Fachkräftemangel: Flexibilität für Gewerbe & Handwerk überlebenswichtig

2016 brachte ein Umsatzplus von 1,7 Prozent, auch die Investitionen sind gestiegen. Die Auftragslage wäre gut, doch die Betriebe finden immer öfter keine Fachkräfte. Die längst überfällige Flexibilisierung der Arbeitszeiten wird für das Gewerbe und Handwerk damit zur Überlebensfrage.

42 Prozent der Tiroler Gewerbe- und Handwerksbetriebe verzeichneten 2016 Umsatzsteigerungen, nur 13 Prozent beklagten Einbußen. Am Ende des Jahres stand unterm Strich ein preisbereinigtes Umsatzplus von 1,7 Prozent (2015: -0,2 Prozent). Tirol entwickelte sich damit einmal mehr deutlich besser als Gesamtösterreich (0,6 Prozent Umsatzplus).

Ein zufriedenstellendes Ergebnis, wie auch Walter Bornett von der KMU-Forschung bestätigt: „Nach zwei Jahren mit einem Minus gibt das letztjährige Ergebnis den Betrieben wieder etwas mehr Luft zu atmen, z.B. um Investitionen zu tätigen.“ Die gute Umsatzentwicklung ließ die Betriebe tatsächlich mehr Geld ausgeben, als in den Jahren zuvor: 2016 tätigten rund 64 Prozent der Betriebe Investitionen um durchschnittlich 6.700 Euro pro Mitarbeiter – der höchste Wert seit dem Jahr 2009.

Heiß-Kalt für Betriebe

Doch wie sieht es heuer aus? Laut der Konjunkturbeobachtung planen “nur“ noch 54 Prozent, Investitionen vorzunehmen, „die Betriebe werden wieder vorsichtiger. Das merkt man auch, wenn man mit den Unternehmern spricht. Man kann schlicht und einfach noch nicht sagen, wie sich 2017 genau entwickeln wird“, fasst Spartenobmann Georg Steixner das Heiß-Kalt-Gefühl vieler seiner Unternehmer zusammen.

Heiß-Kalt deshalb, weil einerseits die aktuellen Zahlen noch positiv sind. Im ersten Quartal 2017 beurteilen ähnlich zu 2016 rund 22 Prozent der Betriebe die Geschäftslage mit gut. „Verglichen mit den Vormonaten beginnt sich das Stimmungsbarometer jedoch zu verschlechtern. Und da fragen sich natürlich viele: Wie geht es die kommenden Monate weiter?“, fasst Bornett die aktuelle Stimmungslage zusammen.

Suche nach Fachkräften bleibt Problem

Heiß-Kalt andererseits eben auch, weil die Erwartungshaltung nun unsicherer wird und die Probleme evidenter werden. So finden mittlerweile 47 Prozent der Betriebe keine oder zu wenige Fachkräfte. „Hinzu kommt noch, dass es auch beim Nachwuchs schwierig wird. Die Betriebe würden ihre Fachkräfte gerne selber ausbilden, sie finden aber leider auch immer schwieriger Lehrlinge. Die Fachkräfteproblematik wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen.“

Der gerade erst wiedererlangte Optimismus könnte deshalb bald einer großen Unsicherheit weichen: „Der Optimismus unter den Unternehmen nimmt nun im dritten Quartal in Folge wieder ab. Das spiegelt sich auch in der Personalplanung wider. Es wollen zwar 36 Prozent der Betriebe Mitarbeiter einstellen, dies ist jedoch saisonbedingt. Insgesamt werden die Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr wieder vorsichtiger, was das Einstellen von neuen Mitarbeitern betrifft“, so Bornett.

Flexiblere Arbeitszeiten für Betriebe überlebenswichtig

Für Spartenobmann Steixner ist die derzeitige Lage geradezu beispielhaft dafür, dass auch die Politik ihren Teil dazu beitragen muss, den Gewerbe- und Handwerksbetrieben das Wirtschaften zu erleichtern. Dass der Finanzminister den Handwerkerbonus nicht mehr verlängern möchte, ist für den Obmann rational nicht erklärbar: „Es ist eine Win-win-Situation, die den Betrieben zusätzliche Aufträge bringt und Steuereinnahmen in die Staatskassen spült.“ Die Branche werde sich laut Steixner jedenfalls weiter dafür einsetzen, dass der Handwerkerbonus verlängert werde, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen.

Wenig Verständnis zeigt Steixner auch für das Hadern der Regierung beim Thema Arbeitszeiten: „Die Aufträge wären da, doch die Betriebe finden zu wenig Fachkräfte. Für die kleinen Betriebe unserer Branche ist es deshalb überlebenswichtig, flexibel zu agieren. Wir wollen aber dabei nicht, dass in Summe länger gearbeitet wird, sondern dass die Arbeit dann erledigt werden kann, wenn sie anfällt“, argumentiert Steixner.

Konkret fordert der Obmann für seine Branche, dass „die Normalarbeitszeit in einzelnen Wochen auf 10 Stunden, bei einer Höchstarbeitszeit auf 12 Stunden maximal, ausgeweitet wird. Natürlich sollen dabei die 11. und 12. Stunde mit den Überstundenzuschlägen bezahlt werden.“ Derzeit sei dies nur unter Erfüllung enormer Auflagen (z.B arbeitsmedizinisches Gutachten) und mit der Argumentation der Abwendung enormen wirtschaftlichen Schadens in Ausnahmen möglich, was für die Gewerbe- und Handwerksbetriebe immens viel Bürokratie bedeute.

Georg Steixner und Walter Bornett präsentierten das Konjunkturbarometer für das Gewerbe und Handwerk

Spartenobmann Georg Steixner (r.) und Walter Bornett (KMU-Forschung): Die Geschäftslage im Gewerbe ist zwar gut, damit dies jedoch so bleibt braucht es flexiblere Rahmenbedingungen für die Betriebe.

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