Digitale Agenda: Die Zukunft angstfrei und lustvoll mitgestalten!

Digitalisierung Mit der ‘Digitalen Agenda’ präsentiert die WK Tirol ein so breites wie umfassendes Konzept, um Tirol für die digitale Transformation fit zu machen. „Es braucht ein tiefgreifendes Verständnis jenseits der Ängste und jenseits der Euphorie“, ist UBIT-Obmann Christoph Holz überzeugt.

Der Vergleich ist herrlich bizarr und die Erkenntnis daraus auch ein wenig tröstlich. Wenn Christoph Holz, Obmann der WK Tirol-Fachgruppe UBIT (Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT), in der einen Hand einen Faustkeil hält und in der anderen eine Computer-Maus, fällt auf: sie ähneln sich frappant in Größe und in Form. „Der Faustkeil ist das erste Werkzeug der Menschheit und die Maus ist das letzte“, sagt Holz, „es ist kein Zufall, dass sich die beiden Geräte so ähneln. Der Mensch hat sich in den rund 70.000 Jahren, die zwischen dem Keil und der Maus liegen, nicht verändert. Wir haben immer noch die gleichen Hände.“ Hände, in die sich das erste Werkzeug genauso zu schmiegen versteht, wie das letzte. Das letzte? „Darüberhinaus brauchen wir kein anderes Werkzeug mehr“, schafft es der IT-Experte gleichsam mit einem Satz den Kern der digitalen Transformation auf den Punkt zu bringen.

Jenseits der Ängste

Alles wird programmierbar, alles durch Software steuerbar und alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Der Umstand, dass allein diese drei Sätze ausreichen, um bei zahlreichen Menschen ein so mulmiges wie verzweifeltes Gefühl auszulösen, verdeutlicht, wie das allgemeine Bewusstsein den Tatsachen hinterherhinkt. „Ich würde das als Anpassungsstörung bezeichnen. Es braucht ein tiefgreifendes Verständnis der digitalen Transformation – ein Verständnis jenseits der Ängste und jenseits der Euphorie. Je früher wir uns mit dem Wesen dieser Veränderung auseinandersetzen, umso früher werden wir auch die Handlungsspielräume, die wir haben, entdecken und uns offensiv an die Kante dieser Entwicklung stellen“, skizziert Christoph Holz Hintergrund und Ziel der jüngst von der WK Tirol präsentierten Offensive ‘Digitale Agenda’.

Digitale Agenda als Wegweiser

Hinter dem Konzept „Digitale. Agenda. Tirol. Damit die Zukunft gelingt und der Wohlstand in unserem Land bleibt“ steckt mehr als eine punktuelle Bemühung, Digitalisierung für einen bestimmten Wirtschafts- oder Lebensbereich zu „übersetzen“. Die ‘Digitale Agenda’ ist vielmehr eine Einladung an alle – Politik, Wirtschaft, Gemeinden, Bildungseinrichtungen und nicht zuletzt jede einzelne Tirolerin und jeden einzelnen Tiroler – gemeinsam den Mythos Digitalisierung aufzubrechen und den Veränderungen gewappnet zu begegnen, um sie als Chance nutzen zu können.

Christoph Holz übergibt die "Digitale Agenda" an Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf.

Breite Allianz: Zur Umsetzung der digitalen Agenda will Christoph Holz alle Stakeholder an Bord holen. Hier mit Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf, die seit Jahren die Digitalisierung in Tirol unterstützt.

 

„Tirol nicht nur wirtschaftlich, sondern auch mental fit für diese digitale Zukunft zu machen ist eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung“, weiß Holz, der in dem Zusammenhang die Unterstützung von LR Patrizia Zoller-Frischauf hervorhebt und feststellt: „Wir haben 1600 IT-Firmen in Tirol, wirklich gute Universitäten und super Wifi-Ausbildungen. Wir sind eigentlich sehr gut auf die digitale Transformation vorbereitet und das wichtigste ist, sich unvoreingenommen, rechtzeitig und lustvoll mit diesen Themen auseinander zu setzen.“ Das ist der Plan.

Die digitale Transformation

„Neue Arbeit ist mehr als alte Arbeit mit Internetanschluss“, betitelt das Wirtschaftsmagazin „brand eins“ seine aktuelle März-Ausgabe. „Das Wesen der digitalen Transformation ist eben nicht, an alte Technologien hinten einfach eine Digitalisierungstechnologie draufzukleben“, sagt Christoph Holz. Wichtig sei, so Holz weiter, die Wirtschaft aus digitaler Perspektive neu zu denken.

Die Verwandlung einer bekannten Technologie in Informationstechnologie lässt sich beispielsweise am autonom fahrenden Tesla gut nachvollziehen. „Das ist kein Auto, sondern ein Transport-Roboter auf Rädern“, so Holz. Die Software ist der Kern dieses Roboters und vor dem Hintergrund der damit vollzogenen Transformation ist es auch nicht verwunderlich, dass dieses Fahrzeug im Silicon Valley gebaut wird – und nicht etwa in „alten“ Autometropolen wie Stuttgart oder Detroit.

Der Prozess, der zwischen dem von Menschen gelenkten und dem autonom fahrenden Auto passierte, ist es, der verstanden werden muss, um den Chancen der Digitalisierung lustvoll zu begegnen. „Sich Sorgen um die Kinder zu machen, ist nicht notwendig, die kommen schon mit den Technologien zurecht. Sich zukünftige Berufe nicht vorstellen zu können, ist in Ordnung. Daraus zu schließen, dass unsere Kinder dies auch nicht können, ist arrogant. Dass die Idee von Arbeitslosigkeit durch Technologie schon seit 200 Jahren falsch ist, macht sie auch nicht besser“, fordert Holz im Rückblick auf die verschiedenen technologischen Revolutionen und ihre Auswirkungen auf den Wohlstand wie die Lebensqualität der Menschen mehr Unaufgeregtheit und mehr Offenheit.

Die Maßnahmen der ‘Digitalen Agenda’

Eine durchaus kritische aber angstfreie respektive eben unvoreingenommene Haltung gegenüber dem Wandel setzt Wissen voraus. „So lange Digitalisierung ein Mythos ist, wird sie gleichzeitig unter – und überschätzt“, verweist Christoph Holz auf die Extreme. Beiden will die Tiroler Wirtschaft mit Aufklärung begegnen. So werden die unter „Digitalisierung ist eine Geisteshaltung“ subsummierten Maßnahmen auch als erste Schritte in der ‘Digitalen Agenda’ festgehalten. Durch Vorträge von Vordenkern, große Publikumsveranstaltungen oder flächendeckende Workshops in den Gemeinden sollen alle Tirolerinnen und Tiroler vorbereitet und vor allem mitgenommen werden auf den digitalen Weg. Und da Digitalisierung auch für die Politik schwer zu greifen ist, wird eine „Landtagsenquete Digitalisierung“ vorgeschlagen – mit dem klaren Signal: Digitalisierung wird in Tirol ernst genommen!

Das Schaufenster der Zukunft

Die ‘Digitale Agenda’ konzentriert zahlreiche Themen und bietet Wegweiser an, damit Tirol der digitalen Transformation nicht nur begegnen, sondern sie auch im Sinne des eigenen Wohlstandes nutzen kann. „Mein Lieblingsprojekt ist das Schaufenster der Zukunft, eine Art ars electronica in Tirol“, gesteht Holz. Seine Begeisterung ist federleicht nachvollziehbar, könnte die digitale Transformation durch dieses Projekt doch richtig „begreifbar“ werden – greifbar und verortet. Es ist ein Ort für die Zukunft, wo man die Technologien sehen und ausprobieren, ein Zahnimplantat beispielsweise am 3D-Drucker drucken oder all die vermeintlich „spacigen“ Gadgets lustvoll testen kann.

Ein Schaufenster wie dieses ist jedenfalls in der Lage, Unsicherheiten aufzulösen, die aufgrund der „Unsichtbarkeit“ entstehen. Auch im Lieblingsspruch des UBIT-Obmannes steckt die Energie, eventuelle „Anti-Haltungen“ in Positives zu transformieren: „Seit Menschengedenken hat uns die Welt ein wenig überfordert. Damit es so bleibt, gibt es den Fortschritt.“

UBIT-Obmann Christoph Holz: "Der Faustkeil ist das erste Werkzeug der Menschheit, die Maus das letzte." Foto: WK/Agic

UBIT-Obmann Christoph Holz: “Der Faustkeil ist das erste Werkzeug der Menschheit, die Maus das letzte.” Foto: WK/Agic

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