Industrie sucht mehr Fachkräfte als Akademiker

Die Suche nach Fachkräften ist für die Industrie laut aktueller WIFO-Umfrage dringlicher als die nach Akademikern. Für Industrie- Spartenobmann Hermann Lindner kein Wunder: „Wir warten noch immer auf eine Bildungsreform!“ 

Qualifizierte Mitarbeiter sind für Industrieunternehmen der wichtigste Standortfaktor. Dabei ist die Suche nach Fachkräften für mehr Firmen dringlicher als die nach Akademikern oder Lehrlingen, ergab eine Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO). Steuererleichterungen kommen  unter den Wünschen der Firmen erst danach, so WIFO-Ökonom Jürgen Janger.

Zwei Drittel aller Firmen wollen einen besseren Zugang zu Facharbeitern, die Hälfte (jeweils 47 Prozent) mehr Akademiker und Lehrlinge. Wirtschaftspolitisch ist das Top-Anliegen die Flexibilisierung des Arbeitsrechtes (92 Prozent) knapp vor einer Senkung der Steuer- und Abgabenquote (88 Prozent) und Verbesserungen im Bildungsbereich (82 Prozent).

„Bildungsreform fehlt bis heute“

Tirols Industrie-Obmann Hermann Lindner sieht seine Forderungen durch die WIFO-Umfrage zu 100 Prozent bestätigt: „Wir weisen seit Jahren auf den drohenden Facharbeitermangel hin. Doch es wurde bis jetzt noch nicht alles dafür unternommen, dem entgegenzuwirken. Eine Bildungsreform, die genau auf diese Notwendigkeit abgestimmt ist, fehlt bis heute!“

So greift die Industrie zur Selbsthilfe und versucht im Kleinen, mit Beratungen in Schulen, auf Bildungsmessen und mit Wettbewerben, Jugendliche für die sog. „MINT“-Fächer zu begeistern und sie von der Qualität in diesem Bereich zu überzeugen.

Bildung ist auch für die WIFO-Experten der entscheidende Schlüsselfaktor. „Die Verbesserung der Bildung ist für den Erfolg heimischer Firmen ausschlaggebend“, schreibt WIFO-Ökonom Janger. Förderungen als Standortfaktor seien hingegen trügerisch, denn sollten Deutschland oder die Schweiz vergleichbare Förderungen einführen, ginge der Standortvorteil verloren. Vorteile im Bildungssystem seien hingegen nicht so leicht aufzuholen.

Flexibilisierung: win-win-Situation

Ähnlich verhält es sich laut Hermann Lindner mit der Flexibilisierung der Arbeitszeit. Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden am 30. Juni einen entsprechenden Vorschlag auf den Tisch legen. „Mehr Flexibilität ist für unsere Zukunft das wichtigste Thema. Ich wünsche mir deshalb, dass die Gewerkschaften auch dem Wunsch der Arbeitnehmer nach mehr Flexibilisierung im Bereich der Industrie Rücksicht nehmen. Wir denken, dass – wenn das Paket stimmt – es eine „win – win“ Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer geben könnte.“

 

» Mehr Informationen:

„Leistung muss sich wieder lohnen“: Interview mit Industrie-Obmann Hermann Lindner

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