses Erfolgs – der Güterhandel dagegen fiel als Überschussbringer zurück.

Der Eingang zum Oberen Belvedere aufgenommen am Dienstag, 28. Juni 2016, in Wien. Das Schloss Belvedere ist eine fŸr Prinz Eugen von Savoyen erbaute Schlossanlage, bestehend aus dem Oberen und dem Unteren Belvedere.

Der Tourismus sorgte auch 2016 erneut für einen soliden Überschuss in der Außenwirtschaft – FOTO: APA/HERBERT NEUBAUER

Ein gesund entwickeltes Land verzeichne in der Regel einen Überschuss, meinte OeNB-Vizegouverneur Andreas Ittner am Donnerstag zum stagnierenden Güterverkehr. Aus den Dienstleistungen und Unternehmensdienstleistungen gebe es auch weiter einen Überschuss, wenn auch sinkend, doch wenn auf Güterseite ein leichtes Minus stehe, bleibe nur noch der Reiseverkehr – doch könnten sich Reiseströme auch wieder verändern, gab Ittner zu bedenken. Daher seien hier trotz des in Summe stabilen Außenwirtschaftsüberschusses weiter Anstrengungen nötig. Die hohe Bedeutung des Tourismus werfe die Frage nach einer nachhaltigen Diversifizierung der Außenwirtschaftsstruktur auf, so die OeNB.

Einen Rückschlag für die heimischen Exporterfolge in die USA sieht Ittner durch die neue US-Politik unter Präsident Donald Trump nicht. Die Gesamtrelevanz der USA für heimische Güter sei keine unbedeutende, man erwarte, dass diese Güter dort weiter gebraucht würden. Im Handel mit den USA verzeichnet Österreich bei 8,8 Mrd. Euro Ex- und 3,3 Mrd. Euro Importen immerhin einen Überschuss von 5,5 Mrd. Euro. Mit Deutschland dagegen besteht ein Güterdefizit von über 10 Mrd. Euro (bei 38,7 Mrd. Ex- und 49,1 Mrd. Importen). In Summe waren die heimischen Güteraus- und -einfuhren 2016 mit je etwa 129 Mrd. Euro fast gleich hoch, nach zwei Jahren Güterhandelsüberschuss.

Offener Handel ist Vorteil für Österreich

Auch England werde trotz Brexit weiterhin Güter brauchen, sagte der OeNB-Vizegouverneur: „Ich sehe nicht, dass es ein Ziel Englands sein könnte, sich handelsmäßig abzuschotten.“ Fast alle Europäer würden glauben, dass der Brexit vor allem ein Problem für die Engländer darstelle, ein positiver wirtschaftlicher Effekt aus dem
EU-Austritt sei für ihn aber keiner zu erkennen. Andererseits sei das Außenhandelsvolumen mit UK – mit zuletzt 1,4 Mrd. Euro Positiv-Saldo zugunsten Österreichs aus Gütern und Dienstleistungen – keine Größenordnung, die für Österreich „spielentscheidend“ sei.

Zu den umstrittenen Handelsabkommen TTIP und CETA bekannte sich Ittner indirekt. Man sollte diese Abkommen zwar „nicht isoliert“ sehen, etwa wenn sie nicht kämen, sagte er auf eine Frage, doch sei Österreich abhängig von anderen Ländern, die unsere Produkte kaufen: „Je mehr andere Länder mit uns handeln, desto günstiger für unsere wirtschaftliche Situation und den Arbeitsmarkt.“ Insgesamt sei es für eine kleine offene Volkswirtschaft immer günstig, wenn es zu einem offenen, unbehinderten Handel komme.

Weltmarktanteil sinkt, Einnahmen steigen

Den leichten Marktanteilsgewinn Österreichs auf 2,28 Prozent im weltweiten Tourismus im Vorjahr – das zweite Plus in Folge – erklärte Ittner mit zwei Faktoren: Erstens würden mehr Österreicher im Inland Urlaub machen, und zweitens kämen sehr viel mehr deutsche Gäste zu uns. Freilich bestritt Österreich vor 30 Jahren noch 4,43 Prozent des Welttourismusmarktes, und der Anteil deutscher Gäste ist langfristig stark gesunken. In Summe wuchsen die Einnahmen aus dem ankommenden Reiseverkehr 2016 um 6,2 Prozent auf 17,4 Mrd. Euro – ein neuer Rekord. Die Ausgaben der Österreicher für Reisen ins Ausland, stiegen etwas schwächer um 4,7 Prozent auf 8,6 Mrd. Euro an. Der Einnahmenüberschuss betrug 8,8 Mrd. Euro, davon entfielen allein rund 6 Mrd. Euro auf Deutschland. Tirol und Salzburg verzeichneten 2016 die meisten Nächtigungen, doch holte Wien in den letzten 20 Jahren massiv auf und lag zuletzt auf Rang 3. (APA)

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