Winter-Minus: Touristiker kamen mit blauem Auge davon

Durch die ungünstige Ferienkonstellation, den fehlenden Schalttag und die schlechte Schneelage waren die Möglichkeiten, den Rekordwinter des Vorjahres einzuholen, dieses Jahr nicht gegeben. Der Winter 2016/17 war dennoch der fünfterfolgreichste im historischen Vergleich.

Zum Vorjahr sind die Nächtigungen im Zeitraum November 2016 bis März 2017 um 6,3 Prozent auf 23,7 Millionen gesunken, die Ankünfte um 3,6 Prozent auf 5,2 Millionen. „Angesichts der Rahmenbedingungen dürfen wir nicht unzufrieden sein, schließlich handelt es sich, gemessen an den Nächtigungen, um den fünfterfolgreichsten Winter im historischen Vergleich und es kann es nicht jedes Jahr einen neuen Rekord geben. Die gesamte Saison war von einer ungünstigen Ferienkonstellation gekennzeichnet, trotzdem ist die Stimmungslage im Tourismus durchaus positiv. Mein Dank gilt den engagierten Touristikern, die trotz Herausforderungen immer dafür sorgen, dass der Tourismus eine zentrale Säule der Tiroler Wirtschaft bleibt“, konstatiert Tirols Landeshauptmann und Tourismusreferent Günther Platter.

Das rückläufige Ergebnis dürfe jedenfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wintertourismus weiterhin Konjunktur habe. Tirol-Werbung Geschäftsführer Josef Margreiter betont: „Tirol hat auch dieses Jahr seine Poleposition gehalten und die Marktanteile in den letzten fünf Jahren laufend ausgebaut. Das hat auch unsere umfassende Alpnet-Studie aus dem Herbst klar belegt, ebenso wie die Tatsache, dass zwei Drittel der touristischen Wertschöpfung im Winter stattfindet“, so Margreiter.

Tourismus als “Konjunktur-Airbag”

Wichtiger ist laut Platter ohnedies die wirtschaftliche Entwicklung. Und die scheint durchaus zu passen. Schließlich zeigen sich 87 Prozent der befragten Unterkunftsbetriebe laut saisonalem Tourismusbarometer mit dem wirtschaftlichen Erfolg der aktuellen Wintersaison sehr zufrieden bzw. zufrieden. Auch der stetige Rückgang der Arbeitslosenquote in den vergangenen 15 Monaten spricht für sich.

Dies bestätigt auch Stefan Garbislander, Leiter Wirtschaftspolitik und Strategie in der Wirtschaftskammer Tirol: „Gerade die Erfahrungen der Wirtschaftskrise 2009 und deren Folgen haben eindrucksvoll gezeigt, dass der Tourismus wie eine Art ,Konjunktur-Airbag‘ für Tirol wirkt.“ Während in Krisenphasen die Waren-Exporte zurückgehen, bleibt die Auslastung im Tourismus stabil. Damit komme es auch zu einer Stabilisierung am Tiroler Arbeitsmarkt. Das ist einer der zentralen Gründe, warum Tirol traditionell eine geringere Arbeitslosenquote und eine höhere Beschäftigungsintensität aufweist als andere Regionen.

„Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass wir uns im Tourismus dauerhaft auf einem sehr hohen Niveau befinden“, erklärt auch Tourismusobmann Franz Hörl, er gibt jedoch zu bedenken : „Die Mehrwertsteuererhöhung tut uns heute noch weh, da braucht es in den nächsten Jahren eine Reparatur. Auch die Arbeitszeitflexibilisierung ist nach wie vor ein großes Thema. Da möchte ich nochmal klar und deutlich zum Ausdruck bringen: Das hat nichts mit Lohnraub zu tun, sondern es geht darum, dass wir dann Arbeit abrufen können, wenn sie anfällt. Es ist für den Tourismus aber auch für andere wirtschaftliche Bereiche notwendig, ein realistischeres Bild der Arbeitswelt und die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Die Tourismusbetriebe und die Seilbahnwirtschaft zusammen geben rund 56.000 Menschen Arbeit, zahlen über zwei Milliarden Euro an Löhnen und Gehältern und investieren jährlich über 600 Millionen Euro in neue Anlagen und Kapazitäten. Diese Bedeutung für den Arbeitsmarkt werde zudem noch weiter zunehmen: Digitalisierung und Automatisierung seien in einem Dienstleistungsbereich wie dem Tourismus nur bedingt sinnvoll und möglich, weil Menschen von Menschen serviciert werden wollen. „Wir gehen davon aus, dass im Tourismus in den nächsten acht Jahren bis 2025 rund 11.000 neue, zusätzliche Arbeitsplätze in Tirol entstehen können. Gerade den jungen Leuten muss diese Chance auf Beschäftigung im eigenen Land noch stärker aufgezeigt und vermittelt werden“, so der Wirtschaftsexperte Garbislander. Das Thema Lehrlingsausbildung im Tourismus werde daher weiter an Bedeutung gewinnen.

Großes Potenzial: Sommer in Tirol

Tourismusobmann Hörl blickt grundsätzlich zuversichtlich Richtung Sommer: „Die Berge sind wieder in und gewinnen weiterhin an Anziehungskraft. Wo wir allerdings Aufholbedarf haben, ist bei der Wertschöpfung. Im Sommer verkauft sich Tirol oftmals noch unter Wert.“ Ein angemessener Preis sei Voraussetzung für Investitionen in attraktive Angebote und eine weitere Steigerung der Qualität. Das Saisonale Tourismusbarometer hat auch die Erwartungen der Tiroler Unterkunftsbetriebe zur Sommersaison erhoben, die mit 1. Mai beginnt. Rund drei Viertel der Unternehmen sind derzeit mit der Buchungslage zufrieden bzw. sehr zufrieden.

Der Sommer habe auch weiterhin Potenzial. Um dieses zu heben, gelte es das Angebot weiter auszubauen. Gerade in Richtung Rad-WM 2018 forciere das Land eine Verbesserung der Infrastruktur von Radwegen bis hin zu Singletrails, um auch den Tirolerinnen und Tirolern noch mehr Freizeitmöglichkeiten zu bieten.

„Die Ausrichtung Tirols als Sportland ist eine tolle Sache. Große Sportveranstaltungen verschaffen nicht nur mediale Aufmerksamkeit, sondern auch dauerhafte Infrastruktur, die Einheimischen sowie Gästen nachhaltig zu Verfügung stehen“, hebt Hörl außerdem positiv hervor.

War die Ferienkonstellation im Winter eine ungünstige, so sei sie für diesen Sommer durchaus positiv, weiß Tirol Werbung-Geschäftsführer Margreiter. Gerade am wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland teilen sich die Sommerferien in diesem Jahr auf einen relativ langen Zeitraum auf. „Außerdem setzen wir Marketingaktivitäten, um die Nachfrage zu den Randzeiten zu beleben“, so Margreiter.

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